Van der Bellen holte Schwarzenegger auf Klimakonferenz-Bühne

    Video3. Dezember 2018, 14:42
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    In den kommenden zwei Wochen wird in Polen um ein Regelbuch für das Pariser Abkommen gerungen

    Wien – Zum Auftakt des Klimagipfels COP 24 in Polen hat die Weltgemeinschaft dem Treffen die entscheidende Rolle für die Umsetzung des Pariser Abkommens von 2015 zugewiesen. "Katowice ist die wichtigste Konferenz seit Paris", sagte UN-Generalsekretär António Guterres am Montag zur Eröffnung der Veranstaltung mit Teilnehmern aus fast 200 Ländern.

    Hier müssten die Zusagen aus Paris überprüfbar gemacht werden. "Für viele Länder ist es eine Frage von Leben und Tod", betonte Guterres. Der polnische Präsident Andrzej Duda sagte: "Ohne Erfolg in Katowice kann der Vertrag von Paris die Erwartungen nicht erfüllen."

    Van der Bellen holte Schwarzenegger auf die Bühne

    Bundespräsident Alexander Van der Bellen holte sich bei seiner Rede prominente Unterstützung. Nach wenigen Minuten übergab er "seinem Freund" Arnold Schwarzenegger für einen "Pep-Talk" das Wort.

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    Was kann die Klimakonferenz in Katowice abgesehen von einer Schadensbegrenzung noch leisten? Ernst Gelegs berichtet für den ORF.

    Zuvor hatte Van der Bellen gemahnt: "Wir sind die erste Generation, die mit schnell ansteigenden Temperaturen konfrontiert ist – und wir sind wahrscheinlich die letzte, die etwas dagegen tun kann."

    Schwarzenegger: "Meschuggener Anführer"

    Schwarzenegger betonte in seiner Rede, dass nicht die ganzen USA aus dem Klimavertrag ausgestiegen seien. Washington sei mit einem "meschuggenen Anführer" zwar "ein wenig hintennach", doch die Wissenschafter sowie viele Gouverneure und Bürgermeister hätten den Klimavertrag nicht gekündigt.

    Zudem habe in den USA bei den Umweltgesetzen und Initiativen der Bund viel weniger Einfluss. "70 Prozent wird auf lokaler Ebene entschieden", sagte Schwarzenegger. Und dort seien auch enorme Fortschritte zu sehen.

    An der Klimakonferenz übte der Weltstar und ehemalige US-Politiker auch Kritik, diese hätte gerade gegenüber den lokalen Akteuren beim Klimaschutz "einen blinden Fleck". "Aber dort ist die Action", unterstrich der ehemalige Gouverneur von Kalifornien. Bei der kommenden Cop 25 sollten demnach auch mehr dieser Akteure geladen und gehört werden. "Dann verspreche ich auch: I'll be back", zitierte der Schauspieler erneut aus seinem Film "Terminator".

    foto: apa/bundesheer/peter lechner
    Bundespräsident Alexander Van der Bellen und Arnold Schwarzenegger mahnten am Montag in Polen zu mehr Klimaschutz.

    Netzwerk könnte bestehen bleiben

    Um zum Erfolg der Klimakonferenz beizutragen, startete Van der Bellen eine Klimaschutzinitiative. Bislang wurde sie von 18 europäischen Staatsoberhäuptern unterzeichnet. Der Bundespräsident kann sich vorstellen, dass dieses Netzwerk auch nach der Klimakonferenz bestehen bleibt.

    Regelwerk fehlt noch

    Das Ziel steht bereits seit Paris 2015 fest: Die globale Erderwärmung soll im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter auf zwei Grad – und im besten Fall auf 1,5 Grad – Celsius begrenzt werden. Nun soll endlich das Regelbuch erstellt werden, damit dieses Ziel in konkrete und vergleichbare Maßnahmen umgesetzt wird.

    Die Fortschritte sollen außerdem überprüft und transparent gemacht werden. Zudem muss die finanzielle Unterstützung der ärmsten Staaten nach dem angekündigten Ausstieg der USA aus dem Klimaabkommen gesichert werden. Ferner soll es zumindest Signale geben, dass man seine Anstrengungen verstärken will. Das ist nötig, um das in Paris verankerte Ziel erreichen zu können. Alle diese Fragen sind aber strittig.

    "Schwarzfahrer-Effekt"

    Zuletzt wurde laut einem Bericht des Weltklimarats wieder mehr Treibhausgas ausgestoßen. Die Weltorganisation für Meteorologie warnt von einem Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur bis zum Ende des Jahrhunderts um drei bis fünf Grad, sollten die Emissionen nicht sinken.

    Schon am Sonntag warnte Van der Bellen vor einem "Schwarzfahrer-Effekt". Denn falls sich einzelne Staaten – auch kleinere wie Österreich – aus einzelnen Vereinbarungen herausnehmen, werde bald "niemand mehr etwas machen". Deshalb sei ein Regelbuch so wichtig. Auch Guterres verwies am Montag darauf, dass nach derzeitigem Stand viele Staaten ihre Zusagen von Paris nicht einhielten: "Wir sind in Schwierigkeiten, wir sind in großen Schwierigkeiten." (Julia Schilly, 3.12.2018)

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