"Haarige Löcher" und Kochen mit Pferdemist: So bunt war der Junge-Akademie-Blog 2018

Blog19. Dezember 2018, 07:12
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25 Beiträge sind in diesem Jahr erschienen. Von der Antibiotikaforschung bis zur Zivilgesellschaft befassten sich unsere fächerübergreifende Blogbeiträge

Wissenschaftsblogs boomen – völlig zu Recht, bieten sie doch vielfältige Möglichkeiten der Wissenschaftskommunikation, insbesondere durch etwas freier formulierte Gedanken über Forschung, Forschungspolitik und Gesellschaft für ein breites Publikum. Ich bin deshalb heute mal so frei – und probiere einen Jahresrückblick über den Inhalt des Jungen-Akademie-Blogs.

Seit mehr als einem Jahr beteiligen sich viele der Mitglieder der Jungen Akademie hier am Wissenschaftsblog – dies ist der insgesamt 30. Beitrag, 25 sind allein 2018 erschienen. Der Anspruch unseres fächerübergreifenden Blogs war und ist es, Wissenschaft von A bis Z zu erzählen, von Archäologie bis Zellbiologie, um das breite fachliche Spektrum und die vielseitige Expertise der Jungen Akademie zu veranschaulichen.

A wie Antibiotikaforschung

Thomas Magauer bietet einen Einblick in sein Fachgebiet der Synthesechemie – hier gilt es, komplexe Meisterleistungen der Natur im Labor nachzubauen und so neuartige Medikamente zu gewinnen. Der Nachbau von Naturstoffen hat zuletzt große Fortschritte gemacht, doch wir werden sicherlich noch vieles über diese Herausforderungen von hoher Relevanz hören und lesen.

B wie Bodenmikroorganismen

Die große Diversität zahlreicher Mikroorganismen in Böden wird von Dagmar Wöbken geschildert – wer nochmals mehr über "mikrobielle Samenbanken" und ihren Nutzen erfahren will, dem sei der Beitrag dringend empfohlen.

C wie Chemie

Nuno Maulide stellt das wichtige Thema der Nachhaltigkeit in den Fokus – für sein Spezialgebiet der Produktion von Feinchemikalien, in dem sich aktuell ein Paradigmenwandel abzeichnet und auf abfallfreie Lösungen gesetzt wird.

D wie Dung

Geruchssensiblen Personen sei nicht geraten, unsere Kochexperimente mit Schaf-, Ziegen-, Esel- und Pferdemist nachzumachen. Wir selbst werden aber mit dem Erlernten rund um ägyptische und nubische Kochtöpfe und Dung als Brennmaterial gestärkt in die neuen Versuche der Experimentalarchäologie 2019 gehen – so fehlt uns zum Beispiel noch Schweinemist in unserer Sammlung.

foto: julia budka
Fertig zubereitetes Gemüsegericht im nubischen "Wok".

E wie Epigenetik

Was die Entstehung von Krebs und eine Skilandschaft gemeinsam haben, erläutert Christoph Bock. Seine Forschungen in Epigenetik arbeiten an der Erstellung einer Karte, die die Entwicklung der Zellen genau nachstellt – die Stammzellen vergleicht er mit Skiläufern, die ihre Brettln eben erst auf dem Berggipfel angeschnallt haben und alle Optionen zur Talfahrt besitzen.

F wie Fußgängerdynamik

Die faszinierte Dynamik großer Menschenmassen aus mathematischer Sicht schildert Marie-Therese Wolfram – und zeigt dabei die Anwendungsbezogenheit mathematischer Modellierungen auf, die zum Beispiel die Basis von Computersimulationen darstellen oder in der Entwicklung von Sicherheitsstandards für öffentliche Gebäude und Veranstaltungen Anwendung finden.

G wie Geometrie

Ein weiteres Mathematikthema ist der Beitrag von Bernhard Lamel – der ganz dringend allen empfohlen sei, die Mathematik ausschließlich mit dem Schulfach verbinden.

H wie Handabdrücke

Ganz andere Wege schlägt Anna Artaker in ihrem Beitrag ein, in dem Zusammenhänge zwischen Kunst, Fossilien, negativen Handabdrücken und Philosophie offenbart werden. Als Archäologin, die es stets mit "Dingen" in der Hand zu tun hat, steht der Beitrag ganz weit oben in meiner Lieblingsliste.

I wie Islamwissenschaft

In die Geschichte Russlands führt uns Paolo Satori mit seinem Beitrag über Archivarbeit zur Erforschung des Islams in der Sowjetunion. Die Leser bekommen einen kleinen Einblick, wie viel Quellenmaterial bezüglich komplexer und auch gesellschaftsrelevanter Fragen noch heute in Archiven schlummert und darauf wartet, wissenschaftlich aufbereitet zu werden.

K wie Klimaschutz

Mehr Wohlstand, mehr Wald, mehr Klimaschutz? Dieser Frage geht Simone Gingrich nach – wie so oft ist die Antwort natürlich um einiges komplexer. Ihr erst 2018 angelaufenes Forschungsprojekt wird sich vor allem der Identifizierung der Prozesse widmen, die die Wälder real entlasten und in weiterer Folge auch zu landnutzungsbezogenem Klimaschutz beitragen.

L wie Literaturwissenschaft

Ein umstrittenes, wenn auch boomendes Genre im englischsprachigen Raum stellt Julia Lajta-Novak vor: Romane, deren Protagonisten Menschen sind, die tatsächlich gelebt haben und eine Art Hybridstatus zwischen Fakt und Fiktion einnehmen – spannend!

