Gefährliche subtropische Zecken erreichen Österreich

    9. Dezember 2018, 12:00
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    Die Zeckenart Hyalomma marginatum kann lebensbedrohliche Erreger wie das Krim-Kongo-Fieber-Virus übertragen: Die Parasiten leben nun auch in Österreich

    Erstmals ist in Österreich die gefährliche subtropische Zeckenart Hyalomma marginatum nachgewiesen worden. Sie kann lebensbedrohliche Erreger wie das Krim-Kongo-Fieber-Virus übertragen, berichten die Med-Uni Wien und die Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (Ages). Durch den besonders heißen Sommer fanden die blutsaugenden Parasiten für sie geeignete Bedingungen vor.

    Bisher wurden 18 heimische Zeckenarten in Österreich nachgewiesen, die häufigsten sind Ixodes ricinus (Gemeiner Holzbock), Dermacentor reticulatus (Auwaldzecke) und Haemaphysalis concinna (Reliktzecke). Durch Urlaubsreisen mit Haustieren wird immer wieder die sogenannte Braune Hundezecke eingeschleppt.

    Darüber hinaus können etwa über Zugvögel noch zwei weitere Zeckenarten nach Österreich und Deutschland gelangen: Hyalomma rufipes und Hyalomma marginatum. So konnte etwa Forscher der Uni Hohenheim und des Instituts für Mikrobiologie der Bundeswehr (IMB) in diesem Jahr sieben Funde der Zeckengattung Hyalomma bestätigen. Fünf der sieben Zecken konnten zweifelsfrei bestimmt werden, eine ist der Art Hyalomma rufipes, vier sind der Art Hyalomma marginatum zuzurechnen.

    Erstmals in Österreich nachgewiesen

    Hyalomma marginatum kommt hauptsächlich im Mittelmeerraum, Asien und Nordafrika vor. Bisher stand den mit Zugvögeln mitreisenden Larven und Nymphen unser Klima im Weg. Nach dem überdurchschnittlich warmen Sommer wurde nun erstmals ein geschlechtsreifer Parasit in Österreich entdeckt – von aufmerksamen Pferdebesitzern aus dem Raum Melk.

    Der subtropische Blutsauger hatte kein Krim-Kongo-Fieber im Reisegepäck. Er wies aber laut einer Analyse von Vetmed-Uni Vienna, Ages und Med-Uni Wien die für Menschen ebenso gefährliche Bakterienart Rickettsia aeschlimannii auf. Die Parasiten sind häufig mit Erregern infiziert. "Neben Babesien, einzelligen, eukaryotischen Parasiten, können sie auch gefährliche Bakterien wie Rickettsia aeschlimannii und Viren wie das Thogot-Virus oder West-Nil-Virus und das lebensbedrohliche Krim-Kongo-Fieber-Virus übertragen", sagen die Experten.

    Wärmere Temperaturen bieten Lebensraum

    "Die überdurchschnittlich warmen und trockenen Bedingungen im Sommer und der ebenfalls sehr warme Herbst führten dazu, dass sich die vollgesogenen Nymphen selbst in sonst ungeeigneten Gegenden zu adulten Zecken entwickeln konnten, vermutlich noch in zu geringer Zahl, um sich fix zu etablieren", beurteilt Georg Duscher vom Institut für Parasitologie der Vetmed-Uni Vienna die Situation. Möglich sei, dass die adulten und damit schon robusteren Tiere diesmal auch den Winter überdauern könnten. Genaueres wisse man erst im Frühjahr.

    Der Nachweis in Kombination mit der viertwärmsten Wärmeperiode in Mitteleuropa sollte ein Umdenken auslösen: Er bestätigt, dass sich die Parasiten bei höheren Temperaturen auch in unseren Breiten entwickeln können. Franz Allerberger von der Ages plädiert für Kontrollen und Vorsorgemaßnahmen, um die neuen Erreger nachweisen und therapieren zu können. Der Zusammenhang mit Zugvögeln solle "stärkere Beachtung finden". Die Ages hat eine Website eingerichtet, die über Zecken und deren Gefahrenpotenzial informiert.

    Das Krim-Kongo-Fieber sorgte zuletzt durch mehrere Fälle in der Türkei und in Spanien für Aufmerksamkeit. Auslöser ist ein viraler Erreger, der ein hämorrhagisches Fieber verursacht. Impfung gibt es noch keine. Die rechtzeitige Behandlung mit einem antiviralen Mittel kann den tödlichen Ausgang der Krankheit verhindern. (APA, red, 9.12.2018)

    • Derzeit dürfte sich die subtropische Zeckenart Hyalomma marginatum noch nicht in Österreich etablieren können. Trockene, heiße Sommer begünstigen aber die Verbreitung.
      foto: wikipedia/gemeinfrei

      Derzeit dürfte sich die subtropische Zeckenart Hyalomma marginatum noch nicht in Österreich etablieren können. Trockene, heiße Sommer begünstigen aber die Verbreitung.

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