Hütteldorfer Herzschmerz

    17. Dezember 2018, 17:16
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    Rapid feierte am Tag nach der höchsten Derbyniederlage seit 1974 deprimiert Weihnachten. Das Verpassen des Playoffs ist kaum noch abzuwenden.

    Rapids Kapitän Stefan Schwab war Sonntagabend natürlich nicht sprachlos, sonst hätte er nach dem 1:6 in der Generali-Arena gegen die Austria nicht gesagt: "Das war ein richtiger Stich ins Herz, es tut einfach nur weh. So ein Debakel darf nicht passieren." Dass es sich gerade im letzten Spiel vor Weihnachten zugetragen hat, "macht es noch schlimmer. Man hat keine Möglichkeit der Korrektur. Man schleppt das mit."

    Der GAU ist zwar noch nicht eingetreten, aber die Wahrscheinlichkeit, dass Rapid das obere Playoff der besten sechs verpasst, liegt bei mindestens 97,5 Prozent. Der Rückstand auf Sturm Graz, aktuell Sechster, beträgt sechs Zähler, auf die Austria und den Wolfsberger AC sind es sieben. Erschwerend kommt dazu, dass die Tordifferenz deprimierend ist, sie liegt bei minus acht. Sturm hat plus fünf, der Unterschied beträgt also 13. Vier Runden stehen bis zur Teilung an, Rapid hat Salzburg, St. Pölten, Mattersburg und Hartberg zu bespielen.

    "Natürlich wird es jetzt unglaublich schwierig, wir haben die Hausaufgaben in der Meisterschaft leider nicht gemacht. Es wird lange dauern, das zu verarbeiten", sagte Sportvorstand Fredy Bickel.

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    Trainer Dietmar Kühbauer blickte starr vor sich hin, war Hauptdarsteller im falschen Film. "Solange es rechnerisch möglich ist, müssen wir daran glauben, das ist alternativlos." Er bilanzierte "ein kuriose Partie", die bis zum 1:1 sehr ausgeglichen gewesen sei. "Mit leichten Vorteilen für uns." Der Ausschluss von Dejan Ljubicic (33.) ließ das fragile Gebäude zusammenbrechen. Kühbauer wies darauf hin, dass Schiedsrichter Harald Lechner in der dritten Minute den Austrianer James Jeggo nach einem in der Tat rüden Foul an Thomas Murg hätte ausschließen müssen. "Die gelbe Karte war eine klare Fehlentscheidung. Aber sechs Tore darf man nicht kriegen, wir haben uns gehen lassen. Im Frühjahr wird man definitiv eine andere Mannschaft sehen. Das kann ich versprechen."

    Ein bis zwei Transfers werden erwartet, ausreichend Geld wurde in der Europa League verdient. Am Montag wurde übrigens Inter Mailand fürs Sechzehntelfinale zugelost, am 14. Februar gastieren die Italiener in Wien. Die Freude war begrenzt.

    Die Austria hat dafür besinnliche Weihnachten vor sich. Sollte Trainer Thomas Letsch gewackelt haben, sitzt er nun fest im Sattel. Nach dem höchsten Sieg gegen Rapid in der Bundesliga (seit 1974) ist das alternativlos. Letsch: "Man kann nicht besser in die Pause gehen. Wir haben richtig gebrannt. Man muss ehrlicherweise auch sagen, dass das Spielglück auf unserer Seite war."

    Dennoch sei der Herbst nicht zufriedenstellend gewesen. "Unsere Leistungen waren wechselhaft, es gab zu wenig Kontinuität. Anderseits beträgt der Rückstand auf Platz drei nur zwei Zähler. Und Rapid haben wir ganz sicher abgeschüttelt." Verteidiger Michael Madl sagte: "Wir haben unsere Fans teilweise gefoltert, aber jetzt haben wir für einen versöhnlichen Abschluss gesorgt."

    Rapid foltert weiter. Die Weihnachtsfeier am Montagabend konnte nicht abgesagt werden, es waren zu viele Karten verkauft. (Christian Hackl, 17.12.2018)

    • Verteidiger Manuel Martic steht vor jubelnden Austrianern für die Fassungslosigkeit der Hütteldorfer nach dem 1:6 im 328. Wiener Derby.
      foto: gepa pictures/ christian ort

      Verteidiger Manuel Martic steht vor jubelnden Austrianern für die Fassungslosigkeit der Hütteldorfer nach dem 1:6 im 328. Wiener Derby.

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