Neue Alben von Madeleine Peyroux, Katia Labèque und Breinschmid und Gansch

    18. Dezember 2018, 11:00
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    Musikempfehlungen zwischen sanftem Jazz und heiteren Musikseelen

    Madeleine Peyroux – Anthem

    Die US-Dame mit dem nostalgischen Timbre erinnert an die Jazztragödin Billie Holiday. Madeleine Peyroux ist auf Anthem (Decca) beim Erststück wieder in dieser Stilrichtung unterwegs (On My Own). Danach aber wandelt sich die Musikumgebung: Da sind Ausflüge in den Bluesrock, auch entspannter Folksound umweht sie. Und Smoothjazziges wird dann von erhabenen Tex-Mex-Gitarren abgelöst. Peyroux passt aber zu jedem Stil. Ihr Timbre, ihre verschlafene Art des Phrasierens ergeben eine Kunst, die Intensität aus Entspanntheit kreiert. Paradox, aber gut und dann keinesfalls ein Billie-Holiday-Plagiat.

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    Madeleine Peyroux: "On My Own"

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    Katia Labèque – Moondog

    Erfahrene ORF-Seher werden Moondogs Bird's Lament kennen. Mit seiner "barock" swingenden Melodie war das Stück in den 1980ern Signation der Filmsendung Trailer. Pianistin Katia Labèque, die gemeinhin mit ihrer Schwester Marielle ein weltberühmtes Klassikduo bildet, hat nicht nur diese Miniatur verarbeitet. Die ganze CD (DG) ist der Musik des sagenumwitterten Straßenmusikers gewidmet. Mit popaffinen Kollegen entwirft sie eine soundtrackhafte, entspannte Welt. Drum & Bass, Ambient und emphatische Gitarren sind zu hören. Und Labèque mitunter unbegleitet klassisch. Interessante Mixtur.

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    Katia Labèques Hommage an Moondog: "Bird's Lament"

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    Breinschmid/Gansch – bransch

    Instrumentalisten, die einander gut kennen, ergeben noch lange kein eloquentes Duo. Anders hier. Trompeter Thomas Gansch und Bassist Georg Breinschmid sind nicht nur Virtuosen und Witzbolde. Ihre Musikreflexe zeugen von einem Gleichklang der heiteren Musikseelen. Das Live-Album (Breinmusic), im Wiener Konzerthaus entstanden, bietet denn auch Zwiegespräche von markanter Pointiertheit. Daneben fehlt es nicht an kauzigen Gesangseinlagen und erhabenen Balladen. Und selbst bei Rossini wird originell zugelangt. Die Ouvertüre zur Diebischen Elster erfreut.

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    Thomas Gansch & Georg Breinschmid live im Wiener Konzerthaus (2012)

    (Ljubisa Tosic, 18.12.2018)

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