So funktioniert der weibliche Zyklus

    8. Dezember 2018, 08:00
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    Bis zu 500-mal im Leben hat eine Frau ihre Periode. Hier beantworten wir die wichtigsten Fragen rund um den Zyklus

    Warum bluten Frauen einmal im Monat?

    Am Anfang ist das Blut, denn der erste Tag der Regelblutung ist gleichzeitig auch der erste Tag eines neuen Zyklus. Ab dem Zeitpunkt reifen im Eierstock Eibläschen (Follikel) heran, von denen sich meist eines durchsetzen kann. In seinem Inneren wächst die Eizelle. Gleichzeitig verändert sich durch einen steigenden Östrogenspiegel in der Gebärmutter die Schleimhaut, sie wächst, wird dicker und besser durchblutet, sodass ein befruchtetes Ei sich dort einnisten kann.

    Nach ungefähr zwei Wochen platzt der Follikel im Eierstock – das ist der Eisprung –, und die Eizelle macht sich durch den Eileiter auf den Weg Richtung Gebärmutter. Der Follikel, der die Eizelle freigegeben hat, bleibt im Eierstock zurück, wird zum sogenannten Gelbkörper und schüttet das Hormon Progesteron aus.

    Wird die Eizelle nicht befruchtet, bildet sich der Gelbkörper im Eierstock zurück, das Ei stirbt ab, und die oberste Schicht der Gebärmutterschleimhaut wird abgestoßen. Es kommt zur Regelblutung, ein neuer Zyklus beginnt.

    foto: becker reinhilde
    Der weibliche Zyklus ist ein Kreislauf. Das passiert dabei im Körper.

    Wie lange ist ein Periodenzyklus?

    28 – das ist jene Zahl, die in den meisten Lehrbüchern als üblich angegeben wird. Auch kürzere zeitliche Abweichungen gelten als "normal". Meist sind es 23 bis 35 Tage, ein kleiner Prozentsatz der Frauen hat auch Zyklen, die bis zu 45 Tage dauern. Dazu ist es durchaus häufig, dass die Zykluslänge schwankt – oft von Monat zu Monat sogar um mehrere Tage. So unterschiedlich wie der Zyklus ist auch die Dauer der natürlichen Regelblutung, bei den meisten Frauen sind es drei bis sieben Tage.

    Wie viel Blut verliert man während der Regel?

    Bei der Regelblutung verliert eine Frau etwa 40 bis 65 Milliliter Blut, also so viel wie zwei oder drei Stamperl Schnaps. Das meiste Blut verlieren Frauen in den ersten Tagen. Am stärksten ist die Blutung oft an Tag zwei. Ausgeschieden wird nicht nur Blut, sondern auch Reste der Gebärmutterschleimhaut und andere Sekrete. Frauen nehmen das häufig als Blutklumpen wahr.

    Warum haben viele Frauen Regelschmerzen?

    Viele empfinden besonders an den ersten Tagen der Regelblutung ein Ziehen oder sogar Krämpfe im Unterbauch, weil sich die Gebärmutter zusammenzieht, um die Schleimhaut abzustoßen. Aber auch Kopfschmerzen, Rückenschmerzen, Übelkeit, Durchfall und Stimmungsschwankungen können auftreten. Meist beginnen die Schmerzen vor Beginn der Regel und fallen an den ersten beiden Tagen am stärksten aus.

    In welchem Zeitraum kann eine Frau schwanger werden?

    Der Eisprung findet meist rund um den 14. Tag des Zyklus statt, aber auch hier variiert der Zeitpunkt stark. Manche Frauen verspüren dann kurze Schmerzen, den sogenannten Mittelschmerz.

    Nach dem Eisprung, auch Ovulation genannt, also in der Zeit, in der sich die Eizelle durch den Eileiter auf den Weg in die Gebärmutter macht, kann sie befruchtet werden. Sind zu der Zeit männliche Samenzellen im Körper und haben sie den Weg durch die Gebärmutter in das äußere Ende des Eileiters gefunden, kann für bis zu 24 Stunden eine Befruchtung stattfinden, bevor die Eizelle abstirbt.

    Spermien können im Körper der Frau bis zu fünf Tage überleben. Insgesamt ergibt sich so ein fruchtbares Fenster von etwa sechs Tagen pro Monat. Am ehesten kommt es zu einer Schwangerschaft, wenn die Spermien schon im Eileiter auf die Eizelle warten. Am fruchtbarsten sind somit die zwei Tage vor dem Eisprung und der Tag des Eisprunges selbst.

