Mehr über Gemälde wissen

    27. Dezember 2018, 12:55
    4 Postings

    Saminu Salisu arbeitet in einem interdisziplinären Projekt an der Visualisierung von Gemälden

    Um Tizians "Hirten und Nymphen" in Ruhe zu betrachten, muss man theoretisch nicht mehr ins Kunsthistorische Museum pilgern. Dank Digitalisierung kann man das Meisterwerk aus der Renaissance inzwischen wie Millionen anderer Gemälde, Skulpturen oder Schriftstücke et cetera auch gemütlich am eigenen Computer bewundern.

    Für Laien ist es aber gar nicht so leicht, sich in den großen Datenmengen zurechtzufinden, um Kunstobjekte nicht nur anzusehen, sondern auch Neues über sie zu erfahren und die (kunst-)historischen Hintergründe zu verstehen.

    Das dürfte sich bald ändern: "Im Rahmen des Projekts Polycube wollen wir kulturgeschichtliche Daten auf eine Art visualisieren, dass Sammlungen nicht mehr nur von Experten auf unterschiedlichsten Wegen erkundet werden können", erklärt Saminu Salisu. Seit fast zwei Jahren arbeitet der gebürtige Nigerianer an diesem interdisziplinären Projekt zwischen Informatik und Kognitionswissenschaft an der Donau-Uni Krems mit.

    Raum-Zeit-Kuben

    "Zurzeit beschäftigen wir uns mit rund 51.000 Objekten aus mehreren Sammlungen." Basis dieser Visualisierungen sind Raum-Zeit-Kuben, die eine integrierte Darstellung räumlicher Verteilungen und zeitlicher Entwicklungen ermöglichen. "Damit können die Nutzer auf einen Blick raum-zeitliche Zusammenhänge erkennen", erläutert Saminu Salisu. "Etwa woher das Objekt kommt oder auch von welchen anderen Künstlern ein Maler beeinflusst wurde."

    Bevor der 29-jährige Informatiker für dieses Projekt nach Österreich kam, lebte er elf Jahre in London, wo er seinen Bachelor in Informationstechnologie und den Master in digitaler Forensik machte. Als Software-Entwickler sammelte er praktische Erfahrungen unter anderem bei einem Projekt für das Wembley-Stadion, für das er die erste Stadionvisualisierung entwickelte.

    Und wie lebt es sich hier in Österreich? "Ich wohne in Wien, und diese Stadt wirkt auf mich nach London ausgesprochen entschleunigt", lacht Saminu Salisu. "Die Work-Life-Balance lässt sich hier beträchtlich leichter halten!" Selbst wenn er neben der Projektarbeit auch noch eine Dissertation an der TU Wien schreibt.

    Visualisierung von Daten

    Natürlich dreht sich auch dabei alles um die Visualisierung von Daten: "Wir konsumieren laufend Informationen, ohne zu wissen, wie zuverlässig diese eigentlich sind", so der IT-Experte. "Das betrifft Bus-Ankunftszeiten genauso wie politische Aussagen."

    Salisu will nun eine Methode entwickeln, mit der die Zuverlässigkeit von Informationen ermittelt und angezeigt werden kann. "Dieses Know-how fließt in das Polycube-Projekt ein." Denn auch bei Kunstobjekten beruhen die Informationen oft auf Schätzungen. "Der Grad dieser Unsicherheiten soll dem Nutzer klar kommuniziert werden."

    Ob daneben noch Zeit für so etwas wie Muße bleibt? "Für Fußball jedenfalls – ob aktiv oder passiv!", bekennt Saminu Salisu. Und für lange Spaziergänge durch Wien. "Ich habe mich in diese Stadt schwer verliebt!" (Doris Griesser, 27.12.2018)

    • Saminu Salisu beschäftigt sich mit der Visualisierung unseres kulturellen Erbes.
      foto: donauuniversität krems

      Saminu Salisu beschäftigt sich mit der Visualisierung unseres kulturellen Erbes.

    Share if you care.