"Camping": Lena Dunhams müde Bobo-Comedy

19. Dezember 2018, 08:09
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Jennifer Garner und David Tennant schlagen in der kontrollierten Wildnis ihre Zelte auf. Richtig lustig ist da höchstens Juliette Lewis als Prolotussi

Beim Thema Camping scheiden sich die Geister. Die einen sehen darin befreiendes Naturerlebnis, die anderen wahr gewordene Kleingeist-Hölle. In der HBO-Serie "Camping" liegt die Wahrheit dazwischen, zu sehen ab Freitag in Doppelfolgen auf Sky Atlantic HD sowie auf dem Streamingdienst Sky Ticket, Sky Go und auf Abruf.

Kathryn McSorley-Jodell (Jennifer Garner) und Walt (David Tennant) sind sich einig. Zum 45. Geburtstag des Gatten wollen sie sich etwas Besonderes gönnen und schlagen in den Wäldern Kaliforniens die Zelte auf – mit Freunden feiern, trinken, Natur spüren und so weiter. Wobei Zelte schlagen sie nicht auf, die sind zum Glück vorhanden, man befindet sich in kontrollierter Wildnis. Wir sind sehr aufgeregt.

Denn auch die gezähmte Natur übt ihre spezielle Wirkung aus. Kathryn, die einige Bekanntheit auf Instagram als Working Mum erlangt hat, sorgt sich um ihren Rücken und rafft eilig die Auflagen aus den anderen Zeltlagern zusammen werden. Freunde sind wichtig, aber ihr Rücken eben auch. Dass sich in den acht Folgen nur wenig Lagerfeuer-Gemütlichkeit mit den nach und nach eintreffenden Geburtstagsgästen einstellt, liegt an einigen weiteren unerwünschten Ereignissen, Bären – oder auch nur die Vermutung davon, sind dabei noch das geringste Problem.

Ursprünglich war Camping eine britische Serie, erfunden von Julia Davis, eine der derzeit gefragtesten Comedians des Königreichs. Urheberin der amerikanischen Version ist Lena Dunham, gut bekannt für ihre Serie "Girls", zusammen mit Jenni Konner. "Camping" erlebte soeben auf HBO das Serienfinale und war wild umstritten.

hbo

Kritiker mögen Recht haben, wenn sie die die privilegierten Stadtneurotikerinnen aus "Girls" konsequenter auf die Schaufel genommen sahen als die allzu klischeebehaftete Bobo-Truppe im Grünareal. Allzu sicher lässt man sich auf dem abgetretenen Feld dieser Post-"Girls"-Truppe nieder.

Bei manchen Figuren ist das nicht weiter schlimm, Juliette Lewis als Prolotussi sei hier positiv erwähnt. Aber Jennifer Garner drückt zu sehr auf die "Ich bin eine zwänglerische Perfektionistin"-Tube, ebenso David Tennant (Typ "chaotischer Stadttrottel"), die Dialoge retten vieles, aber eben nicht alles. Als Weiterzieher zu "Girls" eignet sich das Umfeld nicht, auch wenn es eine Anspielung auf offener Straße gibt. HBO denkt über eine zweite Staffel nach. Kann man anschauen, muss aber nicht. (prie, 14.12.2018)

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