2,6 Billionen sind genug, findet die EZB

13. Dezember 2018, 18:09
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Europäische Zentralbank stellt umstrittenes Kaufprogramm ein. Wurden die Ziele erreicht?

Frankfurt – Nach 2600 Milliarden Euro ist endgültig Schluss. Die Europäische Zentralbank (EZB) wird noch heuer ihr umfangreiches Anleihenkaufprogramm, das seit dem Jahr 2015 gelaufen ist, einstellen. Das gaben die Währungshüter am Donnerstag nach einer Sitzung des EZB-Rats in Frankfurt bekannt.

Die EZB hatte aggressiv am Anleihenmarkt interveniert und insbesondere Staatsanleihen von Euroländern gekauft. Ziel des Programms war es, die langfristigen Zinsen in der Eurozone zu drücken.

Dadurch sollte die Kreditvergabe der Banken an den Privatsektor und damit die wirtschaftliche Tätigkeit insgesamt belebt werden. Die EZB sah in der Aktion den Weg dahin, um ihr oberstes Ziel, nämlich Preisstabilität, zu erreichen. Die Preisstabilität ist definiert als eine Inflationsrate von knapp unter zwei Prozent.

Das Anleihenkaufprogramm war auch eine Reaktion auf die Tatsache, dass die EZB die Leitzinsen 2015 bereits auf null gestellt hatte. Eine weitere Zinssenkung war also nicht mehr möglich, drum griff die Zentralbank wie davor schon die US-Notenbank Fed auf Anleihenkäufe zurück.

Hohe Ziele

Die EZB war dabei mit einigen der selbst gesteckten Ziele erfolgreich, bei anderen nicht. So sind die Kreditkosten in Südeuropa, in Spanien und Italien, durch die Intervention der Notenbank tatsächlich enorm gesunken. Die größte Wirkung entfaltete das Anleihenkaufprogramm schon durch die Ankündigung Mario Draghis im Sommer 2014. Die große Kluft bei den Kreditkosten innerhalb des Währungsraumes hat sich massiv verringert.

Die Inflation liegt aktuell tatsächlich bei um die zwei Prozent. Ohne die volatilen Energiepreise zu berücksichtigen, lag die Teuerungsrate zuletzt deutlich niedriger als von der EZB angestrebt, nämlich bei nur 1,3 Prozent. So gesehen hat die Europäische Zentralbank die 2,6 Billionen investiert und ist damit ihrem Ziel nur ein Stück näher gekommen.

Eine komplette Kehrtwende nach Jahren im Anti-Krisen-Modus ist dennoch nicht zu erwarten: Den Leitzins im Euroraum hält die EZB weiterhin auf dem Rekordtief von 0,0 Prozent, Geschäftsbanken bekommen somit Zentralbankgeld weiterhin zum Nulltarif. Bis eine wirkliche Zinswende ansteht, könnte es noch dauern. Die Wende hin zu höheren Zinsen wollen die Währungshüter frühestens im Herbst 2019 einläuten. Die EZB-Führung bekräftigte, dass die Zinsen bis "mindestens über den Sommer 2019" auf dem aktuellen Niveau bleiben werden. Möglicherweise erfolgt eine Zinserhöhung also erst unter dem Nachfolger von EZB-Präsident Mario Draghi – eventuell sogar erst 2020. Die achtjährige Amtszeit des Italieners läuft Ende Oktober 2019 aus.

Volkswirte rechnen damit, dass die EZB in einem ersten Schritt zunächst die Strafzinsen für Kreditinstitute verringern wird. Derzeit sind für geparktes Geld bei der EZB 0,4 Prozent Strafzinsen fällig. Auch diese Maßnahme dient dazu, die Kreditvergabe durch Geschäftsbanken anzuregen.

Bilanz bleibt aufgebläht

Und auch am Anleihenmarkt wird die EZB noch lange ein großer Spieler bleiben, denn Gelder aus auslaufenden Papieren will die Notenbank wieder investieren, nämlich in neue Anleihen. Diese Reinvestitionen sollen über den Zeitpunkt der ersten Zinserhöhung hinaus weiterlaufen. Die durch Anleihenkäufe aufgeblähte EZB-Bilanz wird daher vorerst stabil bleiben. (szi, Reuters)

  • EZB-Chef Mario Draghi.
    foto: afp

    EZB-Chef Mario Draghi.

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