Warten auf Erhellung im Telekom-Prozess: 100.000 Euro gesucht

10. Dezember 2018, 18:01
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Die Telekom hat laut Anklage die SPÖ mit 100.000 Euro aus den "schwarzen Kassen" bei der Valora finanziert

Wien – Die Verhandlung zur Causa Telekom geht am Dienstag, weiter. Richterin Marion Hohenecker ist dabei, den Angeklagten Walter Meischberger zu befragen. In den jüngsten Verhandlungsrunden hat der damalige Lobbyist erklärt, wie er die Telekom einst beraten habe, verdient hat er dafür 10.000 Euro netto im Monat, 14-mal pro Jahr. Abgerechnet wurde via Peter Hocheggers Agentur Valora. Sein politisches Netzwerk als früherer FPÖ-Politiker sei damals, in der ÖVP-FPÖ-Koalitionszeit, für die Telekom "ideal" gewesen, zumal das Verhältnis zwischen Telekom und dem neuen Finanzminister Karl-Heinz Grasser zerrüttet war. Grund: Telekom-Chef Heinz Sundt habe mit seinen Forderungen rund um Telekom-Beamte "den Löwen Grasser" gereizt; mit seiner, Meischbergers, Unterstützung habe sich das Verhältnis verbessert.

Seine Kompetenz stellte Meischberger als "weder erlernbar noch studierbar" dar, sie sei ein "rares Wirtschaftsgut" gewesen. Beraten hat Meischberger damals auch Minister Grasser. Der angeklagte damalige Telekom-Festnetzchef Rudolf Fischer belastet Meischberger insofern, als er aussagt, dass der Lobbyist auch 2008 noch bezahlt wurde, da aber keine entsprechenden Leistungen mehr erbracht habe. Was Meischberger bestreitet. Für alle hier Genannten gilt die Unschuldsvermutung.

100.000 Euro fehlen

Noch keine Erhellung gibt es in jener Subcausa, in der die Telekom laut Anklage die SPÖ mit rund 100.000 Euro aus den "schwarzen Kassen" bei der Valora finanziert habe. Laut Fischer habe sich damals der SPÖ-nahe Berater L. an ihn gewandt und in Namen von Bundeskanzler Alfred Gusenbauer (SPÖ) gebeten, die Telekom möge einen VIP-Tisch bei der Aids-Life-Charity-Gala in Schönbrunn, zu der im Mai 2007 auch Bill Clinton kam, sponsern. Die Telekom habe das werbewirksam auch getan. Erst bei seiner ersten Einvernahme sei Fischer draufgekommen, dass die Agentur nur 50.000 Euro kassierte, die restlichen 100.000 Euro seien "verschwunden". Wo? Laut Fischer in der Sphäre des Beraters oder Gusenbauers.

Es bleibt aber spannend. Denn L. sagt auf Anfrage des STANDARD, er habe "mit diesem Projekt nie etwas zu tun gehabt". Also hat der STANDARD bei Gusenbauer nachgefragt – und auch er weiß nichts. Er höre von dieser Sache zum ersten Mal und könne "definitiv ausschließen", dass er irgendeinen Betrag entgegengenommen habe. Bis zur allfälligen Aufklärung wird es noch dauern. Zeugeneinvernahmen in der Causa Telekom wird es erst 2019 geben. (gra, 10.12.2018)

  • Gusenbauer will nichts von fehlenden 100.000 Euro wissen.
    foto: imago

    Gusenbauer will nichts von fehlenden 100.000 Euro wissen.

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