Roms Bürgermeisterin über Eintracht-Fans: "Bestien sollen zu Hause bleiben"

    14. Dezember 2018, 11:55
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    Sportlich top, aber Aufregung auf den Rängen: Eintracht Frankfurt kehrt Rom mit gemischten Gefühlen den Rücken. Rangnick verzichtet nach Leipzig-Aus auf Abrechnung

    Rom – Irgendwann war der historische Sieg in der ewigen Stadt nur noch Nebensache. "Wir haben kein gutes Bild abgegeben. Das betrübt mich sehr, das macht mich traurig", kommentierte das frustrierte Vorstandsmitglied Axel Hellmann die Randale rund um das 2:1 (1:1) von Eintracht Frankfurt bei Lazio Rom.

    Die trübe Stimmung bei der Klubführung kam nicht von ungefähr. Schließlich stellte die Eintracht ihren Rekord durch die Krawalle selbst in den Schatten. Durch den Sieg beim zweimaligen italienischen Meister haben die Hessen als erster Fußball-Bundesligist alle sechs Vorrundenspiele in der Europa League gewonnen – doch darüber sprachen hinterher nicht mehr allzu viele.

    Festnahmen

    Der Grund dafür waren die Ausschreitungen, die für rund ein Dutzend Mitgereiste ein Nachspiel haben werden. Nach Angaben der Polizei wurden "um die 15 Personen" festgenommen. Die Beamten beschlagnahmten zudem Feuerwerkskörper und Rauschgift. Zwei Frankfurter Anhänger wurden von Lazio-Hooligans attackiert und verletzt, einer davon musste ins Krankenhaus.

    Bereits vor der Partie war es zu Zusammenstößen mit der Polizei gekommen. Zudem war eine Gruppe von Eintracht-Fans am Nachmittag in einen Supermarkt der Innenstadt eingedrungen und hatte Lebensmittel sowie Alkohol gestohlen. Trotz scharfer Sicherheitsvorkehrungen wurden mehrere Plätze der Innenstadt beschmutzt, wofür Bürgermeisterin Virginia Raggi deutliche Worte fand: "In Rom empfangen wir gern Fans, aber keine Hooligans. Bestien dieser Art sollen zu Hause bleiben."

    Pyro und Streit

    Während des Spiels zündete ein Teil der 9000 Frankfurter Fans Pyrotechnik, die Polizei marschierte im Innenraum auf. Ein Eintracht-Anhänger wurde beim Versuch des Platzsturms festgenommen. "Und ihr wollt Eintracht Frankfurt sein?", skandierte ein Großteil der Fans in Richtung der gewaltbereiten "Anhänger".

    Auch die Klubführung fand deutliche Worte. "Eine kleine Gruppe hat das Spiel missbraucht, um ihre private Auseinandersetzung mit Lazio Rom zu führen", sagte Hellmann, der von einer Bestrafung durch die Europäische Fußball-Union (UEFA) ausgeht: "Diese kleine Gruppe nimmt alle anderen Fans in Sippenhaft, was die Wahrnehmung und Stimmung betrifft. Das schadet Eintracht Frankfurt."

    Sportlich top

    Immerhin gab die Mannschaft auf dem Platz ein gutes Bild ab. Der Serbe Mijat Gacinovic (65.) und der Franzose Sebastien Haller (71.) drehten das Spiel nach dem Rückstand durch das Tor des Argentiniers Joaquin Correa (56.). Sportlich war die Begegnung allerdings bedeutungslos. Frankfurt stand bereits als Gruppensieger fest. Lazio war ebenfalls schon für die K.o.-Runde qualifiziert, die am Montag ausgelost wird.

    Kopfzerbrechen bereitet Trainer Adi Hütter die Verletzung des Japaners Makoto Hasebe. Der seit Wochen in Topform spielende Abwehrchef erlitt eine Oberschenkelverletzung. Hasebe wird wohl nicht nur im Ligaspiel am Sonntag gegen Bayer Leverkusen fehlen.

    "In einer derart schweren Gruppe diesen Rekord aufzustellen, ist schon stark", bemerkte der Vorarlberger, der mit seiner Truppe auch in der Bundesliga als Fünfter für Furore sorgt. Beeindruckend fand er zudem, dass die von ihm auf sieben Positionen veränderte Mannschaft nach einem 0:1 die Begegnung drehen konnte und enormen Siegeswillen zeigte. Hütter: "Es war kein bedeutungsloses Spiel für uns. Wir wollten von vorneherein mit Mentalität in das Spiel gehen."

    "Verkühlt"

    "Verkühlt" reagierte an anderer Stelle Ralf Rangnick. Der ehemalige Salzburg-Sportdirektor blamierte sich mit RB Leipzig, flog nach dem Heim-1:1 gegen Trondheim aus der "Bullen"-Gruppe – der Salzburger Schützenhilfe in Glasgow zum Trotz. Während die Spieler Selbstkritik übten, nahm Trainer Rangnick seine auf acht Positionen veränderte Startelf in Schutz. "Es hätte heute nur einen Sieger geben dürfen, wir hatten ein Torschussverhältnis von 23:7. Ich kann den Jungs keinen Vorwurf machen, wir haben alles versucht. Wir haben es über weite Strecken richtig gut gemacht", sagte Rangnick.

    "Schlechter hätte es im Großen und Ganzen nicht laufen können", sagte ÖFB-Teamspieler Konrad Laimer. "Wenn wir dieses Heimspiel nicht gewinnen, haben wir es auch nicht verdient, weiterzukommen", bilanzierte RB-Kapitän Willi Orban. "Es fühlt sich fast surreal für uns an, dass wir das Spiel nicht gewonnen haben. Es bringt allerdings nichts, sich in die Rolle des Haderns zu bringen, denn wir haben in drei Tagen schon wieder ein wichtiges Spiel in der Bundesliga", betonte Rangnick im Hinblick auf das Sonntagsspiel gegen Mainz. (sid, APA, red, 14.12.2018)

    • Adi Hütter herzt seine Eintracht-Spieler.
      foto: apa/afp/filippo monteforte

      Adi Hütter herzt seine Eintracht-Spieler.

    • Zwischen den Eintracht Fans und der Polizei gab es hingegen weniger Herzliches.
      foto: apa/afp/filippo monteforte

      Zwischen den Eintracht Fans und der Polizei gab es hingegen weniger Herzliches.

    • Für Leipzig und Rangnick hätte es besser laufen können.
      foto: apa/afp/robert michael

      Für Leipzig und Rangnick hätte es besser laufen können.

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