Forscher präsentieren erstes "Steak" aus dem Labor

    Video17. Dezember 2018, 07:00
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    Ein israelisches Start-up hat einen Fleischstreifen aus verschiedenen Zelltypen hergestellt und will die Herstellungskosten dafür auf 45 Euro senken

    foto: aleph farms
    So sieht das erste gebratene "Fleischstück" aus dem Labor aus. Die Garnierung ist schon recht hübsch geraten.

    London – Es sei, so behaupten zumindest die Entwickler, das erste Steak, für das kein Tier geschlachtet werden musste. Produziert und präsentiert wurde der bunt dekorierte Prototyp eines künstlich hergestellten Fleischstücks in Israel, wie der "Guardian" und andere Medien berichteten. Der Geschmack des kleinen Streifens (und auch seine Dicke) müssten zwar noch verbessert werden. Aber die Textur habe man schon ziemlich gut hinbekommen, lobt Didier Toubia, Mitbegründer und Geschäftsführer von Aleph Farms.

    Vor allem aber will er mit den Herstellungskosten beeindrucken. Die beliefen sich laut dem französischstämmigen Entrepreneur auf 50 Dollar. Zum Vergleich: Der erste im Labor gezüchtete Beefburger, der unter großem medialem Getöse im Jahr 2013 vom niederländischen Forscher Mark Post präsentiert wurde, kostete in der Herstellung angeblich noch 250.000 Euro.

    Noch keine Fleischprodukte auf Laborbasis

    Das prototypische Steak aus Israel könnte einen Meilenstein für jene aufstrebende Industrie darstellen, die den Menschen echtes Fleisch liefern und dabei die enormen Umweltauswirkungen der intensiven Tierproduktion radikal senken will. Noch werden keine Fleischprodukte auf Laborbasis verkauft. Allerdings arbeite das US-Unternehmen Just daran, dass seine künstlichen Chicken Nuggets bald in einigen wenigen Restaurants erhältlich sein werden.

    Kleine Hühnerstücke ohne Huhn sind freilich deutlich leichter herzustellen als ein künstliches Steak ohne Rind. Wie Toubia erklärt, wurde das im Labor gezüchtete Fleischstück aus einer Mischung von Zelltypen erzeugt, die auf einem Gerüst in einem speziellen Medium gezüchtet wurden. Ausgangsbasis für die Zellkultur ist fetales Rinderserum, das aus dem Blut von Kuhföten gewonnen wird, aber noch optimiert werden müsse.

    aleph farms

    Einige Herausforderungen bleiben

    Laut Toubia bestehen noch einige Herausforderungen, ehe das Steak auf den Markt gebracht werden kann, was er in drei bis vier Jahren für möglich hält. Vor allem müsse man noch am Geschmack arbeiten. Immerhin: Beim Braten sei bereits der gleiche Duft wie bei echtem Fleisch zu riechen. Toubia gibt sich außerdem überzeugt, dass die Herstellungskosten weiter sinken werden, wenn man den Produktionsprozess vom Labor in eine kommerzielle Fertigungsanlage auslagere.

    wall street journal

    Eine weitere Herausforderung sei es schließlich, die Dicke des Steaks zu erhöhen, die beim Prototyp gerade einmal fünf Millimeter beträgt. Zur Lösung dieses Problems arbeite das Unternehmen mit Shulamit Levenberg zusammen, einer Expertin für Tissue Engineering am Technion, dem israelischen Technologieinstitut.

    Und der ökologische Nutzen?

    Viele Untersuchungen belegen, dass der Verzicht auf den Konsum von Fleisch und Milchprodukten der beste Weg ist, die Umweltauswirkungen bei der Ernährung möglichst gering zu halten. Durch vegane oder vegetarische Ernährung werden nicht nur die Treibhausgasemissionen reduziert; auch das Artensterben wird gebremst.

    Rindfleisch aus dem Labor hat offensichtlich einen geringeren ökologischen Fußabdruck als Steaks aus der intensiven Rinderzucht. Laut einschlägigen Berechnungen sind die Emissionen von im Labor gezüchtetem Fleisch aber immer noch um ein Vielfaches höher als die von Hühnerfleisch. Von pflanzlichen Eiweißalternativen erst gar nicht zu reden. (tasch, 17.12.2018)

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