Der gute Ton: Neue Musik von Jon Spencer, Ex:Re und Bauhaus

    5. Dezember 2018, 07:00
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    Sexy Lärmrock, verwehte Geisterhaus-Balladen und ein Klassiker des schwarzen Tuchs

    Jon Spencer Sings The Hits

    Der Titel führt in die Irre. Spencer Sings The Hits lautet der. Doch solche hatte er nie, also nicht im Sinne der Parade. Die hat der New Yorker mit seiner Musik aber nie ernsthaft anvisiert. Der Mann steht für Punk und Lärmrock mit dem Blues als Klebstoff. Da kann der prächtigste Rock 'n' Roll dabei herauskommen oder – wie hier – derbe Rocker, mit funkigen Fiepsern zu trockenen Rhythmen. Die Blues Explosion ist derweil auf Eis gelegt, es ist gewissermaßen ein Soloalbum, wobei Spencer sich bei seinem Fremdgang nicht zu weit von seiner Stammband entfernt. Zum Abendessen ist er wieder daheim. Boom! Bang! (In The Red Records)

    in the red records
    Jon Spencer auf Abwegen – aber nicht sehr.

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    Ex:Re

    Elena Tonra kennt man – oder nicht – von der britischen Band Daughter. Unter dem Alias Ex:Re veröffentlicht sie nun ihr Solodebüt. Es ist ein hübsches Kleinod, in dem sich Tonra an den verwehten Sphärenklängen der Hausband ihres Labels 4AD (This Mortal Coil) ebenso versucht wie an gepflegt im unteren Tempobereich durch die Widrigkeiten des Daseins stolpernden Songs. Einer wie Romance liegt auf kuscheliger Elektronik gebettet, ein anderer, Too Sad, passt gut zu Hochnebel und Tiefdruck. Insgesamt nichts, was man nicht schon mal gehört hätte, aber dennoch sehr einnehmend gemacht. (4AD Records)

    elenatonravevo
    Elena Tonra alias Ex:Re – ein hübsches Debütalbum auf 4AD.

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    Bauhaus – The Bela Session

    Bald jährt sich das 40-jährige Jubiläum der Veröffentlichung von Bauhaus' Bela Lugosi's Dead. Gruftis worldwide frohlocken, die als The Bela Session nun neu aufgelegte EP bietet neben der über neunminütigen Eloge auf den berühmten B-Movie-Darsteller Bela Lugosi vier weitere Songs, die in derselben Session entstanden sind. Die englische Band formierte sich 1978 und liegt seit zehn Jahren auf Eis. Unter Gothics steht sie im unheiligen Gral neben The Cure, Joy Division oder Siouxsie and the Banshees. Das rhythmisch wuchtige und knarzende Titelstück gilt als Klassiker des schattigen Fachs. Zu Recht. (Leaving Records)

    hraffi
    Gehört in jede echte Plattensammlung: Bela Lugosi's Dead. In der Neuauflage knistert es auch nicht so arg wie hier.

    (Karl Fluch, 4.12.2018)

    • Jon Spencer macht auch ohne Blues Explosion ziemlich Lärm.
      in the red

      Jon Spencer macht auch ohne Blues Explosion ziemlich Lärm.

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