Nach Plastiksackerlverbot fragen Händler: Was ist mit Amazon und Co?

    26. Dezember 2018, 08:37
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    Vom geplanten Aus für Kunststoff-Tragetaschen sind Plastikfolien und andere Verpackungsinhalte der Onlinehändler nicht betroffen

    Jeder, der schon einmal online bestellt hat, dürfte sich über die Menge an Plastik- und Papiermüll gewundert haben, die bei einer Lieferung entsteht. Vor allem sensible Gerätschaften wie Smartphones, Tablets oder Geschirr werden in einem See an Plastik, Folien und Styropor versendet. Das dürfte auch in Zukunft so bleiben. Denn das groß angekündigte Plastiksackerlverbot, das ab 2020 in Österreich gelten soll, umfasst Verpackungen von Onlinehändlern nicht.

    Wachstumsraten

    Das stößt beim Handel auf Unmut. "Die Paketvolumina im E-Commerce wachsen Jahr für Jahr zweistellig, hier sehen wir dringenden Handlungsbedarf für die Schaffung fairer Spielregeln", sagt Rainer Will vom Handelsverband Österreich. Laut Umweltministerium werden tatsächlich nur ausländische Unternehmen, die Waren in Plastiksackerl nach Österreich liefern, von der neuen Gesetzgebung umfasst. "Das ist ehrlich gesagt nicht in hohem Ausmaß der Fall", gibt das Umweltministerium zu.

    Eine Milliarde Bäume

    Dabei sorgt der Onlinehandel an sich für Unmengen an Müll. In den USA wird bei Paketen so viel Karton versandt, dass für dessen Produktion rund eine Milliarde Bäume nötig wären. Vom angefallenen Plastikmüll ganz zu schweigen. Der Müll, den der Konsument in Händen hält, ist dabei nur ein Bruchteil der Misere. Im Gegensatz zu klassischem Einzelhandel ist das Liefersystem im Onlinehandel viel komplexer. Eine Studie gab 2017 an, dass vom Hersteller bis zum Kunden im Onlinehandel vier Mal so viele Stationen wie bei klassischem Einzelhandel durchlaufen werden.

    "Frustrationsfreie Verpackung"

    Große Versandkonzerne wie Amazon haben deshalb schon freiwillig begonnen, Verpackungsmaterial zu reduzieren. Amazon gibt etwa an, zwischen 2007 und 2017 rund "500 Millionen Kartons" eingespart zu haben. Die "Frustfreie Verpackung" sorgt dafür, dass Produkte direkt vom Hersteller versandt werden, ohne dass Amazon zusätzlich einen Karton schnürt.

    Zero-Waste-Start-ups

    In den USA haben sich schon einzelne Initiativen gegründet, die auch im Onlinehandel nahezu komplett auf Verpackungen verzichten wollen. Der "Package Free Shop" und der "Wally Shop" setzen etwa auf wiederverwendbare Verpackungen, berichtet "Forbes". Aus dem Umweltministerium heißt es, dass "im Ministerratsvortrag auch das Ziel definiert ist, Plastikverpackungen insgesamt bis 2025 um 25 Prozent zu reduzieren". (Fabian Schmid, 26.12.2018)

    • Amazon und andere Onlinehändler produzieren ebenfalls viel Müll. Das Plastiksackerlverbot betrifft sie nicht
      foto: apa/afp/mcdougall

      Amazon und andere Onlinehändler produzieren ebenfalls viel Müll. Das Plastiksackerlverbot betrifft sie nicht

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