Beelzebub spielt Erlöser: Simon Mayers "Requiem" bei Brut im Odeon

    7. Dezember 2018, 12:50
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    Das Stück will die Diskriminierung von Homosexuellen verabschieden. Künstlerisch wäre jedoch ein Weniger an Klischees besser gewesen

    Wenn einer am Anfang einer Performance unter die Erde muss, liegt die Vermutung nahe, dass er sich bald aus seinem Grab erheben wird. So passiert es auch mit einem adonishaften Körper in Simon Mayers neuem Stück Requiem, das soeben vom Brut-Theater im Odeon uraufgeführt wird. Hier erfährt der nackte Solodarsteller Matteo Haitzmann sogar eine doppelte Auferstehung.

    Aus seinem Erdhügel im Zentrum der Bühne, über dem etliche Grabkerzen schweben, bricht der zum Performer gewandelte Musiker erst einmal aus, um eine Leidensgeschichte zu durchleben und mit einer himmlischen Geige zu tanzen. Er verwandelt sich in eine dem Gott Pan ähnliche Figur, die ein bisschen Erlösung betreibt: Sie verbrennt kleine Zettel, auf denen das Publikum zuvor notiert hatte, was es loslassen müsse, um Mitmenschen fürderhin angstfrei begegnen zu können.

    foto: franzi kreis
    In Simon Mayers "Requiem" erfährt der nackte Solodarsteller Matteo Haitzmann gleich eine doppelte Auferstehung.

    Staubpanierter sexy Boy

    Nach dieser beelzebübisch inszenierten Anspielung auf den christlichen Erlöser lässt sich der Performer wieder in die Erde betten, um dann die zweite Auferstehung zu zelebrieren. Haitzmann tanzt erst als staubpanierter sexy Boy unter eine Dusche und danach als Mädchen in unschuldsweißem Kleid. Aus dem Requiem, der Totenmesse, wird das Jubilate, ein Lob der Schöpfung. Die experimentell angehauchte Musik, für die Matteo Haitzmann zusammen mit Sixtus Preiss verantwortlich zeichnet, sorgt für atmosphärische Ambivalenz.

    Requiem ist als Verabschiedung der Diskriminierung von Homosexuellen gedacht. Künstlerisch wäre trotz der glänzenden Pan-Allegorie ein Weniger an Klischees besser gewesen. Im Vergleich mit seinem Vorgängerwerk Oh Magic bleibt der Oberösterreicher Simon Mayer diesmal eher schlicht in seinen Bildern. Damit liegt er zwar ganz im Trend eines Mainstreams der zeitgenössischen Performance. Aber er gerät auch mitten in den Sog der Krise, die das thematisch und ästhetisch ausdünnende Genre gerade international durchmacht. (Helmut Ploebst, 7.12.2018)

    Brut im Odeon, wieder am 7. und 8. 12.

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