EU-Bericht: Mehr Forschung zu Cannabis in der Medizin notwendig

    4. Dezember 2018, 13:31
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    Die EMCDDA stellt erhebliche Unterschiede im Umgang mit medizinischem Cannabis zwischen Ländern und Nachholbedarf bei klinischen Studien fest

    Lissabon – Die Europäische Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht (EMCDDA) hat am Dienstag erstmals einen Bericht über die medizinische Verwendung von Cannabis und Cannabinoiden veröffentlicht. Darin soll ein Überblick der bisher verfügbaren Evidenzdaten gegeben werden. Es gebe aber noch "erhebliche" Forschungslücken, konstatiert die EMCDDA.

    Der Bericht "Medical use of cannabis and cannabinoids: Questions and answers for policymaking" trage der Tatsache Rechnung, dass immer mehr europäische Länder in diesem Bereich politische Strategien und Verfahren entwickeln, hieß es am Dienstag in einer Aussendung der EMCDDA. Viele EU-Länder gestatten inzwischen die medizinische Verwendung von Cannabis oder Cannabinoiden in bestimmter Form oder ziehen eine solche Zulassung in Erwägung.

    Hinsichtlich der dabei verfolgten Ansätze bestünden allerdings erhebliche Unterschiede zwischen den Ländern – sowohl in Bezug auf die zugelassenen Produkte als auch auf die rechtlichen Rahmenbedingungen für ihre Bereitstellung. Das Verständnis der vielfältigen nationalen Ansätze sei wichtig, um "in der EU eine fundierte politische Debatte über dieses Thema führen zu können".

    Wirkstoffe in unterschiedlicher Qualität

    Unterschiedliche Ansätze der Zulassung von medizinischem Cannabis werden mittels einer Auswahl von Fallstudien aus Drittländern, etwa den USA, Kanada, Australien und Israel beschrieben. Thematisiert werden Schwierigkeiten bei der Entscheidungsfindung und Fragestellungen, die eine Rolle spielen, wenn Regierungen über die Zulassung von Cannabis bzw. Cannabinoiden für die medizinische Verwendung entscheiden.

    Der Begriff der "medizinischen Verwendung von Cannabis und Cannabinoiden" könne sich auf eine Vielzahl von Produkten und Präparaten beziehen, die verschiedene Wirkstoffe enthalten und in unterschiedlicher Qualität auf unterschiedlichem Weg verabreicht werden können.

    Studienlage nicht ausreichend

    Die EMCDDA kommt zu dem Schluss, dass weitere Forschungsarbeiten und klinische Studien erforderlich seien, um künftig "erhebliche Lücken in den verfügbaren Evidenzdaten" zu schließen. So sei zwar etwa die Wirkung von Cannabinoiden in der Palliativversorgung teilweise untersucht worden, für die ausreichende Evidenz des therapeutischen Nutzens seien aber umfassendere, längerfristig angelegte Studien notwendig . Ähnliches gilt für die Anwendung von Cannabis und Cannabinoiden bei Schlafstörungen, Angststörungen, Depression, oder neurodegenerativen Erkrankungen.

    "In den meisten Ländern hat sich im Hinblick auf die Bereitstellung von Cannabis oder Cannabinoide enthaltenden Produkten und Präparaten für medizinische Zwecke im Laufe der Zeit ein Wandel vollzogen, oftmals als Reaktion auf die Nachfrage von Patienten oder Produktentwicklungen", wurde EMCDDA-Direktor Alexis Goosdeel zitiert. Bei diesem Thema sei es wichtig, eine gemeinsame Sprache zu entwickeln, um eine Grundlage für Evaluierungen und Bewertungen zu schaffen. (APA, 4.12.2018)

    • Die EU-Drogenbeobachtungsstelle ortet "erhebliche Lücken in den verfügbaren Evidenzdaten" zu Nutzen und Wirkung von Cannabis in der Medizin.
      foto: apa/ap/john woods

      Die EU-Drogenbeobachtungsstelle ortet "erhebliche Lücken in den verfügbaren Evidenzdaten" zu Nutzen und Wirkung von Cannabis in der Medizin.

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