Antikörper-Chemotherapie-Kombination hilft auch bei frühem Brustkrebs

    7. Dezember 2018, 08:45
    posten

    Die Kombination eines bereits seit 2013 zugelassenen Medikaments mit einem Chemotherapeutikum kann das Rückfall- und Todesrisiko um 50 Prozent verringern

    Ein Konstrukt aus dem monoklonalen Antikörper Trastuzumab und dem Chemotherapeutikum Maytansine hilft auch bei frühem Brustkrebs. Es kann bei einer kleinen Gruppe von Betroffenen das Rückfall- und Todesrisiko um 50 Prozent verringern. Das hat eine große internationale Studie mit österreichischer Beteiligung ergeben.

    Die Ergebnisse wurden kürzlich beim Brustkrebs-Symposium in San Antonio (US-Staat Texas) präsentiert. Zeitgleich erfolgte die Publikation im "New England Journal of Medicine".

    Das untersuchte Medikament, T-DM1, ist bereits seit 2013 in den USA und in Europa für die Behandlung von inoperablen fortgeschrittenen oder metastasierten sogenannten HER2-positiven Mammakarzinomen zugelassen. Etwa 15 Prozent der Brustkrebspatientinnen haben eine Krebsform, bei der die Tumorzellen den sogenannten HER2-Rezeptor für Wachstumsimpulse an ihrer Oberfläche vermehrt ausbilden und dadurch schneller wachsen. Blockiert man – zum Beispiel mit dem monoklonalen Antikörper Trastuzumab – diese Rezeptoren, überleben mehr Betroffene oder leben zumindest länger.

    Bessere Wirkung

    T-DM1 (Trastuzumab-Emtansine) ist ein solcher Trastuzumab-Antikörper. Als Weiterentwicklung ist an ihn aber auch noch das Chemotherapeutikum Maytansine (auch: Emtansine) gekoppelt. Das Chemotherapeutikum erwies sich ehemals als zu toxisch, um per Infusion angewendet zu werden. Als Wirkstoffmolekül, das von dem Antikörper gezielt an die Tumorzellen herangeführt und dann nur in die bösartigen Zellen eingeschleust wird, entfaltet es eine bessere Wirkung als der Antikörper allein, allerdings bei weiterhin zumeist akzeptablen Nebenwirkungen.

    Erstautor Gunter von Minkwitz von der German Breast Group und die Co-Autoren haben dazu eine von Roche/Genentech gesponserte Wirksamkeitsstudie der Phase III mit der Beteiligung von 273 Behandlungszentren in 28 Staaten für eine ganz bestimmte – kleine – Patientinnengruppe auf die Beine gestellt: Für Frauen mit HER2-positivem, invasivem Brustkrebs im Frühstadium, bei denen aber trotz einer Therapie vor der Operation mit Trastuzumab und einem Taxan-Zytostatikum (eventuell in Kombination mit einem zweiten Chemotherapeutikum) im entfernten Tumorgewebe noch Krebszellen oder eine Krankheitsbeteiligung der Lymphknoten nachgewiesen wurde. Das führt zu einem höheren Rückfallrisiko.

    1.486 solche Patientinnen wurden in die Studie aufgenommen. 743 bekamen ab zwölf Wochen nach der Operation in 14 Zyklen entweder den monoklonalen Antikörper Trastuzumab als bereits etablierte Therapie oder T-DM1 (Antikörper mit "angehängtem" Emtansine) als Studienmedikation. Die mittlere Beobachtungsdauer betrug 41 Monate. Bei dem Kongress und im "New England Journal of Medicine" wurde das Ergebnis einer Zwischenanalyse nach drei Jahren publiziert.

    Neue Anwendungen

    "Bis zum Zeitpunkt der Interims-Analyse wurden unter den per Zufallsentscheid (den beiden Gruppen; Anm.) zugewiesenen 1.486 Patientinnen 91 Todesfälle oder Fälle einer neuerlichen invasiven Erkrankung (12,2 Prozent) bei den mit T-DM1-Behandelten beobachtet, ebenso bei 165 Patientinnen in der Trastuzumab-Gruppe (22,2 Prozent). Das entsprach einer Reduktion dieses Risikos um 50 Prozent. Der geschätzte Prozentanteil der Patientinnen ohne invasive Erkrankung nach drei Jahren lag bei 88,3 Prozent in der T-DM1-Gruppe und betrug 77 Prozent bei den Patientinnen, die Trastuzumab erhalten hatten", so die Autoren. Das war eine Verbesserung um 11,3 Prozentpunkte.

    Die Studie soll vor allem dazu führen, das Anwendungsgebiet für T-DM1 zu vergrößern. Es handelt sich dann um eine Indikationserweiterung für ein bereits zugelassenes Medikament durch die Arzneimittelbehörden.

    In der wissenschaftlichen Studie unter Federführung deutscher Wissenschafter waren auch österreichische Zentren engagiert. Unter den rund 300 beteiligten Wissenschaftern finden sich in einem Appendix der Studie fünf Onkologen bzw. Gynäkologen der Universitätskliniken in Wien (MedUni/AKH), Salzburg und Innsbruck. (APA, 7.12.2018)

    Share if you care.