Rapid überwintert in der Europa League

    Video13. Dezember 2018, 21:03
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    Die Hütteldorfer fixieren den zweiten Gruppenplatz hinter Villarreal und stehen im Sechzehntelfinale

    Wien – Die zuletzt eher gebeutelten Rapidler ließen sich am Donnerstagabend vor der Westtribüne abfeiern. Sie strahlten wie Atomkraftwerke oder der Christbaum auf dem Rathausplatz, hatten sie doch kurz davor die Glasgow Rangers mit 1:0 geschlagen und den Aufstieg in die K.-o-Phase der Europe League geschafft. Ein Unentschieden hätte bereits gereicht, durch ein spätes Tor von Dejan Ljubicic wurde die Vorgabe übererfüllt.

    Rangers-Coach Steven Gerrard ist zunächst einem Irrtum erlegen. Wohlwissend, dass die Seinen unbedingt gewinnen müssen, ging er dennoch von einem offensiven Gastgeber aus. "Ich glaube, dass sie mit dem Publikum im Rücken gleich attackieren und nicht hinten drinstehen werden." Kollege Dietmar Kühbauer hatte in der Tat angekündigt, nicht nur reagieren zu wollen, weil das im Fußball selten bis nie funktioniert.

    Gemurkse auf desolatem Rasen

    Die Kulisse, das Allianz-Stadion war mit 23.850 Zuschauern prall gefüllt, war weitaus besser als die Partie. Zur Entschuldigung sei angeführt, dass der Rasen in einem ziemlich desolaten Zustand ist. Rapid agierte jedenfalls nicht, Veton Berisha mimte die einsame Solospitze, es war ein von Zweikämpfen und Fehlpässen geprägtes Gemurkse. Die Schotten sind nicht die Erfinder des Sports, punkto Harmlosigkeit hielten sie absolut mit. Einzige Ausnahme, die 22. Minute: Freistoß James Tavernier, Connor Goldson köpfelt wuchtig an die Latte. Es war die einzige Chance in der ersten Halbzeit.

    Rapid hatte massive Probleme im Spielaufbau, Mateo Barac und Manuel Martic waren diesbezüglich überfordert. Aber das 0:0 zur Pause war durchaus okay, man war im Plansoll. Und der Zweck heiligt die Mittel.

    Die Rangers mussten sich etwas einfallen lassen. Die erste Idee hatte freilich Kühbauer, er brachte Christoph Knasmüllner für Thomas Murg. Nach einer Stunde ersetzte Philipp Schobesberger den unauffälligen Andrei Ivan. Rapid kämpfte großartig, die Zeit lief eindeutig für die Grün-Weißen, die Rangers wurden praktisch nie gefährlich. 78. Minute: Dejan Ljubicic kommt für Matic. Und das zahlte sich aus. 84. Minute: Balleroberung Berisha, Pass zu Ljubicic, der spielt Knasmüllner an, der zurück zu Ljubicic, der 21-Jährige erzielt staubtrocken das 1:0. Womit alles entschieden war, die Jubeltraube war sehenswert.

    Gut organisiert

    Der Matchplan ist voll aufgegangen, man könnte von einer taktischen Meisterleistung sprechen. 46 Prozent Ballbesitz reichten vollauf. Gerrard sagte: "Wir waren 80 Minuten gut, ich kann meinen Spielern keinen Vorwurf machen. Wir haben alles gezeigt. Rapid war sehr gut organisiert." Kühbauer war logischerweise höchst erfreut: "Großes Lob an meine Mannschaft, es war schwierig, der Sieg war verdient. Eine unglaubliche Geschichte. Wir hatten keinen Zaubertrank." Schütze Ljubicic hatte übrigens von Co-Trainer Manfred Nastl den Auftrag erhalten, hinten dichtzumachen. Er ignorierte die Anweisung, "weil ich die Lücke gesehen habe". Er wünsche sich nun Chelsea. "Aber zuerst müssen wir in der Meisterschaft Gas geben."

    Was für Red Bull Salzburg Normalität ist, ist für Rapid Rarität. Zum siebenten Mal in der Gruppenphase der Europa League engagiert, schaffte man erst zum zweiten Mal den Aufstieg in die K.-o.-Phase. Als Zweiter hinter dem punktegleichen Villarreal, die Spanier schlugen Spartak Moskau 2:0. Der erste Auftritt im Sechzehntelfinale endete übrigens in der Saison 2015/16 fürchterlich, 0:6 und 0:4 gegen Valencia. Gelost wird am Montag in Nyon, am Tag davor steigt das Derby bei der Austria. (Christian Hackl, 13.12.2018)

    Europa League, Gruppe G, 6. Runde, Donnerstag

    SK Rapid Wien – Glasgow Rangers 1:0 (0:0)
    Allianz-Stadion, 23.850 Zuschauer (ausverkauft), SR Mazzoleni (ITA)

    Tor: 1:0 (84.) D. Ljubicic

    Rapid: Strebinger – Müldür, Hofmann, Barac, Auer – Martic (78. D. Ljubicic), Schwab – Ivan (62. Schobesberger), Murg (46. Knasmüllner), Bolingoli – Berisha

    Rangers: McGregor – Tavernier, McAuley, Goldson, Barisic – McCrorie – Arfield, Jack (79. Lafferty), Coulibaly (71. Grezda), Middleton – Morelos

    Gelbe Karten: Ivan, Müldür, Martic bzw. Jack, Goldson

    der standard
    Rangers vor dem Spiel in der Wiener Innenstadt.

