Austria deklassiert Rapid mit 6:1

    Video16. Dezember 2018, 19:14
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    Rapid war nach Ljubicics Ausschluss ab Minute 33 nur zu zehnt. Die Identitätsfeststellung von 1.338 Rapid-Fans durch die Polizei dauerte bei Minusgraden knapp sieben Stunden und erbrachte eine einzige Anzeige

    Wien – Es ist kaum möglich, ein Wiener Fußballderby ganz normal abzuwickeln. Auch die 328. Auflage am Sonntag in Austrias Generali-Arena reihte sich da nahtlos ein.

    Die organisierten Rapid-Fans wurden von der Polizei nämlich nicht ins Stadion gelassen. Sie, einige davon, hatten beim kollektiven Anmarsch auf Favoriten Bengalen gezündet und von der Brücke aus Schneebälle auf die Tangente geworfen. Die Stadtautobahn musste für den Verkehr kurz gesperrt werden. Rapid wurde also stimmlich nicht unterstützt. Die Anhänger, Schuldige wie Unschuldige, bibberten, eingekesselt von den Beamten, vor der Tür.

    Die Anhaltung von 1.338 Personen dauerte bis in die späten Nachtstunden. Die Rechtshilfe Rapid schrieb auf Twitter, dass erst um 21.44 Uhr – knapp sieben Stunden nach Beginn der Einkesselung – alle Personalien aufgenommen waren und die Fußballfans nach Hause gehen durften. Laut Polizei gab es eine Anzeige wegen vorsätzlicher Gemeingefährdung.

    Der zwischenzeitlich eingetroffene Katastrophenzug des Roten Kreuzes, der angerückt war, um die in der Kälte wartenden Rapid-Anhänger medizinisch zu versorgen, soll laut Infos der Rechtshilfe Rapid von der Polizei wieder weggeschickt worden sein.

    Laut Polizei wiederum mussten "lediglich drei Personen von der Rettung abtransportiert werden. Ein Mann klagte über Knieprobleme, eine Frau über Kreuzschmerzen und ein dritter Patient über Kreislaufbeschwerden."

    Rapid verändert

    Drinnen nahm Trainer Dietmar Kühbauer im Vergleich zum 1:0 gegen die Glasgow Rangers sechs Änderungen vor, das nennt man Rotation. Christopher Dibon, Marvin Potzmann, Christoph Knasmüllner, Deni Alar, Philipp Schobesberger und Torschütze Dejan Ljubicic rückten in die Startelf.

    Die Austria startete rustikal, James Jeggo säbelte Thomas Murg nieder, die gelbe Karte hat er sich redlich verdient (3.). Fußballerisch war zunächst wenig los, das mag der Ausgangslage geschuldet gewesen sein, beide zittern ja um die Teilnahme am oberen Playoff. In der 22. Minute zitterte die Austria überhaupt nicht: Freistoßflanke Jeggo, Christian Schoissengeyr überspringt Mateo Barac, köpfelt das 1:0.

    Und das Match nahm Fahrt auf. 29. Minute: Weiter Pass von Barac auf Potzmann, der umkurvt Michael Madl, trifft elegant zum 1:1. 32. Minute: Ljubicic zieht gegen Bright Edomwonyi die Notbremse, Schiedsrichter Harald Lechner zückt die rote Karte.

    Austria gnadenlos

    In Überzahl schlug die Austria gnadenlos zu. 35. Minute: Freistoß Madl, Goalie Richard Strebinger wehrt nicht gerade perfekt ab, Jeggo staubt zum 2:1 ab. 37. Minute: Christoph Monschein lässt halb Rapid stehen, erhöht auf 3:1. 42. Minute: Ein Prachtschuss von Kapitän Florian Klein, das 4:1. Die Austria im Spielrausch, Rapid mitleiderregend. 58. Minute: Verteidiger Barac trifft endlich ins Tor, allerdings ins eigene, 5:1 für die Austria. Alon Turgeman machte das halbe Dutzend voll (78.), 6:1. Die Austria feierte den höchsten Derbysieg seit Bundesliga-Gründung 1974. Monschein sagte: "Es war überragend."

