Einfamilienhäuser verbrauchen Energie und Boden

    13. Dezember 2018, 07:21
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    Alte Einfamilienhäuser sind Energieschleudern, neuere geraten größer als nötig

    Es ist schon länger bekannt: Das Einfamilienhaus, der "Wohntraum der Österreicher", den sich viele ohnehin schon erfüllt haben und viele noch erfüllen wollen, ist für das Klima die schlechteste aller Wohnformen. Wie schlecht, das rufen Robert Lechner und Julia Lindenthal vom Österreichischen Ökologieinstitut nun in einer neuen Analyse für die Raiffeisen Bausparkasse in Erinnerung.

    So beträgt die überbaute Grundfläche der mittlerweile (laut Statistik Austria) 1,81 Millionen österreichischen Ein- und Zweifamilienhäuser 324 Quadratkilometer, bei rund 4,32 Millionen Menschen (2,11 Millionen Haushalte), die darin wohnen. Die mit Mehrfamilienhäusern überbaute Fläche beträgt im Vergleich dazu mit 97 Quadratkilometern kaum ein Drittel davon und schafft Wohnraum für 3,73 Millionen Menschen. Einfamilienhäuser sind außerdem "Mobilitätstreiber", die Zahl der Pkws je 1.000 Einwohner steigt seit vielen Jahren in allen Bundesländern außer Wien immer weiter an.

    Und dann ist da natürlich noch der Energieverbrauch der Häuser selbst. Der ist zwar umso niedriger, je jünger das Haus ist; die meisten Einfamilienhäuser in Österreich wurden aber in den 1970er- bis 1990er-Jahren gebaut, sind also schon in die Jahre gekommen. Nur 13 Prozent des Gesamtbestands wurden nach dem Jahr 2000 errichtet. Diese Häuser sind viel energieeffizienter, allerdings wird diese Effizienz durch einen enormen Zuwachs an Wohnfläche pro Person in jüngster Zeit konterkariert: Sie lag 1990 (für ganz Österreich, Häuser und Wohnungen) noch bei 32,7 Quadratmetern, 2000 bei 37 Quadratmetern, 2017 schon bei 44,8. Im Burgenland, dem am stärksten von Eigenheimen dominierten Bundesland, sind es schon 53,8 Quadratmeter.

    Bestand mobilisieren

    Die Bevölkerung Österreichs wuchs seit 1990 "nur" um 15 Prozent. Und dennoch gingen die Treibhausgasemissionen im Gebäudesektor in Österreich seit 1990 um fast 40 Prozent zurück. "Was wäre gewesen, wenn die Wohnfläche pro Person nicht so stark gestiegen wäre?", fragt Robert Lechner, Geschäftsführer des Ökologieinstituts. Antwort: Es wäre eine tadellose Erfolgsgeschichte. So aber machen die stark gestiegenen Emissionen des Verkehrssektors die Einsparungen im Gebäudesektor wieder zunichte, ein Nullsummenspiel.

    Die Zunahme der Wohnfläche pro Person ist nicht nur auf größere Häuser zurückzuführen, sondern auch auf die "Versingelung" der Gesellschaft. Schon 2011 sei die "klassische Kernfamilie", Eltern mit Kind(ern), mit 40 Prozent nur noch die Minderheit der Bewohner gewesen, so Lindenthal. Vor allem in Gebäuden, die vor den 1980er-Jahren errichtet wurden, leben heute oft nur noch zwei Personen, knapp 400.000 Haushalte sind überhaupt Einpersonenhaushalte.

    Und mehr als 200.000 Wohneinheiten in Ein- und Zweifamilienhäusern sind nur Zweitwohnsitze oder stehen überhaupt leer. Um diesen Bestand zu mobilisieren, schlägt Lechner vor, "nichts mehr neu zu widmen". Wenn es nicht so einfach ist, auf der grünen Wiese neu zu bauen, muss man sich notgedrungen dem Bestand widmen.

    Ein Pickerl fürs Haus

    Dass man "aus dem Öl rausmuss", sei ohnehin "keine Frage", so Lechner. Neben einem Verbot für Ölheizungen im Neubau müsse es auch eine Pflicht zum Umstieg bei einer Sanierung geben. Generell gebe es im Neubau heutzutage "überhaupt keinen Grund, nicht höchst effizient zu bauen". Die zwei bis drei Prozent an Mehrkosten für ein Passiv- oder sogar ein Nullenergiehaus habe man mit einem Verzicht auf fünf Quadratmeter Wohnfläche pro Person locker wieder herinnen.

    Und Lechner schlägt nach dem Vorbild des "Pickerls" beim Auto auch ein "Pickerl fürs Haus" vor. Hausbesitzer wissen seiner Ansicht nach viel zu wenig Bescheid über den energetischen Zustand ihres Hauses bzw. wie sich dieser verbessern ließe. "Einmal erworben, passiert danach nichts mehr – davon müssen wir weg."

    Manfred Url, Generaldirektor der Raiffeisen Bausparkasse, der das Ökologieinstitut mit der Studie beauftragt hat, betonte, dass man die Wohnform Einfamilienhaus "sicher nicht verdammen" wolle. Es sei aber nun einmal enorm wichtig, der Nachwelt eine lebbare Umwelt zu hinterlassen. (Martin Putschögl, 13.12.2018)

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