Geschenktipp: Wir sagen euch an, den lieben Bücheradvent

    15. Dezember 2018, 10:00
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    Wenn Sie zu Weihnachten Bücher verschenken wollen, tun Sie es: ALBUM-Mitarbeiter und -Mitarbeiterinnen geben 24 Hilfestellungen

    foto: getty images/istockphoto

    Mia Eidlhuber

    Neu & Gut: Die Aufzeichnungen übers Verreisen und Heimkommen des Norwegers aus Bergen, Tomas Espedal, in seinem aktuellen Buch Bergeners (Matthes & Seitz, € 20,60) sind ideale Einstimmung auf den Länderschwerpunkt der nächsten Frankfurter Buchmesse.

    Alt & Gut: Danke New Yorker, der im November die zwei Teile der Letters of Sylvia Plath, hg. von Peter K. Steinberg / Karen V. Kukil (Harper, 2017 und 2018) vorgestellt hat, die noch nicht ins Deutsche übersetzt sind. Mitunter so amüsant, wüssten wir nicht, wie das alles ausgeht.

    Worüber ich mich freue: 12,5 Kilogramm schwer, 13.000 Seiten und 14 Bände – in drei Schubern: Peter Handkes Gesamtwerk Die Peter Handke Bibliothek (Suhrkamp-Verlag), die seine Prosa, Gedichte, Theaterstücke (€ 198), Aufsätze (€ 68) und Journale (€ 89) umfasst, ist ein Geschenk.

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    Stefan Gmünder

    Neu & Gut: Der Brite Ned Beauman (33) gilt seit Jahren als Autor von Spektakelromanen mit hoher Pointendichte. Sein neues, dickes Buch Warum der Wahnsinn einer Niederlage vorzuziehen ist (Tempo, € 24,70) spielt im Dschungel. Fitzcarraldo lässt grüßen.

    Alt & Gut: Die Abhandlung über die freiwillige Knechtschaft (Limbus, € 7,00) des Montaigne-Freundes Étienne de La Boétie (1530–1563) hat ihre Aktualität bewahrt. Eine Streitschrift über freiwillige Unterwerfung, Feigheit und die Freiheit, den eigenen Verstand zu nutzen.

    Worüber ich mich freue: Dashiell Hammett war Kommunist, trotzdem liegt er auf dem Heldenfriedhof Arlington. So widersprüchlich wie Hammetts Leben sind auch die Figuren seiner Krimiklassiker. Der Malteser Falke (Diogenes, € 16,99) ist als Hörbuch für Autofahrten wünschenswert.

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    Beate Hausbichler

    Neu & Gut: In den autobiogra fischen Erinnerungen eines Mädchens (Suhrkamp, € 20,60) will Annie Ernaux die Mauern zwischen den verstörenden Erfahrungen der jungen Frau von 1958 und ihrem heutigen Ich einreißen. Ein Kraftakt, von dem jede einzelne Zeile zeugt.

    Alt & Gut: Nach den vielen politischen Analysen mittels Archäologie der eigenen sozialen Herkunft von Didier Eribon, Édouard Louis und eben Annie Ernaux wird es Zeit für den Klassiker: Pierre Bourdieus Ein soziologischer Selbstversuch (Suhrkamp-Verlag, € 12,00).

    Worüber ich mich freue: Die israelische Soziologin Eva Illouz schließt ihre scharfsinnigen Untersuchungen über den Zusammenhang von Liebe und Kapitalismus mit dem neuen Band Warum Liebe endet (Suhrkamp -Verlag, € 25,00) ab. Ein 447 Seiten langer Trennungsschmerz.

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    Andrea Heinz

    Neu & Gut: Skrupulös genau in ihrer Sprache, untersucht Susanne Fritz in Wie kommt der Krieg ins Kind (Wallstein, € 20,60), wie sich Krieg, Gewalt und Schuld in Familien einschreiben. Für jene, die die Vergangenheit kennen wollen, um die Gegenwart zu verstehen.

    Alt & Gut: No, Sir. Chris Kraus’ vor gut 20 Jahren erschienenes Debüt I Love Dick (Matthes & Seitz, € 22,70) ist mit das Beste, Klügste und Lustigste, was je über Männer und Frauen, Sex und Künstlerinnenschaft geschrieben wurde. Für alle, die es noch nicht gelesen haben!

