Eine Initiative fordert die Umbenennung des Zweigelt

    10. Dezember 2018, 19:31
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    Die Namensänderung des Rotweins soll auf die nationalsozialistische Vergangenheit des Erfinders der Rebsorte, Friedrich Zweigelt, aufmerksam machen

    Den "glühenden Nazi" aus dem Keller, also dem Weinkeller verbannen, das ist der Wunsch der Aktion "Abgezweigelt" des "Instituts ohne direkte Eigenschaften". Der Zweigelt brauche einen neuen Namen, die Umbenennung der roten Weinrebe sei längst überfällig, hieß es seitens des Instituts am Montag.

    Geht es nach den Initiatoren der Aktion, soll man beim Wirten statt eines Zweigelts in Zukunft ein Achterl "Blauer Montag" bestellen. Die Namensänderung soll auf die nationalsozialistische Vergangenheit des Erfinders der Rebsorte, Friedrich "Fritz" Zweigelt, aufmerksam machen.

    Dem am 13. Jänner 1888 in Hitzendorf bei Graz geborenen Zweigelt gelang im Jahr 1922 an der Weinbauschule Klosterneuburg die Kreuzung der Sorten St. Laurent und Blaufränkisch. Die von Zweigelt ursprünglich als Rotburger bezeichnete, erst nach seinem Tod im Jahr 1975 nach ihm benannte Rebsorte ist heute laut dem österreichischen Weinjournal "Falstaff" "die bedeutendste Rotweinsorte" des Landes. Allein in der Zeit zwischen 1999 bis heute nahm die Rebfläche um fast 50 Prozent zu. Seit 2002 wird der Dr.-Fritz-Zweigelt-Preis für prämierte österreichische Weine verliehen.

    Über die nationalsozialistische Vergangenheit des Namensgebers schweige sich die österreichische Weinwirtschaft aus, lautet die Kritik der Initiative: Zweigelt sei seit April 1933 Mitglied der ab dem Juni desselben Jahres verbotenen NSDAP gewesen.

    Auch soll Zweigelt versucht haben, die Weinbauschule als "Bollwerk des Nationalsozialismus" aufzubauen, heißt es im Dok-Film "Zweigelt – Wein und Wahrheit" von Gerald Teufel. Schülern, die in einer lokalen katholischen Gruppe rund um den Chorherrn Roman Scholz Widerstand leisteten und von der Gestapo verhaftet wurden, soll Zweigelt als Direktor der Schule ein von ihren Eltern erbetenes "Sittenzeugnis" verweigert haben. Er wurde nach dem Krieg wegen Volksverhetzung eingesperrt und nach sechs Monaten aus der Haft entlassen.

    Zwei Winzer an Bord

    Eine "Person, nach der man eine Weinsorte benennen sollte, ist er sicher nicht", urteilte der Historiker und Autor des Buchs "Wein des Vergessens", Robert Streibel, über Zweigelt. Es fehle noch eine umfassende historische Auseinandersetzung mit Zweigelt.

    Zwei Winzer haben sich bereits gefunden, die den Blauen Montag vertreiben werden: Friedl Umschaid aus dem nördlichen Weinviertel und Maximilian Brustbauer aus der Wachau. Ab Februar 2019 serviert das Café Vindobona in Wien-Brigittenau den Blauen Montag. (ook, APA, 10.12.2018)

    • Die Umbenennung der roten Weinrebe sei längst überfällig, hieß es seitens des Instituts "Instituts ohne direkte Eigenschaften" am Montag.
      foto: apa/dpa-zentralbild/arno burgi

      Die Umbenennung der roten Weinrebe sei längst überfällig, hieß es seitens des Instituts "Instituts ohne direkte Eigenschaften" am Montag.

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