    Wurde die Eizelle befruchtet, nistet sie sich in der Gebärmutterschleimhaut ein. Der Gelbkörper im Eierstock bleibt weiter aktiv und verhindert dadurch, dass die Schleimhaut abgestoßen wird und es zur Regelblutung kommt. Sie bleibt demnach aus, wenn eine Befruchtung stattgefunden hat.

    Was, wenn der Zyklus unregelmäßig ist?

    Ist der Zyklus zwischen 23 und 35 Tage lang und verliert eine Frau nicht mehr als 80 Milliliter Blut, gibt es keinen Grund zur Sorge. Ein Besuch bei Gynäkologen ist empfehlenswert, wenn die Blutung wiederholt ungewöhnlich leicht oder stark ist oder wenn sie deutlich länger oder kürzer dauert als sonst. Diesen Störungen liegen meist hormonelle Veränderungen, Entzündungen der Gebärmutter oder andere Erkrankungen zugrunde. Auch psychische Erkrankungen, Stress und bestimmte Verhütungsmethoden können sich auf Häufigkeit und Dauer auswirken oder Ursache für Zwischenblutungen sein.

    Was, wenn die Regelblutung ausbleibt?

    Bleibt die Regel einmal aus, gibt es dafür unterschiedliche Ursachen: Neben einer Schwangerschaft können Hormonstörungen, psychische Faktoren, etwa Stress, oder große körperliche Belastung, etwa bei Leistungssportlerinnen, für eine sogenannte Amenorrhö verantwortlich sein. Auch bei einer starken Gewichtsabnahme, bei Übergewicht oder nach dem Absetzen der Pille kann die Menstruation aussetzen. Klarheit bringt ein Arztbesuch.

    Start in der Pubertät, Ende mit der Menopause?

    Die erste Regelblutung, Menarche genannt, ist für viele junge Frauen ein einschneidender Moment im Leben. Die Menarche markiert den Eintritt in das fruchtbare Alter. Wann sie auftritt, ist sehr individuell – meist ist es aber im Alter zwischen neun und 15 Jahren so weit.

    Die erste Blutung kündigt sich ein bis zwei Jahre zuvor bereits mit Weißfluss, also einem weißlichen Ausfluss aus der Scheide, an. Das ist ein Zeichen dafür, dass die Geschlechtsorgane aktiv werden. Es kommt aber noch zu keinem Eisprung und auch zu keinem Aufbau der Schleimhaut in der Gebärmutter. Ist er dann da, muss der Zyklus sich am Anfang meist erst einpendeln und ist in den ersten Monaten oder Jahren nicht regelmäßig.

    Etwa 500-mal menstruiert eine Frau in ihrem Leben. Zwischen dem 45. und dem 55. Lebensjahr wird der Zyklus immer unregelmäßiger, die Sexualhormone im Blut sinken, und die Eierstöcke werden unempfindlicher gegenüber hormoneller Stimulation. Die Frau kommt in die Wechseljahre – das kann für viele mit Beschwerden wie Hitzewallungen und/oder Gewichtszunahme verbunden sein. Am Ende der Wechseljahre bleibt die Regelblutung aus. Das nennt sich Menopause. Nun – meist auch schon etwas früher – ist die fruchtbare Zeit der Frau vorbei. (Bernadette Redl, Franziska Zoidl, 8.12.2018)

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    Die Reihe STANDARD-Zyklus beschäftigt sich mit grundlegenden medizinischen, gesellschaftlichen, ökonomischen sowie ökologischen Fragen rund um das Thema Menstruation.

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    • Im Rahmen des STANDARD-Zyklus über die Periode reden.
      foto: becker reinhilde

      Im Rahmen des STANDARD-Zyklus über die Periode reden.

    • Mit der Menstruation schafft der Körper günstige Bedingungen für eine Schwangerschaft. Im Zyklus steht eine Eizelle im Mittelpunkt. Sie reift im Eierstock und wandert nach dem Eisprung durch die Eileiter in die Gebärmutter.
      foto: istock

      Mit der Menstruation schafft der Körper günstige Bedingungen für eine Schwangerschaft. Im Zyklus steht eine Eizelle im Mittelpunkt. Sie reift im Eierstock und wandert nach dem Eisprung durch die Eileiter in die Gebärmutter.

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