Pro & Kontra: Weihnachten unter Palmen

    Kolumne24. Dezember 2018, 07:00
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    Nichts wie weg oder Weihnachtstauwetter für alle

    foto: getty images / istockphoto/ cdwheatley

    Pro
    von Ljubisa Tosic

    Auch Agnostiker schätzen das Hochfest zur Geburt des Herrn als entspannende Zeitinsel. Allerdings fällt die Feier von Christi Geburt (es geht um Wiener Breitengrade) in jene Jahresphase, da düstere, finnische Verhältnisse herrschen. Ein leuchtender Christbaum vor dem Rathaus reicht nicht aus zur Bekämpfung von Schwermut. Nichts wie weg, heißt es auch für Gläubige. Winterlicher Sommerurlaub und christliches Feiern müssen kein Widerspruch sein. Auch in Badehose lässt es sich an Jesus denken. Auch Palmen lassen sich mit Glitzerkugeln behängen. Und auch ein Tauchgang schließt das Nachdenken über die Drei Könige nicht aus.

    Sicher, der Klimawandel. Eines Tages wird er dazu führen, dass auch in Wien endlich Palmen wachsen. Trotz Donald Trumps Bemühungen dürfte bis dahin aber etwas Zeit vergehen. Vorläufig bleibt die sonnige Ferne als Antidepressivum also unerlässlich. Und bitte: Jesus hatte eine Beziehung zu diesem Holzgewächs. Als er auf dem Esel in Jerusalem einzog, ließ man Palmblätter auf ihn herabschweben, woran der Palmsonntag auch Agnostiker erinnert.

    Kontra
    von Doris Priesching

    Den Winter zum Sommer machte ich bisher nur ein einziges Mal, es war auch nicht Weihnachten, aber mir eine Lehre. Es ging nach Thailand, wir hatten nicht erwartet, dort unter uns zu sein, aber als wir das wahre Ausmaß erkannten, waren wir erschrocken.

    In guter Erinnerung bleibt mir eine Schnorcheltour. Die Sonne schien warm, das Meer war türkisblau, das Wasser umschmeichelte unsere Körper, es fühlte sich gut an. Fische waren keine da, es wurlte trotzdem. Im Hintergrund ankerten ungefähr zwölf Ausflugsboote voll mit Hundertschaften von sonnenöleingefetteten, an Pad-Thai- und Bier-Tropf hängenden Menschen. Dazu gab es fröhliche Diskotheken-Folklore, die Vibrationen der Bässe aus den Lautsprechern spüre ich noch heute.

    Es gäbe noch mehr zu berichten, aber leider reicht der Platz hier nicht, dabei haben wir von ökologischem Fußabdruck und Klimawandel noch gar nicht gesprochen. Das Fest der Liebe – es muss aus sehr vielen Gründen daheim gefeiert werden. Also: Weihnachtstauwetter für alle! (RONDO, 24.12.2018)

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