Die besten Indie-Games 2018: Klein, aber oho

    Ansichtssache26. Dezember 2018, 11:00
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    Auch 2018 haben Spiele unabhängiger Entwickler für Spannung, Action und viel Spielspaß gesorgt. Das sind die zehn Indie-Highlights, die Sie nicht verpassen dürfen

    Auch wenn die Blockbuster immer größer und lukrativer werden: Manchmal ist es in den diversen Nischen kuscheliger, origineller und auf jeden Fall persönlicher. Kleinste, kleine und mittelgroße Studios zeigen seit mehr als einem Jahrzehnt, dass sich auch ohne Publisher und riesige PR- und Marketingbudgets spannende Spiele für ein wachsendes Publikum erstellen lassen.

    Hier sind zehn der besten Indie-Games dieses Jahres – so unterschiedlich, bunt und abwechslungsreich wie das Medium selbst. Übrigens: Das ebenfalls 2018 final erschienene Dead Cells hat der GameStandard bereits letztes Jahr in seiner Early-Access-Version ins Best-of des Jahres gerückt – weshalb es auf dieser Liste fehlt.

    subnautica

    "Subnautica" (Windows, Mac, Xbox One, PS4, ab 20,99 Euro)

    Survival-Sandbox-Spiele sind sehr populär, eines der hübschesten ist das Unterwasserabenteuer Subnautica. Im Unterschied zu den meisten Konkurrenten konzentriert sich das farbenfrohe Spiel auf Singleplayerspaß und verführt mit umfangreichen Sammel- und Bauaufgaben zu wochenlangen Tauchgängen in einem umwerfend atmosphärischen außerirdischen Ozean.

    Seit kurzem ist das Abenteuer nicht nur für PCs mit und ohne VR, sondern auch für Xbox und PS4 erhältlich. DER STANDARD urteilte damals: "… ein Fest für Einzelspieler, die sich für Tage und Wochen in diesem Alien-Ozean verlieren können. Ein Abenteuer, das sich dank absolut stimmungsvoller Welt und großem Beschäftigungsangebot schon jetzt als moderner Klassiker seines Genres bezeichnen lassen darf."

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    gametrailers

    "Into the Breach" (Windows, Mac, Nintendo Switch, ab 14,99 Euro)

    Die Macher des populären SF-Spiels FTL – Faster Than Light bleiben in ihrem zweitem Titel ihrem Ruf als außergewöhnliche Spielentwickler treu: Into the Breach ist völlig anders als sein Vorgänger, überzeugt aber durch genial taktisches Gameplay, stylische Präsentation und schier endlose Wiederspielbarkeit. Als Kommandant eines Trios von Kampfroboterpiloten kämpft man wieder und wieder in unterschiedlichen Zeitlinien rundenbasiert gegen die Invasion hochhausgroßer Insektenmonster – eine Art cleveres Monsterschach, in dem der Zufall keine, jedoch schlaue Planung dafür eine umso größere Rolle spielen.

    Into the Breach ist ein anschaulicher Beweis dafür, dass Größe oder auch Hochglanzpräsentation zwar nett sind, aber letztlich eben vielmehr cleveres Design, innovative Spielmechaniken und begeisternde Langzeitmotivation genau jene Zutaten sind, die ein wirklich gutes Spiel ausmachen", lautete damals das Urteil der Rezension.

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    11 bit studios

    "Frostpunk" (Windows, 29,99 Euro)

    Auch die polnischen Schöpfer des strategischen Antikriegsspiels This War of Mine beweisen mit ihrem zweiten Spiel, dass sie ein Ausnahmestudio sind: Im düsteren Aufbaustrategiespiel Frostpunk ist man als Leiter einer Siedlung in der eiskalten Klimaapokalypse mit harten und immer noch härteren Entscheidungen konfrontiert.

    Minusgrade, Krankheiten und Hunger setzen der Kolonie ebenso zu wie Hoffnungslosigkeit und grimmiger Schwierigkeitsgrad. Beim Release gab es noch zu beklagen, dass die Kampagne des ansonsten gelungenen Titels relativ kurz aufgefallen war; vor kurzem hat der Entwickler diesen Kritikpunkt mittels kostenlosen DLCs und Endless-Modus vorbildlich behoben. Das macht Frostpunk fast mühelos zu einem der besten Indie-Spiele des Jahres – aber Achtung: Leichte Kost ist die grimmige Endzeit nicht.

