Škoda Scala: Die nächste Stufe des Rapid

    8. Dezember 2018, 11:32
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    Der neue Schrägheck-Kompakte von Škoda heißt Scala und ist eigentlich der Nachfolger des Rapid. Doch bei der Vorstellung dieses Hoffnungsträgers betont man lieber anderes.

    Weltpremiere. Jetzt noch schnell, vor dem Jahresende, und wieder einmal abseits der großen Automessen – was wohl den Grund hat, dass man sich dieser Tage die Aufmerksamkeit nicht mit allzu vielen anderen Herstellern teilen muss, während die Leute noch nicht im Weihnachts-Urlaubsmodus sind und nur Kexe oder Diäten im Kopf haben. "Mit dem Scala schlagen wir ein neues Kapitel in der der Kompaktklasse von Škoda auf", sagt der Škoda Vorstandsvorsitzende Bernhard Maier bei der Weltpremiere des Wagens. Natürlich kommt auch er nicht um das in solchen Reden obligatorische weiße Blatt Papier herum, an dem alles begann, um ja zu demonstrieren, dass mit diesem Wagen das Auto vollkommen neu erfunden wurde.

    foto: škoda
    Bernhard Maier beschreibt bei der Weltpremiere des Scala gerade die kompakten Außenabmessungen und wird gleich das große Raumangebot innen hervorstreichen.

    Das ist zwar ein bisserl zu weit hergeholt, obwohl es hat schon einen Grund, dieses Bild zu bemühen. Denn der Vorgänger des Scala, der Rapid, erfüllte die Erwartungen, die Škoda, die Verkaufszahlen betreffend hatte, wohl nicht ganz. Er war ein eher schlichter Kompakter, günstig und brav, man darf sogar bieder sagen. Der Scala ist da anders. Er ist mutig designt, innovativ was die Technik angeht und er wird wohl auch ein bisserl mehr kosten als der Rapid seinerzeit. Man tat also gut daran, nicht nur auf einem weißen Blatt Papier anzufangen, sondern auch gleich einen neuen Namen zu suchen – Scala, aus dem Lateinischen, auf deutsch Treppe oder Leiter, soll den großen Schritt nach oben schon im Namen transportieren.

    foto: škoda
    Ein großer Schritt für Škoda, ein neuer Kompakter für den Mittelstand.

    Obwohl, so weiß war das Blatt Papier natürlich auch nicht. Geht ja schwer, im VW-Konzern. Und so ist die Basis des Scala der MQB A0, also der modulare Querbaukasten auf dem auch der Seat Ibiza, der VW Polo, der Audi A1 und der Seat Arona stehen. Der Baukasten bietet nicht nur Vorteile der Kostenreduktion für den VW-Konzern, sondern auch für die Kunden. So findet nämlich jede Menge Assistenz- und Komfortsysteme in den Scala, die man sonst eigentlich in Autos höherer Klassen erwarten würde.

    foto: škoda
    Jetzt gibt es das virtuelle Cockpit auch in der Kompaktklasse von Škoda.

    Der Spurhalte-Assistent und der Frontradar-Assistent samt City-Notbrems-Assistent sind serienmäßig im Scala. Der Spurwechsel- und Seiten-Assistent – er warnt vor sich von hinten nährenden, überholenden oder sich im toten Winkel befindenden Autos, wenn man die Spur wechseln möchte – wie auch der Parklenk-Assistent der Abstandstempomat kosten extra. Serienmäßig sind LED-Scheinwerfer, Voll-LEDs sind verfügbar, wie auch dynamische Blinklichter hinten. Ungewöhnlich ist auch der optional erhältliche proaktive Insassenschutz, der bei einem drohenden Aufprall die offenen Fenster schließt und die Gurte vorne strafft.

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    LED-Scheinwerfer gibt es serienmäßig, Voll-LEDs kosten aber natürlich extra.

