Zuckerlmacher Mayer: "Reihenhaus war zuerst Worst-Case-Szenario"

    Video17. Dezember 2018, 06:00
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    Christian Mayer von der Zuckerlwerkstatt wohnt in Purkersdorf und würde sich irgendwann gerne einen Vierkanter umbauen

    Der Zuckerlmacher Christian Mayer wohnt mit seiner Familie und zwei Hunden in einem Reihenhaus in Purkersdorf, wo ihn weniger die Wohnform, dafür aber das dörfliche Leben mit Nähe zu Wien begeistert.

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    Zu Besuch bei Christian Mayer und seiner Familie.

    "Wir wohnen seit fünf Jahren in unserem Reihenhaus in Purkersdorf. Zwei Wochen bevor wir unsere Zuckerlwerkstatt in Wien eröffnet haben, sind wir eingezogen. Das war wahnsinnig stressig, aber es hat Sinn gemacht. Wir haben vorher in einem kleinen Dorf in der Nähe von Neusiedl gewohnt und wollten nicht jeden Tag auf der A4, der ärgsten Autobahn auf Gottes Erdboden, nach Wien reinfahren.

    foto: lisi specht
    "Alleine nach dem Esstisch habe ich zweieinhalb Jahre gesucht." Christian Mayer, seine Frau Maria Scholz und Tochter Greta am 130 Jahre alten Tisch aus einem englischen Landhaus.

    Dann haben wir zufällig unsere jetzigen Nachbarn kennengelernt und sind ins Plaudern gekommen. Auf einmal haben sie uns gefragt: 'Wollt ihr unsere Nachbarn werden?' Das Reihenhaus nebenan war nämlich gerade frei. Dann haben sie gleich gesagt: 'Steigts ein ins Auto, wir zeigen's euch.' So sind wir hierhergekommen.

    Eigentlich turnt uns eine Reihenhaussiedlung ja gar nicht an. Wir sind beide aus den Bergen und gerne draußen unterwegs. Mitten in eine Reihenhaussiedlung hinein, das war zuerst ein Worst-Case-Szenario. Aber auch wenn das nicht unser finaler Wohntraum ist, überwiegen für uns derzeit die Vorteile: Die Nachbarn sind alle total nett, und Purkersdorf ist ein sehr nettes Eck. Es ist ein kleines Dörfl, aber gleichzeitig nahe bei Wien. Und innerhalb von einer Minute sind wir mit unseren Hunden im Wienerwald.

    Uns gefällt das Haus einfach gut. Es ist offen und hell und mit 130 Quadratmetern auch nicht allzu groß. Den 50 Quadratmeter großen Keller habe ich mir mittlerweile für mein Fotostudio ausgebaut. Und einen schönen Garten haben wir auch. Meiner Frau Maria war er anfangs zu groß. Wir sind unter der Woche bei der Firma eingespannt und kommen nicht einmal zum Rasenmähen. Und am Sonntag darf man das ja nicht. Aber jetzt passt es, weil wir uns einen Rasenmäherroboter geleistet haben.

    fotos: lisi specht

    Wir sind komplett reduziert eingerichtet. Uns taugen Schweden und Norwegen, das merkt man. Wir mögen es schön gerade und haben im Wohnzimmer keine Kastln, keine Wandverbaue und nur ja keine Deko. Die wenigen Sachen, die wir haben, sind dafür gescheit. Wir sparen uns lieber etwas zusammen, um uns etwas Ordentliches zu kaufen. Alleine nach unserem Esstisch habe ich zweieinhalb Jahre gesucht. Ich bin beim Einrichten unseres Shops darauf gestoßen. Er ist 130 Jahre alt und eigentlich gar kein Esstisch. Er stand mal als Anrichte in einem englischen Landhaus. Wenn man davor sitzt, merkt man, dass er um eine Nuance höher ist als ein normaler Tisch. Aber er ist von der Größe her perfekt.

    Ich mag Dinge, die man angreift und bei denen man weiß, dass das Geschichte ist. Davon würden wir uns nie trennen. Auch unsere Couch ist so ein Möbelstück, nach dem wir lange gesucht haben. Unsere Fleckerlteppiche sind von der Weberei Weiss in Salzburg. Ich fahr nicht zu Ikea, um einen Teppich zu kaufen, sondern check lieber dort ein.

    fotos: lisi specht

    Unsere Lampen sind derzeit noch eine Übergangslösung. Bis vor kurzem sind noch Russen hier gehangen. Diese Konstruktion ist jetzt aus dem Baumarkt. Ich hab's raufgeschnalzt und gedacht: 'Ja, das hat was.' Es passt. Wenn wir keine Lampe finden, hängt das sicher noch zwei Jahre hier.

    Wir sind extrem gern daheim. Wohnen ist für uns nicht total privat. Sonst wärt ihr ja gar nicht da. Mich stört es nicht, wenn die Leute hereinschauen können. Die Offenheit, wie es sie in Schweden beim Wohnen gibt, gefällt mir. Wir haben im Erdgeschoß keine Vorhänge. Ich finde es cool, dass unser Haus durchsichtig ist. Und Vorhänge wären mir zu viel Deko.

    Irgendwann würden wir uns gerne ein altes Haus umbauen, einen Vierkanter mit schönem Innenhof zum Beispiel. Aber weil wir in Wien bleiben wollen, wird das nicht so easy. Die Preise sind hier schon ziemlich abgefahren." (17.12.2018)

    Christian Mayer, geb. 1978 in der Steiermark, war früher Profimusiker und eröffnete 2013 mit seiner Frau Maria Scholz, einer Juristin, die Zuckerlwerkstatt im ersten Bezirk, in welcher Zuckerl in 150 Jahre alter Handwerkstechnik hergestellt werden. Seither folgten eine weitere Manufaktur in Salzburg und eine Produktion im vierten Bezirk in Wien. Inzwischen sind die Zuckerln auch im Ausland bekannt. Erst im Oktober schrieb das New York Times Magazine darüber.

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    Zuckerlwerkstatt

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