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    tynan sylvester

    "Rimworld" (Windows, Mac, Linux, 29,99 Euro)

    Nach längerem Early Access, in dem sich Rimworld bereits als kultiger Insidertipp für Strategiefreunde herumgesprochen hat, ist 2018 eines der faszinierendsten Aufbauspiele final erschienen. Das Management einer außerirdischen Kolonie irgendwo auf einem unbewohnten Planeten ist nicht nur wegen feindlicher Umwelt, Aliens, Ressourcenverwaltung und oftmals unvorhergesehener Ereignisse eine Herausforderung, sondern vor allem wegen der eigenwilligen Kolonisten, die alle ihren eigenen Kopf und Charakter haben.

    Spielerisches Vorbild des teilweise absurd witzigen Science-Fiction-Abenteuers ist das große Dwarf Fortress, optisch hat man sich selbstbewusst beim Stil von Prison Architect bedient, und doch ist Rimworld ein ebenso eigenständiges wie großartiges Erlebnis, das Lernwillige mit endlosen Geschichten belohnt.

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    dukope1

    "Return of the Obra Dinn" (Windows, Mac, 19,99 Euro)

    Auch Lucas Pope, Schöpfer des außergewöhnlichen Papers, Please, lässt mit einem gelungenen neuen Spiel aufhorchen: In Return of the Obra Dinn gilt es, das Rätsel um das Schicksal der Mannschaft des Handelsschiffes Obra Dinn zu lösen, das Anfang des 19. Jahrhunderts ohne lebende Seele an Bord vor der britischen Küste auftaucht.

    Als Versicherungsagent der East India Company ist man nur mit Papierkram bewaffnet – und einer magischen Taschenuhr, durch die man einzelne dramatische Szenen der Geschehnisse an Bord nacherleben kann. Nur wer die richtigen Schlüsse zieht und clever kombiniert, wird das Rätsel lösen. Return of the Obra Dinn ist ein spielmechanisch ebenso wie optisch absolut originelles Logikpuzzle für Freunde ungewöhnlicher Spielideen.

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    alexis kennedy

    "Cultist Simulator" (Windows, Mac, Linux, 19,99 Euro)

    Cultist Simulator ist wohl eines der seltsamsten Spiele des Jahres – und eines der faszinierendsten. Das Kartenspiel für eine Person "simuliert" durch Karten, Ablagestapel und Countdown-Timer die Reise eines oder einer Ahnungslosen ins düstere Zwielicht des esoterischen Okkultismus Anfang des 20. Jahrhunderts. Durch gezieltes Ablegen und Sammeln von Karten, die Ressourcen oder Tätigkeiten symbolisieren, werden Geheimgesellschaften gegründet, dunkle Rituale abgehalten und Wege zur Erleuchtung erforscht – und alles, das ist der ganz zentrale Clou des Spiels, ohne Spielerinnen und Spieler auch nur im Geringsten anzuleiten.

    Die Erforschung der komplexen Spielmechanik ist somit ein Spiegelbild ebendieser Reise ins Innere eines esoterischen Geheimnisses; ein cleverer und dank fantastischer Texte absolut atmosphärischer Trip. "Eines der originellsten Spiele der jüngeren Spielegeschichte, das zudem durch seine minimalistisch e Narration immer neue, haarsträubende Geschichten generiert. Ein ebenso elegantes wie außergewöhnliches Spiel", lautete damals das Resümee des GameStandard.

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    new blood interactive

    "DUSK" (Windows, 16,99 Euro)

    Nostalgie muss nicht heißen, die rosarote Brille aufsetzen zu müssen – im Fall von Dusk ist mit ihr eher eine unverschämt vitale Erinnerung verbunden, dass die vermeintlich längst überholten hyperkinetischen First-Person-Shooter-Klassiker der späten 90er-Jahre auch heute noch höllischen Spaß machen. "Things have gone wrong. Better kill everything" – mehr Story gibt es nicht in einem Spiel, das unter seiner hässlich-blockigen Oberfläche das bietet, was Quake, Blood und Redneck Rampage ebenso erfolgreich wie subversiv gemacht hat: halsbrecherische Geschwindigkeit, cleveres Leveldesign und eine Extraportion respektloser Humor der schwarzen, schwermetalligen Sorte.

