"Weihnachten abschaffen": Strache beschert Schuldirektorin Hasswelle

    6. Dezember 2018, 14:35
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    Schule verbietet laut Sprecherin nicht grundsätzlich, sondern aus Brandschutzgründen Weihnachtsdeko in Klassenzimmern und auf Gängen

    Eine "Schuldirektorin will Weihnachten abschaffen" – so lautete die Schlagzeile der Gratiszeitung "Heute" über einen Vorfall in einer Schule in der niederösterreichischen Stadt Tulln. In dem Artikel monieren Schüler, dass sie keine Weihnachtsdekoration, darunter Christbäume, in den Klassenzimmern und Gängen aufstellen dürften.

    Strache-Posting mit irreführendem Titel

    Wie weiter erläutert wird, sei sie aber nicht gänzlich verbannt – so stehe in der Aula ein Weihnachtsbaum. "Heute" änderte den Titel nachträglich auf "Direktorin gegen Weihnachts-Deko in Schule", Vizekanzler Heinz-Christian Strache (FPÖ) teilte ihn aber noch mit seiner Originalüberschrift auf Facebook. Dazu empört er sich: "Es ist inakzeptabel, wenn das Lehrpersonal versucht, die Schülerinnen und Schüler politisch zu indoktrinieren!"

    foto: screenshot/facebook

    Welle an Hasspostings

    Straches Posting führte zu einer Welle an Hasskommentaren. Zahlreiche Nutzer ließen ihrer Wut freien Lauf und posteten hetzerische Beiträge – etwa schrieb eine Userin: "Gebt der Schuldirektorin eine Burga und jagt sie vom Hof auf das sie nieh wieder ein Lehramt bekommt!!!" Eine andere schrieb: "Früher wurden hexen verbrannt wäre doch lustig." Mehrere Nutzer bezeichneten die Direktorin als "deutschlandfeindlich". Vereinzelt riefen User zu Angriffen auf.

    Auf Anfrage des STANDARD sagte eine Sprecherin des Landesschulrats Niederösterreich, dass es bisher keine Hassbeiträge per E-Mail oder Telefon gegeben habe. Offenbar sei es zu einem Missverständnis gekommen, mit den betroffenen Schülern sei bereits ein klärendes Gespräch geführt worden. "In der Aula steht ein riesiger Weihnachtsbaum", heißt es. Das Verbot für Christbäume und andere leicht entflammbare Dekoration in Klassenräumen bestehe nur aus Brandschutzgründen, Weihnachtsschmuck sei grundsätzlich aber erlaubt.

    Jetzt reicht parlamentarische Anfrage ein

    Als Reaktion reichte die Abgeordnete Stephanie Cox von Jetzt eine parlamentarische Anfrage an Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP) ein. Darin will sie etwa wissen, ob Faßmann ein Fehlverhalten seitens der Schuldirektorin sieht und wie er zu Straches Posting steht. "Der Gipfel gegen Hass im Netz hat beim Vizekanzler offenbar keine nachhaltige Wirkung gezeigt", kritisiert sie in einem Statement gegenüber dem STANDARD. Faßman sei als oberster Dienstherr dazu aufgefordert, Pädagogen vor "den unfassbaren Angriffen und öffentlichen Diffamierungen des Vizekanzlers zu schützen", sagt Cox. (muz, 6.12.2018)

    Nachlese

    "Muslimische Zeltstadt": Unverständnis über Strache-Posting zu Weihnachtsmarkt

    Update 6.12., 14.35 Uhr

    Der Artikel wurde um Statements von Jetzt erweitert. Zudem wurde auf Bitte des Schulsprechers der Tullner Schule "Schülervertreter" zu "Schüler" abgeändert. Die Nachricht an "Heute" kam von einzelnen Schülern und sei nicht abgesprochen gewesen, heißt es gegenüber dem STANDARD.

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