Nato wirft Russland Verletzung von INF-Abrüstungsvertrag vor

    4. Dezember 2018, 18:11
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    Erstmals formale Stellungnahme – Nato fordert von Russland Einlenken bei Streit um INF-Vertrag

    Brüssel – Bei einem Treffen in Brüssel haben die Nato-Mitgliedsstaaten in einer gemeinsamen Erklärung erstmals ohne Einschränkungen festgehalten, dass Russland den INF-Abrüstungsvertrag von 1987 mit neuen Marschflugkörpern aus ihrer Sicht verletzt.

    Russland soll aber eine letzte Chance erhalten, den von der Nato vermuteten Verstoß gegen den INF-Vertrag zum Verzicht auf landgestützte atomare Mittelstreckenwaffen abzustellen. Konkrete Konsequenzen auf Nato-Ebene werden aber wahrscheinlich erst eingeleitet, wenn Moskau Aufforderungen nach einer zügigen Vernichtung der neuentwickelten Waffen ignoriert. Eine Nato-Reaktion könnte zum Beispiel ein Ausbau der Raketenabwehr in Europa sein.

    Kündigung der USA möglich

    Sollte Russland nicht einlenken, hätte dies auch zur Folge, dass die USA den INF-Vertrag mit politischer Rückendeckung der anderen Alliierten kündigen könnten. Der "Spiegel" berichtete am Dienstag, dass die USA Russland vor dem endgültigen Ausstieg noch zwei Monate Zeit geben.

    Das geplante Vorgehen gilt als Kompromiss unter den Nato-Partnern. US-Präsident Donald Trump hatte eigentlich bereits im Oktober angekündigt, den INF-Abrüstungsvertrag wegen neuer russischer Marschflugkörper vom Typ 9M729 aufkündigen zu wollen. Nato-Partner wie Deutschland befürchten allerdings, dass dies ein fatales Symbol wäre und ein neues Wettrüsten auslösen könnte. Sie wollen deswegen alle Möglichkeiten nutzen, um das Abkommen doch noch zu retten.

    Vertrag von 1987

    Der INF-Vertrag über nukleare Mittelstreckensysteme (Intermediate Range Nuclear Forces) wurde 1987 zwischen den USA und der damaligen Sowjetunion geschlossen. Er verpflichtet beide Seiten zur Abschaffung aller landgestützten ballistischen Raketen und Marschflugkörper mit Reichweiten zwischen 500 und 5.500 Kilometern. Zugleich untersagt er auch die Produktion und Tests solcher Systeme.

    Die USA werfen Russland seit längerem vor, mit der Entwicklung eines Marschflugkörpers mit dem Namen 9M729 (Nato-Code: SSC-8) gegen den Vertrag zu verstoßen. Russland dementiert das und hat im Gegenzug auch den USA schon mehrfach einen Vertragsbruch vorgeworfen. Ein Einlenken Moskau gilt deswegen als sehr unwahrscheinlich.

    In europäischen Militärkreisen wird allerdings vermutet, dass auch die USA kein großes Interesse an einem Erhalt des Vertrages haben. Er verpflichtet nämlich nur Russland und sie selbst zum Verzicht auf die atomaren Mittelstreckenwaffen. Andere aufstrebende Militärmächte wie China können sie weiter bauen. Ziel der USA könnte es deswegen sein, das INF-Abkommen durch einen neuen multilateralen Vertrag zu ersetzen. Alternativ könnten sie zur Abschreckung von Gegnern selbst neue landgestützte Mittelstreckensysteme bauen. (APA, 4.12.2018)

    • Die Nato unter Generalsekretär Jens Stoltenberg wirft Russland vor, den INF-Vertrag durch ein neues Raketensystem zu verletzen.
      foto: ap photo/francisco seco

      Die Nato unter Generalsekretär Jens Stoltenberg wirft Russland vor, den INF-Vertrag durch ein neues Raketensystem zu verletzen.

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