    Und Rapid fehlen sechs Punkte auf Sturm Graz, also auf Rang sechs. Ergo sagt Marvin Potzmann: "Wir haben im Frühjahr vier Endspiele." Schon am Montag werden Rapid und Salzburg die Sechzehntelfinal-Gegner in der Europa League zugelost. (Christian Hackl, 16.12.2018)

    der standard
    Stimmen der Fans aus beiden Lagern vor dem Spiel

    Bundesliga, 18. Runde, Sonntag

    FK Austria Wien – SK Rapid Wien 6:1 (4:1)
    Generali-Arena, 16.582 Zuschauer, SR Lechner

    Torfolge:
    1:0 (22.) Schoissengeyr
    1:1 (29.) Potzmann
    2:1 (35.) Jeggo
    3:1 (36.) Monschein
    4:1 (41.) Klein
    5:1 (57.) Barac (Eigentor)
    6:1 (78.) Turgeman

    Austria: Pentz – Klein, Madl, Schoissengeyr, Ebner – Jeggo – Monschein (70. Turgeman), Matic, Prokop (63. Fitz), Sax (82. Demaku) – Edomwonyi

    Rapid: Strebinger – Müldür, Dibon, Barac, Potzmann – D. Ljubicic, Schwab – Murg, Knasmüllner (46. Martic), Schobesberger (79. Bolingoli) – Alar (46. Berisha)

    Rote Karte: D. Ljubicic (33./Torraub)

    Gelbe Karten: Jeggo, Sax, Schoissengeyr, Fitz, Edomwonyi bzw. Schobesberger, Müldür, Dibon

    Live-Nachlese:

    Austria watscht Rapid mit 6:1 ab

    Stimmen:

    Thomas Letsch (Austria-Trainer): "Wir haben keinen guten Herbst gespielt, sowohl was Punkte als auch was die Art und Weise betrifft, wie wir Fußball gespielt haben, aber heute ist es mir gut gelungen, die Mannschaft einzustellen. Jetzt können wir entspannt in die Weihnachtspause gehen. Hinten raus hätten wir sogar noch höher gewinnen können. Wir sind Fünfter, das ist nicht da, wo wir hinwollen."

    Dietmar Kühbauer (Rapid-Trainer): "So kurios es sich anhört, aber bis zum 0:1 war das Spiel total in unserer Hand. Die Austria wollte uns nur auskontern, das 0:1 darf uns nicht passieren. Wir machen den Ausgleich, dann kommt der Ausschluss und dann haben wir der Austria beim zweiten und dritten Tor den Ball in den Fuß gespielt. Das ist heute nicht der allerschönste Tag. Ohne den Ausschluss wären wir sicher im Spiel geblieben, trotzdem muss man nicht sechs Tore bekommen. Wir müssen sehr viele Punkte holen, wenn wir noch über den Strich kommen wollen, es zählen nur noch Siege. Es wird sich in der Winterpause definitiv etwas ändern, im Frühjahr wird eine andere Mannschaft auf dem Platz stehen."

    Christoph Monschein (Austria-Torschütze): "Da kann man nicht viel dazu sagen, das war überragend. Dass es so ein Derby wird, ist ganz arg. Normalerweise muss ich drei Tore machen, aber nachdem wir 6:1 gewonnen haben, ist das wichtiger. Dieser Sieg hat einen riesigen Stellenwert. Wir haben Punkte gutgemacht auf Rapid, die holen uns glaube ich nicht mehr ein."

    Marvin Potzmann (Rapid-Torschütze): "Das Tor bringt mir nicht viel. Wir waren am Anfang eigentlich die bessere Mannschaft, haben das Spiel mit der Roten und zwei Toren innerhalb von fünf Minuten aus der Hand gegeben. Das ist einer der schlimmsten Abende, die ich bisher gehabt habe. Wir haben jetzt vier Endspiele, die müssen wir alle gewinnen. Auch wenn der Gegner Salzburg heißt."

    James Jeggo (Austria-Torschütze): "Ein wahnsinniger Abend. Wir wollten im ersten Derby hier im Stadion ein Zeichen setzen. Wir haben die Tore zum richtigen Zeitpunkt gemacht. Wir wollten unseren Fans ein Weihnachtsgeschenk machen. Es war wichtig, dass die Mannschaft heute Herz und Leidenschaft gezeigt hat."

    • Jubel im Lager der Violetten.
      foto: apa/hans punz

      Jubel im Lager der Violetten.

    • Bei Rapid riss mit den Ausschluss von Dejan Ljubicic der Faden.
      foto: apa/hans punz

      Bei Rapid riss mit den Ausschluss von Dejan Ljubicic der Faden.

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