Minimal-Art-Pionier Robert Morris gestorben

    30. November 2018, 22:28
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    Der US-Bildhauer, Vertreter der Land Art und des Minimalismus, starb 87-jährig im Bundesstaat New York

    Nur zwei Mal im Jahr, zu Frühlingsbeginn und im Herbst, wenn die Tage und die Nächte gleich lang sind, geht die Sonne genau zwischen den beiden Stahlplatten auf. US-Künstler Robert Morris hat sie 1977 in den Boden der niederländischen Provinz gerammt. Die beiden, ein "V" bildenden Metallplatten sind Teil seines aus konzentrischen Erdwällen bestehenden Observatory, einer archaischen, an Stonehenge gemahnenden Anlage – Morris' berühmtestes Land Art-Werk. Es ist ein Werk, dass die Landschaft zu rahmen scheint, und deren Dimensionen (91 Meter im Durchmesser) regelrecht dazu zwingen, sich in der Skulptur zu bewegen, die Perspektive auf die Landschaft zu verändern und aus der rein visuellen Erfahrung eine körperliche zu machen.

    land art flevoland

    Prozesshaftes, wie die Bewegung imRaum, und Performance sind wichtige Momente im Werk des Pionieres der Minimal Art, jener Kunst der radikalen Vereinfachung und oft industriellen Materialien. Aber anders als bei seinen Bildhauerkollegen Donald Judd oder Carl Andre limitierte Morris sein Formenrepertoire nicht. Später warf man ihm deswegen oft das Fehlen einer eigenen Handschrift vor oder sogar das Abkupfern von Kollegen wie Beuys oder Duchamp. Andere lobten die Vielfalt von Morris, der nicht nur künstlerisch eine der prägendsten Figuren der amerikanischen Nachkriegsepoche ist, sondern neben Judd auch zu den prominentesten Theoretikern des Minimalismus zählt.

    Dada, Konzeptkunst und Bad Boy-Inszenierungen

    Dada, Body Art, Konzeptkunst, all das hat Morris ausprobiert. Auch als Bad Boy inszenierte er sich 1974 auf dem Plakat für seine Präsentation bei New Yorks führendem Galeristen Leo Castelli: Nackt bis auf die Hüften mit einem Nazi-Helm am Kopf und einer monumentalen, ein SM-Szenario beschwörenden Kette um den Hals.

    Von der Minimal Art war der 1931 in Kansas City geborenene Morris ursprünglich jedoch weit entfernt gewesen; bis ins Jahr 1959 war Morris' Werk stark vom Abstrakten Expressionismus beeinflusst. Bis er Ende der 1950er die Choreographin und Tänzerin Simone Forti kennenlerte, die seine erste Frau wurde. Mit Forti ging er nach New York und tauchte ein in die Szene von Downtown, wo er Maler, Musiker, Tänzer und Performancekünstler kennenlernte. Eine prägende Zeit. 1963 folgte mit der ersten Einzelausstellung in der New Yorker Green Gallery sein Durchbruch. Bis zu seiner ersten großen Retrospektive – 1994 im Guggenheim Museum – sollten allerdings noch ganze 31 Jahre vergehen.

    Wie der Moment der Bewegung seinem Werk eingeschrieben ist, lässt sich anhand einer Arbeit aus der Sammlung des Wiener Mumok schön illustrieren. Das Objekt von 1974 – ohne Titel wie so oft – besteht aus einer Art Teppich, oder besser aus einem braunem Filzläufer. Seine Enden scheinen wie Flügel in die Luft erhoben und erinnern so an eine tänzerische Silhouette. Es waren die 1970er-Jahre als Morris sein Repertoire nochmal erweitern sollte: Er begann Tanzstücke zu kreieren und sich im Film- und Bühnenbereich zu erproben.

    Am Mittwoch ist Robert Morris, wie die New York Times berichtet, in Kingston im Bundesstaat New York an Lungenentzündung gestorben. Er wurde 87 Jahre alt. (Anne Katrin Feßler, 30. 11. 2018)

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