Wirtschaftskrisen, Kriege, Planungsfehler: Leere Türme in aller Welt

    Ansichtssache6. Jänner 2019, 12:00
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    Die Gründe dafür, warum ganze Wolkenkratzer leerstehen, sind vielfältig. Bewohner finden sich manchmal trotzdem

    foto: afp photo / ed jones

    Ein Wolkenkratzer ist ein weithin sichtbares Symbol – im besten Fall für die wirtschaftliche Macht oder die Ingenieurskunst eines Landes. Steht der Turm leer oder bleibt er unvollendet, dann ist das Versagen aber auch weithin sichtbar.

    Ein besonders berühmter, weil groß dimensionierter Leerstand ist das Ryugyŏng-Hotel in Nordkorea. Dabei handelt es sich um ein 3.000-Zimmer-Hotel in Pjöngjang, an dem seit 1987 mal mehr und mal weniger gebaut wird – und das bis heute nicht in Betrieb genommen wurde. Warum genau das zum Baustart als höchstes Hotel der Welt geplante Gebäude bis heute nicht fertiggestellt wurde, dazu gibt es nur Spekulationen.

    Zwar wurden in den letzten Jahren immer wieder Arbeiten am 330 Meter hohen Gebäude durchgeführt und neue Betreiber für das Hotel präsentiert, einen Eröffnungstermin gibt es aber nach wie vor nicht.

    Vor einigen Monaten wurden Teile der Fassade mit LED-Bildschirmen verkleidet. Darauf werden nun Animationen und – natürlich – die nordkoreanische Flagge gezeigt.

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    foto: ap photo/sakchai lalit

    Auch der 185 Meter hohe Sathorn Unique Tower in Bangkok ist ein berühmter Geisterturm. 1990 wurde mit dem Bau begonnen, 1997 kam es während einer Finanzkrise in Asien zum Baustopp. Damals waren bereits etwa 80 Prozent des Gebäudes fertiggestellt.

    Danach wurde der leerstehende Turm zum Mekka für Rucksacktouristen, die hier Grusel und Nervenkitzel suchten. 2014 kam ein Tourist hier ums Leben, seither sind unerlaubte Besuche angeblich nicht mehr möglich.

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    foto: reuters/marco bello

    Noch ein unvollendeter Turm: In der venezolanischen Hauptstadt Caracas steht eine Bauruine, die Torre de David genannt wird. Auch diesem Großprojekt kam 1994 eine Wirtschaftskrise in die Quere. Später haben sich in das Gebäude, das weder über Aufzüge noch über Elektrizität verfügt, illegale Bewohner einquartiert. 2014 wurde der Turm geräumt.

    Danach gab es Gerüchte, dass chinesische Investoren am Gebäude Interesse haben. Auch daraus dürfte nichts geworden sein. Bei einem Erdbeben wurde der Turm letztes Jahr dann noch einmal schwer in Mitleidenschaft gezogen.

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    foto: reuters/alexei kolchin

    Baustart für den Fernsehturm im russischen Jekaterinburg war 1983, die Arbeiten haben dann aber 1991 mit dem Fall der Sowjetunion geendet. Ursprünglich sollte der Turm 400 Meter hoch werden, am Ende waren es dann aber nur 220 Meter beziehungsweise 26 Stockwerke.

    Das Gebäude, das über keinen Aufzug verfügte, wurde daraufhin jahrelang von Abenteuerlustigen oder Base-Jumpern besucht – bis der Eingang verbarrikadiert wurde. Vergangenen März wurde der Turm schließlich gesprengt.

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    foto: wikipedia/andrzej otrebski/(CC-Lizenz)

    Der Piraeus Tower im Hafen von Piräus, dem größten Seehafen Griechenlands, sticht inmitten von ansonsten niedrigen Gebäuden ziemlich hervor. Er wurde in den 1970er-Jahren errichtet. Bis heute werden vom 84 Meter hohen Turm nur die untersten drei Stockwerke genutzt. Als Gründe werden fehlende Parkmöglichkeiten und der falsche Standort genannt.

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    foto: reuters/jamal saidi

    Das Holiday Inn Beirut wurde in den 1970er-Jahren erbaut und, im Gegensatz zu den vorangegangenen Türmen, danach auch tatsächlich in Betrieb genommen. Im Libanesischen Bürgerkrieg wurde das Hochhaus allerdings zum umkämpften Kriegsgebiet, später noch einmal im Libanonkrieg 1982. Bis heute ist es vom Kriegsgeschehen schwer beschädigt und wird vom Militär genutzt. (zof, 6.1.2018)

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