    Worüber ich mich freue: Eine der vielen talentierten, aber vergessenen Exil-Autorinnen. Böse und genau schildert Maria Lazar in Die Eingeborenen von Maria Blut (DVB, € 17,90) den Zerfall sozialer Strukturen und den Aufstieg des Nazismus. Ein großer Roman, tieftraurig in seiner Aktualität.

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    Ronald Pohl

    Neu & Gut: Ein Roman wie ein japanisches Traumspiel: Kenzaburō Ōe begibt sich in Der nasse Tod (S. Fischer, € 25,70) auf die Spuren seines 1945 unter mysteriösen Umständen verstorbenen Vaters. Vor allem aber pinselt er von sich ein Selbstporträt als alternder Mann.

    Alt & Gut: 1957 fasste der angloamerikanische Jahrhundertdichter W. H. Auden den kühnen Entschluss, seine Sommer in Kirch stetten (NÖ) zu verleben. Thanksgiving für ein Habitat (Literaturedition Niederösterreich, € 20,00) bezeugt eindrucksvoll sein lokales Wirken.

    Worüber ich mich freue: Einer der abgründigsten Sprachspieler deutscher Zunge war der aus Rumänien gebürtige Poet Oskar Pastior (1927–2006). Die Werkausgab des Hanser-Verlags findet mit die schulden und die wonnen (Edition Akzente, € 28,00) ihre gloriose Fortsetzung.

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    Ingeborg Sperl

    Neu & Gut: Die Wiener Autorin Anne Goldmann schreibt in Das größere Verbrechen (Ariadne, € 13,00) über traumatische Erfahrungen von Frauen, die physischer und psychischer Gewalt ausgeliefert waren und versuchen, dennoch zu funktionieren. Krimi der Extraklasse.

    Alt & Gut: Der Triestiner Autor Paolo Rumiz segelt in Die Seele des Flusses (Folio, € 24,00) auf dem Po durch ein unbekanntes Italien bis ans Mittelmeer. Ein abenteuerliches Unterfangen. Die Rückseite von Sonne, Strand und Dolce Vita. Unbedingt lesenswert.

    Worüber ich mich freue: Max Bronskis Schneekönig (Droemer, € 15,50) ist das ein wenig andere Buch zum Fest. München versinkt in einer Schneekatastrophe. Bronskis Kulttrödler Gossec gewährt einer Hochschwangeren Obdach. Kommt einem bekannt vor, trotzdem spannend.

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    Christoph Winder

    Neu & Gut: Es ist auch ein Buchtipp pro domo, aber was soll’s? Antonio Fians Gedichtband Mach es wie die Eieruhr (Droschl, € 12,90) hat nicht nur einen Traumtitel. Er zeigt auch die lyrischen Leistungen des STANDARD-Dramolettisten im heitersten Licht.

    Alt & Gut: Den Dichter Bruno Schulz nicht gelesen zu haben könnte sich als eines der tristesten lebensgeschicht lichen Versäumnisse herausstellen. Die Zimtläden (Hanser, € 22,90) sind galizische Weltliteratur, auf Augenhöhe mit Kafka und Proust.

    Worüber ich mich freue: Pippi war zu Recht ihr größter Erfolg. Zum Astrid-Lindgren-Biopic passend, bereitet aber auch eine Wiederlektüre der Kalle Blomquist -Romane Freude (Oetinger, € 17,00). Klarer Platz zwei auf der Meisterdetektiv -Ewigenliste (nach Sherlock H.).

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    Michael Wurmitzer

    Neu & Gut: Damals hat er sich keine Gedanken darüber gemacht, kroatische Dörfer niederzubrennen. Jahre später sieht der Erzähler in Zoltán Danyis Roman Der Kadaverräumer (Suhrkamp, € 24,70) den Jugoslawienkrieg als Riesenfehler. Ein anschauliches Buch, verblüffend witzig.

    Alt & Gut: Seit 40 Jahren ediert Christopher Tolkien den Nachlass seines Vaters J. R. R. Tolkien. Mit Der Fall von Gondolin (Klett-Cotta, € 22,70) will er die Fitzelarbeit, in der er aus Fragmenten über Elben und Orks Bücher baut, abschließen. Bemerkenswerte Einblicke für Fans.

    Worüber ich mich freue: David Foster Wallace lehrt, genauer hin zuschauen, indem er selbst es vormacht. Der Spaß an der Sache (Ki-Wi, € 37,10) versammelt auf 1000 Seiten Essays über Kreuzfahrten, die Entertainmentindustrie oder Tennis. Erschienen zum zehnten Todestag des Genies. (15.12.2018)

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