Rugby: Angeschossener Ex-Weltmeister als Held gefeiert

    5. Dezember 2018, 11:41
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    Südafrikas Naka Drotské stellt sich bei Überfall Bewaffneten entgegen – Schwer Verletzter auf dem Weg der Besserung

    Wien/Kapstadt – Das Drama um Allen Erasmus Drotské scheint ein glückliches Ende zu finden. Der ehemalige südafrikanische Rugby-Nationalspieler könnte bereits am Donnerstag das Krankenhaus verlassen können, nachdem er letzte Woche auf der Farm seines Bruders von vier Kriminellen dreimal angschossen worden war.

    Drotské wird als Held gefeiert, da er die drei Eindringlinge im Alleingang attackierte und mit einem Tackling in Rugby-Manier aus dem Haus beförderte. Dabei wurde der 47-Jährige, bereits in seiner aktiven Karriere über 100 Kilo schwer, von Kugeln in Brust, Bauch und Arm getroffen.

    Drotské, unter seinem Spitznamen Naka bekannt, wurde dabei schwer verletzt und von seinem ebenfalls im Haus befindlichen Ex-Teamkollegen Os du Randt in kritischem Zustand ins Krankenhaus gefahren. Drotské habe ein Drittel seines Bluts verloren, berichteten lokale Medien.

    Laut seinem Bruder Tinus waren die mutmaßlichen Räuber maskiert und versprühten Tränengas, als sie in den Raum stürmten. Auf der Farm in Kameeldrift nahe der Hauptstadt Pretoria hielten sich zum Zeitpunkt der Tat auch dessen minderjährige Kinder auf. Die Polizei verhörte am Tag danach zwei Männer, zu Festnahmen kam es jedoch nicht.

    Der Stürmer Drotské war in der legendären südafrikanischen Springbok-Auswahl gestanden, die 1995 die Rugby-Weltmeisterschaft gewonnen hatte. Es war ein ikonischer Moment nationaler Versöhnung (und weit darüber hinaus) gewesen, als der damalige Präsident Nelson Mandela, gewandet in ein Springbok-Trikot, Kapitän Francois Pienaar den WM-Pokal überreicht hatte. Drotské absolvierte in seiner Karriere insgesamt 26 Matches für das Nationalteam, mit dem er 1999 noch einmal WM-Dritter wurde.

    Katastrophale Sicherheitslage

    Der Überfall auf die Drotskés wirft ein Schlaglicht auf das Phänomen der Farm-Attacken in Südafrika, bei denen nach Datenlage zwischen in der Periode 2015 bis 2017 zwischen 58 und 74 Menschen jährlich ermordet wurden. Das dominante Motiv für die Angriffe ist Raub, die überwiegende Mehrheit der Bauern in Südafrika ist nach wie vor weiß. Brennpunkt der Kriminalität sind jedoch die verarmten Townships in denen die schwarze Bevölkerung mit dem verkommenen Bildungssystem und hoher Arbeitslosigkeit zu kämpfen hat.

    Generell weist die Kriminalitätsstatistik im Land erschreckende Zahlen aus. Insgesamt wurden 2017 über 20.000 Menschen umgebracht, eine Zuwachs von sieben Prozent im Vergleich zum Jahr davor. Das macht 57 Morde pro Tag, eine Rate die doppelt so hoch ist wie 1993, dem Jahr vor dem Ende der Apartheid. Südafrikas Poizeiminister Bheki Cele sagte, diese Entwicklung bringe sein Land an die "Schwelle eines Kriegsgebiet." (Michael Robausch, 5.12. 2018)

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