    Stimmen:

    Dietmar Kühbauer (Rapid-Trainer): "Es ist bisher mein allerschönster Tag als Rapid-Trainer, es ist ein sehr schöner Moment in meinem Leben. Es haben vorher nicht alle erwartet, dass wir da weiterkommen. Wir haben bis auf einen Lattenköpfler das Spiel 90 Minuten kontrolliert beziehungsweise nichts zugelassen. Das Tor war eine wunderschöne Aktion, Dejan hat den Ball gut mitgenommen und wie ein Mittelstürmer den Ball reingelegt. Ich habe Dejan eher gesehen, dass er uns in der Defensive stabilisiert, dass er das Tor macht, hätte ich nicht erwartet. Ich bin natürlich froh, dass wir in der Europa League überwintern. Wir werden in der K.-o.-Phase immer Außenseiter sein, das macht die Aufgabe noch schöner. Wer es sein wird, ist mir grundsätzlich gleich. Wir müssen das jetzt abhaken, am Sonntag wartet eine sehr wichtige Aufgabe. Feiern können die Spieler dann, wenn sie Urlaub haben."

    Steven Gerrard (Rangers-Trainer): "Ich kann meiner Mannschaft nichts vorwerfen. Es war ein physisches Spiel, in dem wir 80 Minuten guten Fußball gespielt haben. Wenn wir in voller Stärke gewesen wären, wäre es vielleicht ein wenig leichter gewesen. Wir haben gegen ein gutes, gut organisiertes und bewegliches Team gespielt. Wir werden stark zurückkommen."

    Dejan Ljubicic (Rapid-Torschütze): "Ich bin überglücklich, ich habe ihn (den Ball beim Tor, Anm.) gescheit reingehaut. Super, wie ihn der Knasi zurückgespielt hat. Ich freue mich sehr, es ist wichtig, dass wir weitergekommen sind. Die Bank hat das Spiel entschieden, aber die ganze Mannschaft hat alles gegeben. Ich habe es gekrönt mit dem Tor. Ein wunderschöner Abend, jetzt haben wir am Sonntag das Wiener Derby, das wir auch gewinnen müssen."

    Stefan Schwab (Rapid-Kapitän): "Es ist super für uns, dass wir das jetzt geschafft haben. Das ist einfach geil für den ganzen Verein. Es war in der ersten Hälfte kein schönes Spiel, es war hart umgekämpft. Wir wussten, je länger es zu null steht, desto mehr Räume bekommen wir. Wir waren clever und haben uns diesen Aufstieg über die ganze Gruppenphase verdient. Gefeiert wird jetzt gar nicht. Es wartet ja noch ein geiles Derby, da können wir noch was gutmachen."

    Richard Strebinger (Rapid-Tormann): "Es ist überragend, ich denke, das haben die wenigsten erwartet. Wir waren schon Außenseiter in der Gruppe und haben bewiesen, dass wir verdient weitergekommen sind. Wir haben uns nicht aus der Ruhe bringen lassen wegen der schlechten Leistungen in der Meisterschaft. Wir sind in den letzten Spielen in der Liga schon in der Defensive gut gestanden und heute wieder. Zu dem Tor braucht man nichts sagen, das war super. Einen Wunschgegner gibt es für mich eigentlich nicht, mir ist es ziemlich gleich."

    Topfeinteilung für das Europa-League-Sechzehntelfinale

    (Auslosung am Montag um 13 Uhr in Nyon)

    Topf eins (Europa-League-Gruppensieger bzw. vier bessere Champions-League-Gruppendritte): Arsenal, Bayer Leverkusen (Dragovic, Baumgartlinger, Özcan), Betis Sevilla, Chelsea, Dinamo Zagreb (Dilaver), Dynamo Kiew, Eintracht Frankfurt (Trainer Hütter), FC Sevilla, Genk, SALZBURG, Villarreal, Zenit St. Petersburg bzw. Benfica Lissabon, Inter Mailand, Napoli, Valencia

    Topf zwei (Europa-League-Gruppenzweite bzw. vier schlechtere Champions-League-Gruppendritte): Bate Borissow, Celtic Glasgow, Fenerbahce Istanbul, FK Krasnodar, Lazio Rom, Malmö FF, Olympiakos Piräus, RAPID, Stade Rennes, Sporting Lissabon, Slavia Prag, FC Zürich bzw. Club Brügge, Galatasaray Istanbul, Schachtar Donezk, Viktoria Pilsen

    Anmerkung: Klubs können nicht auf Teams treffen, gegen die sie in der Gruppenphase gespielt haben, und auch nicht auf solche aus demselben Land.

    Spieltermine sind der 14. und 21. Februar 2019. Das Achtelfinale folgt am 7. und 14. März, das Viertelfinale am 11. und 18. April, das Halbfinale am 2. und 9. Mai. Der Sieger wird am 29. Mai in Baku gekürt.

    Live-Nachlese:

    Rapid schlägt die Rangers 1:0

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    Salzburg mit 2:1 bei Celtic in Europa League makellos

    • Späte Entscheidung in Hütteldorf. Dejan Ljubicic ließ sich nicht beirren, vollstreckte abgezockt zum 1:0.
      foto: reuters/lisi niesner

      Späte Entscheidung in Hütteldorf. Dejan Ljubicic ließ sich nicht beirren, vollstreckte abgezockt zum 1:0.

    • Große Freude bei den Spielern.
      foto: ap/ ronald zak

      Große Freude bei den Spielern.

    • Große Freude und Erleichterung bei Rapid-Trainer Didi Kühbauer.
      foto: reuters/lisi niesner

      Große Freude und Erleichterung bei Rapid-Trainer Didi Kühbauer.

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