    Und an noch einem weiteren Baukasten bedient sich Škoda für den Scala, dem Infotainmentbaukasten. Das heißt, für den neuen Schrägheckler ist bereits das virtuelle Cockpit verfügbar, dessen Glanzstück ein mehr als neun Zoll großer Bildschirm ist, der so positioniert ist, dass er von Fahrer und Beifahrer gut bedient werden kann. Die Konnektivität ist ein großes Thema beim Scala, der nun mit einer eSIM ausgestattet, sich automatisch seine Updates holt, und via Smartphone auf- und zugesperrt werden. Auch diverse Stati des Fahrzeuges werden abrufbar sein, wie Tankanzeige oder Standort.

    foto: škoda
    Der Bildschirm in der Mitte ist nicht fahrerorientiert ausgerichtet, sondern soll auch vom Beifahrer gut bedient werden können.

    Škoda streckt sich mit dem Scala also nach einer jungen Kundschaft. Da schlägt sich auch im Design nieder. Der große Grill, die LED-Lichterkennung schinden von vorne Eindruck, die Schokoseite ist aber eindeutig das Heck, vor allem wenn man zum Emotion Paket greift, und damit die Heckklappe bekommt, deren Glasscheibe weit nach unten zieht. Dass jetzt statt des Logos ein Škoda-Schriftzug breit über die Heckklappe läuft, setzt dem Ganzen ästhetisch die Krone auf, auch wenn man das Gefühl hat, einen ähnlich knackigen Hintern schon einmal gesehen zu haben.

    foto: škoda
    Schokoseite des Scala ist wohl das Heck, hier mit der Heckklappe des Emotion Pakets.

    Nicht ganz so innovativ ist die Motorenpalette, die Škoda für den Scala anbietet, auch wenn alle Motoren die Euro 6d-temp erfüllen. E- oder Hybrid-Antriebe, die im Konzern ja existieren, gibt es für den kompakten Tschechen nämlich nicht. Die Öko-Variante des Scala wird ein Erdgasmodell mit 90 PS Leistung aus einem Ein-Liter-Dreizylinder-Motor sein, die im Laufe des nächsten Jahres angeboten werden wird. Zum Marktstart "in der ersten Jahreshälfte 2019", wie es Škoda noch recht großzügig definiert, wird man aus drei Benzinern und einem Diesel wählen können. Den Einstieg macht ein 1.0 TSI, ein Ein-Liter-Dreizylinder-Turbo-Benziner mit 95 PS, den es aber auch, eine Ausbaustufe höher, mit 115 PS gibt. Darüber wird ein 1,5-Liter großer Turbo-Vierzylinder mit 150 PS angeboten. Der Diesel ist ein 1,6 Liter großer Vierzylinder-Turbo mit 115 PS.

    foto: škoda
    Wie wichtig die Digitalisierung der Welt in dieser Klasse genommen wird, zeigt sich auch an den USB-Anschlüssen für die hinteren Sitzreihen. Damit die Welt sich nicht zu drehen aufhört, weil dem Smartphone vom Bangert der Saft ausgeht.

    Das Hauptaugenmerk der Kunden wird aber ohnedies nicht am Antrieb liegen. Die Kombination aus Konnektivität, emotionalem Design, kompakten Außenmaßen und viel Platz innen, getoppt von den kleinen Lösungen für Probleme die man bis zu deren Beseitigung nicht kannte – wie Eiskratzer im Tankdeckel oder Mülleimer in der Türverkleidung – sollen überzeugen. Sogar eine elektrische Heckklappe gibt es nun, und eine schwenkbare Anhängerkupplung die sich elektrisch entriegeln lässt. Entscheidender ist da aber wohl das Kofferraumvolumen von 467 Liter – laut Škoda das größte in seiner Klasse – das sich mit umlegen der Sitze auf 1410 Liter erweitern lässt, wie überhaupt das Raumgefühl in dem außen dann doch nur 4,362 Meter langen Kompaktwagen. (Guido Gluschitsch, 8.12.2018)

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