M wie Mutterschaft

Fragen rund um Mutterschaft, Schwangerschaft und Geburt geht Katharina Rebay-Salisbury in ihrem aktuellen archäologischen Projekt nach. Können wir Auswirkungen der Mutterschaft auf die soziale Stellung der Frauen in der Urgeschichte begreifen, will die Archäologin wissen.

foto: ulrich dertschei
Das Innenleben des Kunstwerks: Anna Artaker, "Conceptus", 2014.

N wie Nobelpreis

Oder eben auch Kein-Nobelpreis: Warum es keinen Mathematik-Nobelpreis gibt, weiß nämlich Marie-Therese Wolfram.

O wie Oida

Allen Wunderwuzzis zum Trotz – im Leben klappt nun mal nicht alles, das trifft natürlich auch auf die Wissenschaft zu. Rund um "Fucked up Science" argumentiere ich, dass das Scheitern einfach zum Gesamtbild der Forschung dazugehört – und uns im Idealfall auch weiterbringen kann –, wenn auch nur selten darüber geredet wird. Abgesehen davon, dass ein aus tiefer Seele kommendes "Oida" manchmal auch einfach befreiend ist.

P wie Pflanze

Einen lesenswerten Überblick über die Pflanzenzucht von der Vererbungslehre bis hin zur heißdiskutierten Gentechnik und einen Ausblick in die Zukunft stellt Jürgen Kleine-Vehn zusammen.

Q wie Quantenmechanik

Ich bin wie die meisten immer begeistert, wenn mir völlig fachfremde Sachen wie Quantenmechanik so erklärt werden, dass auch ich tatsächlich was davon verstehe. Daniel Grummiller gibt entsprechende Einblicke in "haarige" Geschichten rund um Stephen Hawking und Schwarze Löcher.

foto: apa/afp/sheffield university/mark a. garlick
Haben Schwarze Löcher Haare?

R wie Radiofrequenz-Ionenfalle

Lust aufs "Sternderlschaun" macht auch Roland Wester – in seiner Forschung geht es um dunkle Molekülwolken, wie sie auch am Nachthimmel sichtbar sind. Die Experimentalphysiker bauen mit Ionenfallen interstellare Bedingungen im Labor nach und messen dann die Moleküle mit höchster Genauigkeit.

S wie Science Days

2018 wurden gleich zwei Science Days der Jungen Akademie durchgeführt. Während der erste themenoffen war – es wurden Yoga mit Mikrobiologie und Quantenphysik verknüpft –, wurde der zweite zu einem gemeinsamen Thema aus unterschiedlichen Perspektiven veranstaltet.

T wie Tod

Vom Sprachtod über das Absterben von Bäumen, Archäologie und Bestattungen bis hin zum Tod des Universums – der erste themenspezifische Science Day der Jungen Akademie hatte so einiges zu bieten. Dass der Tod zum Leben dazugehört, wussten wir natürlich vorher auch schon, dass er als wissenschaftliches Thema die unterschiedlichsten Fächer nutzbringend miteinander in Diskussion bringen kann, war sehr inspirierend.

U wie Universal-Suchmaschinen

Wir alle benützen sie täglich, doch was steckt eigentlich hinter den Universal-Suchmaschinen wie Google und Co? Astrid Mager bietet spannende Einblicke in ihre Forschung in Sachen Entwicklung von Suchmaschinen im gesellschaftspolitischen Spannungsfeld in Europa.

V wie Verjüngung

Auch wenn der Altersdurchschnitt der Mitglieder der Jungen Akademie bei deutlich über 30 Jahren liegt – die Junge Akademie wurde bewusst zur Dynamisierung der Mitgliederstruktur der ÖAW eingesetzt. Zur Feier des zehnten Geburtstages berichteten wir, was sich alles getan hat, wie es weitergehen soll und was das Besondere an der österreichischen Variante einer "jungen" Akademie ist.

W wie Waldbewirtschaftung

In seinem Beitrag "Der simulierte Wald" erklärt Rupert Seidl auf Basis seiner aktuellen Forschungen gemeinsam mit Werner Rammer, warum der Wald allein unser Klima nicht wird retten können.

X wie Xinjiang

In die Welt der Sprachen entlang der Seidenstraße führt der Blogbeitrag von Hannes Fellner. Sein neues Projekt widmet sich multiethnischen, multikulturellen und vielsprachigen Handelszentren entlang der alten Seidenstraße.

Z wie Zivilgesellschaft

Unsere Soziologin Kristina Stöckl berichtet über verschiedene Aspekte ihrer Forschung über paradoxe antiliberale Allianzen in Russland und anderswo. Längst treten nicht mehr nur progressive, sondern auch rechte, moralkonservative Gruppen Debatten los und sind in den Fokus der Sozialwissenschaften gerückt.

Wem der Junge-Akademie-Blog 2018 Spaß gemacht hat, der wird auch 2019 nicht enttäuscht werden – so viel sei jetzt schon verraten: Es geht weiter von A bis Z in Wissenschaft und Forschungspolitik. (Julia Budka, 19.12.2018)

Julia Budka ist Ägyptologin und Professorin für Ägyptische Archäologie und Kunstgeschichte an der LMU München. Sie forscht mit einem Kooperationsprojekt in Ägypten (Anch-Hor-Projekt) auch am Institut für Orientalische und Europäische Archäologie der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. 2014 wurde sie zum Mitglied der Jungen Akademie der ÖAW gewählt und fungierte von 2015 bis 2018 im fünfköpfigen Direktorium. Twitter: @jubudka

Links:

  • Junge Akademie der ÖAW (2008 als Junge Kurie im Rahmen der Modernisierung der ÖAW konstituiert, 2016 Umbenennung in Junge Akademie / Young Academy); Video; Broschüre; Twitter: @ya_oeaw
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