Khashoggi: USA sehen weiter keine Beweise gegen Kronprinzen

    2. Dezember 2018, 12:52
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    "Es gibt keinen direkten Beweis", sagte US-Außenminister Mike Pompeo am Rande des G-20-Gipfels

    Buenos Aires/Istanbul – Nach neuen Enthüllungen um die Tötung des Journalisten Jamal Khashoggi hat US-Außenminister Mike Pompeo den saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman (MBS) in Schutz genommen.

    "Ich habe alle Geheimdienstinformationen gelesen, die im Besitz der Regierung der Vereinigten Staaten sind", sagte Pompeo dem US-Sender CNN am Rande des G-20-Gipfels in Buenos Aires am Samstag. "Es gibt keinen direkten Beweis, der ihn mit dem Mord an Jamal Khashoggi verbindet." Zuvor hatte das "Wall Street Journal" unter Berufung auf Quellen des Geheimdienstes von verdächtigen Nachrichten berichtet, die der Thronfolger zur Zeit des Mordes geschrieben habe.

    Der Außenminister hat sich außerdem in einem Gastkommentar klar dafür ausgesprochen, die Beziehungen zu Saudi-Arabien weiterhin aufrecht zu erhalten.

    Kronprinz MBS wird verdächtigt, vom Mord an Khashoggi Anfang Oktober im saudi-arabischen Konsulat in Istanbul gewusst oder ihn sogar angeordnet zu haben. Der im US-Exil lebende Kolumnist der "Washington Post" hatte dort Dokumente für seine Hochzeit abholen wollen, er wurde von einem Killerkommando aus seiner Heimat erwartet. Dies gab Riad mittlerweile zu, beteuert jedoch, dass der mächtige MBS nichts davon gewusst habe. US-Präsident Donald Trump hatte deutlich gemacht, dass eine Mitwisserschaft möglich sei, er deswegen aber nicht die Partnerschaft und Geschäfte der USA mit Saudi-Arabien unter anderem im Rüstungsbereich aufs Spiel setzen wolle.

    Berichte über SMS-Nachrichten des Kronprinzen

    Pompeo sagte: "Es bleibt eine wichtige Beziehung und wir streben an, diese Beziehung mit dem Königreich Saudi-Arabien beizubehalten." Auf die Frage, ob der US-Auslandsgeheimdienst CIA zu dem Schluss gekommen sei, dass bin Salman wahrscheinlich in den Mord involviert gewesen sei, sagte Pompeo: "Ich kann Geheimdienstangelegenheiten oder CIA-Schlussfolgerungen nicht kommentieren."

    Das "Wall Street Journal" berichtete am Samstag, die CIA sei in bisher nicht veröffentlichten Dokumenten mit "mittlerer bis hoher" Sicherheit zu der Einschätzung gelangt, dass der Kronprinz Khashoggis Tod "wahrscheinlich angeordnet" habe. Es fehlten aber direkte Belege, dass der Kronprinz einen Tötungsbefehl erteilt habe.

    Die Zeitung berichtete unter Berufung auf diese CIA-Dokumente, der Kronprinz habe mehrere Nachrichten an einen engen Vertrauten geschickt, der das Killerkommando für Khashoggi gesteuert habe. Konkret gehe es um mindestens elf Nachrichten, die er in den Stunden vor und nach dem Mord an seinen persönlichen Berater Saud al-Kahtani geschickt habe.

    Thema beim G-20-Gipfel

    Der Inhalt der Nachrichten sei der CIA nicht bekannt. In welcher Form sie gesendet wurden, gehe aus den Dokumenten nicht hervor. "Wir bewerten es als sehr unwahrscheinlich, dass dieses Team (...) die Operation ohne die Autorisierung von Mohammed bin Salman durchgeführt hat", zitierte das "Wall Street Journal" aus den CIA-Dokumenten.

    Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan forderte beim G-20-Gipfel erneut eine Aufklärung des Falls. Er kritisierte die "Widersprüche und Lügen" in der offiziellen Darstellung des Falls durch die Saudis. Auch Kronprinz Mohammed hatte an dem G-20-Gipfel in Argentinien teilgenommen. Am Sonntag in der Früh verließ der erst 33-Jährige Südamerika nach Angaben der staatlichen saudischen Nachrichtenagentur SPA in Richtung Algerien, wo er am Abend nach einem Zwischenstopp in Mauretanien zu einem zweitägigen Besuch erwartet wurde.

    MBS am Gipfel nicht isoliert

    Auf dem Gipfel hatten ihn die anderen Staats- und Regierungschefs auf der internationalen Bühne freundlich begrüßt. Trotz der Vorwürfe gegen den 33-Jährigen im Fall Khashoggi und der Kritik an der Rolle Riads im Jemen-Krieg wirkte er alles andere als isoliert. Prinz Mohammed unterhielt sich am Rande des ersten Gipfeltags mit US-Präsident Donald Trump und dessen Tochter Ivanka. Zudem sprach er mit Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron und dem russischen Präsidenten Wladimir Putin. Insgesamt gab es bilaterale Kontakte mit zwölf Kollegen.

    Fast schon überschwänglich fiel die Begrüßung zwischen dem Prinzen und Putin aus, die sich kumpelhaft in die Hände klatschten. Die Szene sorgte in den sozialen Netzwerken für Erstaunen. Anschließend nahmen die beiden Männer nebeneinander Platz und unterhielten sich lächelnd.

    Gespräche zum Jemen

    Macron sprach den Thronfolger laut Elysee-Palast auf den Fall Khashoggi und die von Saudi-Arabien angeführte Militäroffensive im Jemen gegen die pro-iranischen Houthi-Rebellen an, bei der es laut UNO-Experten zu Kriegsverbrechen gekommen ist. Der französische Präsident verlangte demnach, internationale Experten in die Ermittlungen zum gewaltsamen Tod von Khashoggi einzubeziehen, und betonte die Notwendigkeit einer "politischen Lösung" im Bürgerkriegsland Jemen. Auch der kanadische Premier Justin Trudeau und die britische Premierministerin Theresa May erklärte nach Treffen mit dem Kronprinzen, dass sie ihm gegenüber auf eine vollständige Untersuchung des Khashoggi-Mordes gedrungen hätten. (APA, dpa, 2.12.2018)

    • Kronprinz Mohammed bin Salman war am Wochenende beim G-20-Gipfel in Buenos Aires – und war dort alles andere als isoliert. Insgesamt gab es zwölf bilaterale Kontakte.
      foto: apa/afp/alejandro pagni

      Kronprinz Mohammed bin Salman war am Wochenende beim G-20-Gipfel in Buenos Aires – und war dort alles andere als isoliert. Insgesamt gab es zwölf bilaterale Kontakte.

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