    Wie gesagt: "Ein unverschämt temporeiches und schnörkelloses Shooterhighlight, das einen erst daran erinnert, was spätere Generationen immer 'realistischer' werdender FPS mindestens bis zum Relaunch von DOOM vergessen hatten. Ein Must-have für all jene, die damals beim Sprung zum modernen Shooter mit echten drei Dimensionen dabei waren – und für Spätergeborene auch."

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    versus evil

    "The Banner Saga 3" (Windows, Mac, PS4, Xbox One, Switch, ab 24,99 Euro)

    Mit dem heuer erschienenen letzten Teil der Fantasy-Rollenspieltrilogie The Banner Saga geht ein Abenteuer zu Ende, das Ausnahmecharakter hat: Gestaltet im einzigartigen, an Filmklassikern der 70er-Jahre erinnernden Zeichentrickstil, versehen mit einem vielfach prämierten epischen Soundtrack von Austin Wintory und vor allem mit seiner erwachsenen, düsteren Geschichte um Flucht, Tragik und Zusammenhalt im Angesicht einer Apokalypse ist das Rollenspiel ein souverän gelungenes Einzelstück mit ganz eigenem Stil.

    Die rundenbasierten taktischen Kämpfe und vor allem die folgenreichen, oft moralisch ambivalenten Entscheidungen um das Schicksal eines bunten Reigens an einzigartigen Figuren lassen The Banner Saga mit seinem wuchtig-imposanten Ende lange im Gedächtnis bleiben. Ein Fest für Rollenspielfreunde, eine Trilogie, von der man noch lange sprechen wird.

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    paradox interactive

    "Battletech" (Windows, Mac, Linux, 39,99 Euro)

    Die haushohen Kampfroboter des erfolgreichen SF-Universums kannte man als Computerspieler bisher hauptsächlich von den – auch schon wieder legendären – Action-Simulationen der Mechwarrior-Reihe, mit Battletech kehrt der Erfinder des taktischen Brettspiels Jordan Weisman höchstpersönlich ins Rampenlicht zurück, um sozusagen "back to the roots" zu gehen: Wie das Ausgangsspiel ist auch Battletech – endlich! – ein rundenbasierter taktischer Kampfsimulator, in dem Positionierung, Ausrüstung und cleveres Manövrieren entscheidender sind als flinke Reflexe oder pure Feuerkraft.

    "Wer das Tabletop-Spiel kennt, findet in Battletech die bisher treueste Umsetzung des Taktikklassikers. … sorgsamer kann mit dem kultisch verehrten Ausgangsmaterial nicht umgegangen werden", wie die GameStandard-Rezension betont.

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    capygames

    "BELOW" (Windows, Xbox One, 19,99 Euro)

    Erst Mitte Dezember veröffentlicht, schafft es auch das umwerfend atmosphärische Spiel der kanadischen Indie-Entwickler Capybara Games locker auf die Bestenliste. Nach endlosen fünf Jahren in der Entwicklung bezaubert das spielerisch minimalistische Actionrollenspiel, in dem man einen einsamen Abenteurer ganz ohne Worte immer wieder in die tiefen Höhlen unter einer Insel aufbrechen lässt, durch großartige Präsentation, perfekte Musik und vor allem den Hauch des Mysteriums, der das Spiel umgibt. Erklärt wird hier wenig – dafür gibt es umso mehr zu entdecken. Menschen mit kurzer Aufmerksamkeitsspanne seien gewarnt: Below lässt sich viel Zeit, gönnt sich ereignislose Pausen und verlangt beim Tod die Wiederholung ganzer Spielpassagen. Es ist eben im Grunde "nur" ein stylisches Rogue-like, das dafür in Sachen Atmosphäre so manches spielerische Schwergewicht mühelos in die Tasche steckt.

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    foto: getty

    Bei nur zehn Stockerlplätzen müssen viele großartige Titel ungenannt bleiben. Welche Indie-Spiele zählen für Sie zu den Highlights des vergangenen Spielejahres? (Rainer Sigl, 26.12.2018)

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