Warum der Mobilfunker A1 nun E-Scooter verkauft

    4. Dezember 2018, 16:33
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    Einmal jährlich die Preise für Bestandskunden zu erhöhen reicht nicht mehr aus, die Betreiber brauchen neue Geschäftsfelder

    Der E-Scooter-Hype ist nun auch in der Mobilfunkbranche angekommen: Rechtzeitig zum diesjährigen Weihnachtsgeschäft verkauft nun auch A1 Elektroroller. In den kommenden Tagen werden die Shops des Handynetzbetreibers mit den Gefährten beliefert. Die Konkurrenz verkauft schon seit einigen Monaten Elektroroller. Bei "3" verkaufen sich die 400 Euro teuren Roller wie die "warmen Semmeln", heißt es seitens des Unternehmens.

    Reiskocher und Handys

    Die E-Scooter passen nur auf den ersten Blick nicht zu Handynetzbetreibern. Sie stammen von Xiaomi, dem viertgrößten Smartphone-Hersteller der Welt. Das chinesische Unternehmen ist seit einigen Monaten auch in Österreich rege aktiv und kann mit vergleichsweise günstigen Handys punkten. Allerdings verkauft das Unternehmen auch andere Geräte, wie etwa Staubsauger, Laptops, Reiskocher oder eben Scooter.

    foto: apa

    Mit seinen Handys und Scootern mischt Xiaomi gerade Österreich auf.

    Der Verkauf von E-Scootern zeigt einmal mehr, dass sich die Mobilfunkbranche in einer Umbruchphase befindet. Bisher machten es sich die etablierten Anbieter recht einfach. Es wurden einfach jährlich die Preise erhöht, um weiterhin Gewinne einzufahren und den Verlust von hunderttausenden Kunden zu verschmerzen. Eine Strategie, die langfristig nicht funktioniert, da Mobilfunkdiskonter wie Hot oder Spusu den Markt richtiggehend aufmischen und Services wie Whatsapp am Kern des Geschäfts knabbern. Daher werden nun neue Geschäftsfelder gesucht.

    Vernetztes Zuhause

    Neben Scootern setzen die heimischen Mobilfunker derzeit auch auf das vernetzte Zuhause. T-Mobile und "3" haben ihre Smart-Home-Angebote erst vor wenigen Wochen vorgestellt, A1 ist schon länger auf diesem Markt aktiv. Allerdings ist der Markt extrem umkämpft. So treten die Mobilfunker gegen zahlreiche Player wie Google, Netgear, Devolo oder Eigenprodukte von Baumärkten an. Dabei setzen sie vor allem auf Sicherheit. So werden etwa Kameras und Sensoren, die Fremde oder Einbruchversuche erkennen, angeboten. Dank des starken Wettbewerbs sind die Angebote für kleines Geld zu haben. Das Smart-Home-Angebot von T-Mobile ist ab 5,90 Euro monatlich und einem einmaligen Betrag für Hardware zu haben.

    T-Mobile hat sich mit dem Kauf des Festnetzanbieters UPC für knapp zwei Milliarden Euro neu aufgestellt. UPC kostete 530 Millionen Euro über Marktwert, wie die Deutsche Telekom in ihren Geschäftszahlen festhält. Mit der Übernahme bekommt T-Mobile Leitungen, die das Unternehmen für die kommende Mobilfunktechnologie 5G benötigt, welche das Zeug dazu hat, die Wirtschaft völlig auf den Kopf zu stellen, da Daten quasi in Echtzeit übertragen werden können. 5G soll aber nicht nur beim Mobilfunk, sondern auch als Festnetzersatz – etwa bei vernetzten Maschinen – zum Einsatz kommen.

    5G am Flughafen Wien

    5G soll 2020 in Österreich an den Start gehen. Die dafür notwendigen Frequenzen werden im Frühjahr 2019 versteigert. Wie weit die Technologie derzeit ist, wird aktuell am Flughafen Wien erprobt. Dort haben A1 und der Netzwerkausrüster Nokia ein Testnetz aufgespannt, das am Dienstag offiziell in Betrieb ging.

    A1 versucht derzeit ebenso mit Cloud-Computing international zu punkten. Dafür wurde 2017 die Tochter A1-Digital gegründet, die sich als "echte europäische Alternative zu US-Lösungen" präsentiert. Dafür wurde von A1 ohne viel Tamtam der Schweizer Cloud-Anbieter Exoscale gekauft. Über den Kaufpreis haben die Unternehmen Stillschweigen vereinbart. Die Übernahme soll A1-Digital auf solide Beine stellen. Mit Exoscale hat sich Telekom ein Unternehmen mit gutem Ruf gekauft, das Kunden wie das Forschungszentrum Cern brachte. Hauptsächlich bietet das Unternehmen virtuelle Computer an, die in wenigen Minuten einsatzbereit und vergleichsweise günstig zu haben sind. Allerdings kämpft A1 mit einem branchenübergreifenden Problem, nämlich der extrem schwierigen Suche nach qualifizierten Mitarbeitern. (Markus Sulzbacher, 4.12.2018)

    • Auf dem E-Scooter fährt die Mobilfunkbranche in die Zukunft.
      foto: standard/cremer

      Auf dem E-Scooter fährt die Mobilfunkbranche in die Zukunft.

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