Julya Rabinowich: Schokolade und zürnende Götter

6. Dezember 2018, 17:00
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Es ist Krampus und Nikolo, die zwei Pole von Gut und Böse, deren über- und unterirdischer Konflikt nur durch noch mehr Schoko zu lösen ist

Der Zyklus, der jede Frau ab dem Beginn der Menses beschäftigt, ist der unausweichliche Zyklus des Lebens. Das ist übrigens nicht jener, der besungen wird, wenn ein alter weißer elitärer Affe ein unschuldiges junges Ding in seinem Arm stolz dem staunenden Publikum präsentiert: So geschehen beim "König der Löwen", und wer jetzt an etwas anderes als an Simba gedacht hat, sollte sich eine Runde schämen gehen.

Kosmisches Ereignis Weib

Der Zyklus, der jede Frau beschäftigt (oder sagen wir, sehr viele), ist natürlich jener des Lebens mit der Schokolade. Wir folgen unseren Gelüsten mit der Bahn des Mondes und wieder retour. Und die Gelüste folgen uns.

Von reuiger Zurückhaltung vor dem Eisprung bis langsam und zart einsetzendem Interesse bis hin zu der entfesselten Verschlingung knapp vor Einsetzen der Menstruation, gegen die ein Schwarzes Loch eigentlich ein totaler Lercherlschas ist, mit Verlaub, und die Stimmungstiefs, die den Vorgang begleiten können, entwickeln sich ab und zu dramatischer als ein sterbender Stern.

Sogar Nietzsche hat sich an diesem Vorgang versucht, trotz aller Furcht vor dem kosmischen Ereignis Weib, irgendwas mit tanzenden Sternen und Chaos ist ihm neben der Peitsche ja doch noch eingefallen.

Kettenrasseln oder Süße

Aber wer redet denn von Chaosgeburt, wenn man Schokolade haben kann? Vielleicht hatten die zürnenden Götter der Altvorderen einfach zu wenig Schokolade abbekommen. Und hier schließt sich der ewige Kreis des Lebens auch eindrücklich elegant wieder: Es ist Krampus und Nikolo, die zwei ewig sich bekämpfenden Pole von Gut und Böse, deren über- und unterirdischer Konflikt nur durch noch mehr Schoko zu lösen ist.

Wers nicht glaubt, soll es einfach einmal probieren, was ihm besser schmeckt: Kettengerassel oder die schmelzende Süße auf der Zunge. Der Zyklus ist vollendet. (Julya Rabinowich, 7.12.2018)

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