Winterwanderung auf die Frauenalpe bei Murau

    7. Dezember 2018, 06:00
    8 Postings

    Zu überwinden sind bequeme 400 Höhenmeter

    Feld-, Fluss-, Wald- und Bergsteirer unterscheiden sich fundamental. Das wissen wir seit Reinhard P. Grubers abgründigem Heimatroman Aus dem Leben Hödlmosers. In Grubers Typologie fehlt jedoch einer: der Schneesteirer. Mit Winterbeginn verlässt dieser blitzschnell seine Deckung, um Duftmarken im natürlichen Lebensraum zu setzen – gelegentlich auch zur Balz. Erste Exemplare des Schneesteirers streifen bereits durchs Revier. In ihrem Element sind sie momentan auf der Frauenalpe (1.997 m) oberhalb von Murau.

    Zur Fortbewegung bedient er sich bemerkenswerter Anpassungen: Winterwanderschuhe oder Schneeschuhe. Die Unterart des "Scheiß-ma-nix-Steirers" ist sogar schon auf Skiern unterwegs – wenig materialschonend. Der gemeine Schneesteirer hält sich aber nur in Notzeiten auf der Frauenalpe auf. Sie ist kein ideales Habitat für ihn. Es mangelt an der bevorzugten Beute: Höhenmeter, Gehstunden und Steilabfahrten.

    Bequeme Höhenmeter

    Bis auf die Frauenalpe sind es 400 bequeme Höhenmeter. Deshalb trifft man dort auch häufig auf den Feinstaubsteirer, der im Winter aus seinem Hauptstadtlebensraum in nebelfreie Hochregionen kommt. Ihm hilft eine Pistenraupenspur, die durchs aufgelassene Skigebiet bis zum Gipfel führt. Angelegt hat sie der Wirt der Murauer Hütte, ein Vertreter der Dienstleistungssteirer.

    Aktuell ist der Schneesteirer bedroht, seine natürlichen Feinde sind Warmwettereinbrüche. Dennoch sollte sich auf der Frauenalpe ein Resthabitat erhalten haben. Und wenn nicht: Dann zieht der Schneesteirer einfach bequeme Wanderschuhe an – oder sich vorläufig zurück und wartet auf bessere Zeiten. (Uwe Grinzinger, 7.12.2018)

    Weitere Outdoor-Tipps:

    Google Maps: Wandern, Radfahren, Schneeschuh- und Skitouren in Österreich

    Service

    karte: der standard

    Ausgangspunkt: Parkplatz bei der Murauer Hütte (1.583 m).

    Anreise: Mit dem PKW: In Murau den Schildern zum Bahnhof folgen. Etwa 100 m westlich des Bahnhofsgebäudes über die Gleise, rund 100 m danach rechts abbiegen (jeweils Tafel "Frauenalpe"). Nun insgesamt rd. 8 km die Bergstraße hinauf, bis zum Ende der Fahrmöglichkeit bei der Murauer Hütte (immer den "Frauenalpen"-Schildern folgen, ev. Schneeketten).

    Mit Öffis: Per Bahn von Wien bzw. Graz über Bruck/Mur und Unzmarkt nach Murau (www.oebb.at). Weiter per Taxi auf die Frauenalpe (z. B. Taxi Wif-Zack).

    Aufstieg: Am Parkplatz hinter der Murauer Hütte gehen wir im Rechtsbogen wenige Schritte hinauf zu dessen oberem Ende. Gegenüber einer kleinen Nebenhütte entdecken wir einen gelben Wegweiser: "Frauenalpe-Gipfel 1 h 15 min". Dort wandern wir rechts hinaus auf die freie Wiese (= ehemalige Skipiste). Nun folgen wir im Normalfall durchgehend der Pistenraupenspur: Die aufgelassene Skipiste zuerst südwestlich hinauf, dann linkshaltend (südöstlich) zu zwei Hütten (Käsereihütte, Diensthütte), die links der Piste stehen. Von dort über einen steileren Hang nach Süden, dann flacher nach links (Südosten), bis wir etwas westlich des Oberberges den Nordostrücken der Frauenalpe erreichen. Hier scharf rechts, kurz steiler den Rücken hinauf, dann in die Nordflanke queren. In ihr wandern wir leicht ansteigend, immer etwas unter dem Nordostrücken, zur unbewirtschafteten Bernhard-Fest-Hütte, zur nahen Apollonia-Kapelle und in wenigen Schritten zum Gipfelkreuz.

    Abstieg: Beim Abstieg folgen wir entweder der Aufstiegsroute. Oder wir verlassen die Pistenraupenspur noch vor dem Oberberg (auf ca. 1.870 m) und steigen die Nordhänge direkt hinunter (steiler, mehrere Varianten auf ehemaligen Pistenschneisen möglich). In letzterem Fall erreichen wir weiter unten wieder die Hauptpiste – und auf ihr in Kürze die Murauer Hütte.

    Anforderungen: Einfache Winter-/Schneeschuhwanderung – besonders, wenn mittels Pistengerät gespurt ist. Die Route ist in größeren Abständen mit Stangen (rot, blau) markiert. Im oberen Bereich dennoch ev. Orientierungsprobleme bei Nebel. Nur selten lawinengefährdet.

    Einkehr: Murauer Hütte (am Ausgangspunkt) od. Alpengasthof Krische (ca. 200 m entfernt).

    Karte: freytag & berndt-Wanderkarte WK 211

    Literaturtipp: E. Zienitzer, S. Sarcletti – Schneeschuhführer Steiermark, Bergverlag Rother, 2017, EAN 9783763358120 (inkl. Frauenalpe, etwas andere Routenführung)

    • Da geht’s auffi! Von Murau fahren wir hinauf bis zur Murauer Hütte auf der Frauenalpe.
      foto: uwe grinzinger

      Da geht’s auffi! Von Murau fahren wir hinauf bis zur Murauer Hütte auf der Frauenalpe.

    • Wir starten bei der sympathischen Murauer Hütte.
      foto: uwe grinzinger

      Wir starten bei der sympathischen Murauer Hütte.

    • Nicht nur die Aussicht ist zum Niederknien. Wer will, kann das auch in der Apollonia-Kapelle am Gipfel tun.
      foto: uwe grinzinger

      Nicht nur die Aussicht ist zum Niederknien. Wer will, kann das auch in der Apollonia-Kapelle am Gipfel tun.

    • Bei der Bernhard-Fest-Hütte hat der letzte Sturm Spuren im Schnee hinterlassen.
      foto: uwe grinzinger

      Bei der Bernhard-Fest-Hütte hat der letzte Sturm Spuren im Schnee hinterlassen.

    • Die Bernhard-Fest-Hütte unter dem Gipfel ist unbewirtschaftet.
      foto: uwe grinzinger

      Die Bernhard-Fest-Hütte unter dem Gipfel ist unbewirtschaftet.

    • Eine Panoramascheibe am Gipfel erteilt Nachhilfe beim Berggewimmel rundum.
      foto: uwe grinzinger

      Eine Panoramascheibe am Gipfel erteilt Nachhilfe beim Berggewimmel rundum.

    Share if you care.