Ein Politiker ist kein Allround-Genie

    10. Dezember 2018, 20:16
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    Heinz-Christian Strache zweifelt am menschengemachten Klimawandel. Für den Gletscherforscher Heinz Slupetzky sind die Aussagen unzulässig und irreführend

    Betrifft: Vizekanzler Heinz-Christian Straches Aussagen zum Klimawandel im STANDARD-Interview

    Auch wenn manche immer noch stereotyp die Klimaerwärmung abtun, ja negieren und es nicht wahrhaben wollen, dass der Mensch der Verursacher ist, sprechen alle Fakten dafür und können auch durch Vergleiche nicht "verharmlost" werden.

    Verantwortung in der Politik

    "Inwieweit der Mensch das Klima beeinflussen kann, ist eine offene Frage." "Das hat es alles schon gegeben." Strache scheint sich da nicht über die Tragweite und Verantwortung einer solchen Aussage an der Spitze der Politik bewusst zu sein und sich offenbar keine oder zu wenig Gedanken gemacht zu haben.

    Ja, das Klima hat sich immer wieder verändert, aber aufgrund von natürlichen Prozessen, ohne Einwirkung des Menschen. Durch den CO2-Ausstoß und andere Faktoren ist eine kritische Entwicklung eingeleitet worden, die zu einer unumkehrbaren Situation führen kann oder diese zunehmend wahrscheinlich werden lässt. Fakt ist, dass besonders in den letzten Jahrzehnten ein steiler Temperaturanstieg vor sich geht.

    Irreführende Vergleiche

    Unzulässige Vergleiche scheinen solche zu machen, die entweder nichts, meinetwegen zu wenig, davon verstehen oder aus anderen Interessen handeln. Keiner ist als Allround-Genie geboren. Ein kluger Politiker zieht Experten hinzu, die das Spezialwissen einbringen. Und er könnte damit als Vertreter einer Partei, die die Verantwortung in der Regierung ernst nimmt, dazu beitragen, dass entsprechende Maßnahmen gesetzt werden. Rechtzeitig.

    Besonders störend sind die Aussagen, "die (Wissenschaft) weiß es ja auch nicht, wohin wir uns entwickeln", wodurch der Ernst der Lage heruntergespielt wird. Und völlig irreführend sind auch Vergleiche, die in diesen Dimensionen unzulässig sind. Klimaänderungen zur Zeit der Ägypter, der Römer oder auch im Mittelalter haben nur einen Bruchteil der Bevölkerung betroffen – im Gegensatz zu der gegenwärtigen Überbevölkerung auf dieser Erde. (Heinz Slupetzky, 10.12.2018)

    Heinz Slupetzky ist Gletscherforscher in Bergheim, Salzburg.

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    Kommentar: Glauben heißt nix wissen

    • Langzeitforschungen zeigen, dass die Gletscher abschmelzen. Im Bild das Stubacher Sonnblickkees, aufgenommen 2018 und 1971.
      foto: h. slupetzky

      Langzeitforschungen zeigen, dass die Gletscher abschmelzen. Im Bild das Stubacher Sonnblickkees, aufgenommen 2018 und 1971.

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