Nationalbibliothek restituierte 2.255 Bücher an Nationalfonds

    16. Dezember 2018, 17:36
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    Und kaufte die "erblosen" Publikationen für 75.000 Euro zurück

    Wien – Die Österreichische Nationalbibliothek (ÖNB) hat am Freitag im Rahmen einer Gedenkfeier 2.255 in der NS-Zeit unrechtmäßig erworbene "erblose" Bücher an den Nationalfonds der Republik Österreich für Opfer des Nationalsozialismus restituiert – und diese anschließend für rund 75.000 Euro zurückgekauft.

    Wegweisend für andere Museen und Bibliotheken

    Die "Bedeutung dieser Form der Restitution", die laut Aussendung entsprechend dem Kunstrückgabegesetz durchgeführt wurde, hoben im Rahmen der Veranstaltung Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka (ÖVP) in seiner Rolle des Vorsitzenden des Kuratoriums des Nationalfonds, ÖNB-Generaldirektorin Johanna Rachinger und Hannah Lessing als Generalsekretärin des Nationalfonds hervor. Mit dieser Art der Rückgabe werde ein "Weg beschritten, der wegweisend für andere Museen und Bibliotheken" sei, da eine öffentliche Versteigerung der "erblosen" Bücher nicht zielführend wäre.

    "Die Restitution der in der NS-Zeit geraubten Bücher ist für die Österreichische Nationalbibliothek nicht nur eine gesetzliche Verpflichtung, sondern auch ein moralisches Anliegen", so Rachinger. "Die heute an den Nationalfonds übergebenen Bücher aus dem Bestand der Österreichischen Nationalbibliothek konnten trotz intensiver Nachforschungen nicht an die ErbInnen der ursprünglichen EigentümerInnen übergeben werden, aber es ist schön, dass sie nun in der Bibliothek ein dauerhaftes Zuhause finden", so Lessing.

    Großer Anteil von Judaica und Hebraica

    "Über Jahrzehnte wurde Österreich im kollektiven Bewusstsein als erstes Opfer der NS-Herrschaft dargestellt und erst viel zu spät auch die Rolle der Täter beleuchtet", unterstrich Sobotka. Der Nationalfonds habe "Hervorragendes geleistet, um dieses Unrecht – wenngleich auch spät – wiedergutzumachen".

    Bei den betreffenden Büchern handelt es sich zu einem großen Teil um Judaica und Hebraica. Der Provenienz-Bericht der Nationalbibliothek im Jahr 2003 listete insgesamt rund 52.000 Objekte als mögliches "NS-Raubgut" auf, davon wurden insgesamt rund 49.000 Einzelobjekte an frühere Eigentümer, deren Erben und den Nationalfonds zurückgegeben. Bereits 2010 wurde eine erste Tranche von rund 8.300 nicht restituierbaren erblosen Büchern aus dem Bestand der Nationalbibliothek an den Nationalfonds übergegeben und gleichzeitig für die Bibliothek zurückgekauft. (APA, 16. 12. 2018)

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