Biathlon: Hü mit Groß

    1. Dezember 2018, 09:26
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    Nach halbjährigem Vorlauf gibt Ricco Groß am Wochenende in Pokljuka sein Debüt als Chefcoach der österreichischen Biathleten. Mit dem viermaligen Olympiasieger soll es wieder entschiedener hü heißen.

    Irgendwo zwischen den Chiemgauer und den Julischen Alpen, zwischen Ruhpolding in Bayern, seinem Wohnort, und Pokljuka in Slowenien, wo am Wochenende mit Mixedbewerben der Weltcup beginnt, spricht Ricco Groß die ewige Wahrheit des Biathlons aus. "Es geht ums Laufen, und es geht ums Schießen. Und um die bestmögliche Verbindung." Das sei bei den Russen so gewesen, die er in den vergangenen drei Saisonen betreute, und das gelte auch für die Österreicher, deren Cheftrainer der 48-jährige Sachse seit Mai dieses Jahres ist.

    Groß hat sich in den 17 Jahren seiner eigenen Karriere höchst erfolgreich um die bestmögliche Kombination bemüht. Viermal war er Staffelolympiasieger, neunmal Weltmeister, davon viermal für sich allein. Insgesamt holte er 28 Medaillen. Er hat getan, was die Österreicher unter seiner Anleitung tun sollen – das Potenzial voll ausschöpfen.

    In der vergangenen Olympiasaison ist das nicht gelungen. Das Scheitern wirkte nicht sonderlich spektakulär, weil sich Erfolge im Finish einstellten – Bronze für Dominik Landertinger im olympischen Einzel über 20 Kilometer Mitte Februar sowie der Massenstart-Triumph von Julian Eberhard Anfang März in Kontiolahti, Finnland. Es war der einzige Weltcup-Podestplatz im Einzel. Nicht genug, um Herrentrainer Reinhard Gösweiner völlig aus der Verantwortung zu nehmen. Der 46-jährige Oberösterreicher wirkt jetzt eben als Gesamtchefcoach der Sparte Biathlon unter dem im Skiverband auch für den Langlauf zuständigen sportlichen Leiter Markus Gandler.

    Die Einheit

    Als solcher dürfte es Gösweiner besonders gutheißen, dass mit Groß das Herrenteam nach Jahren der Gruppenbildung wieder zu einer Einheit zurückfand. Eine separate Trainingsgruppe unter Al-fred Eder um dessen Sohn Simon Eder gibt es nicht mehr. Am Stützpunkt in Hochfilzen und alternativ in Ruhpolding wurde die Vorbereitung gemeinsam und quasi durchgehend absolviert – eine Umstellung für Groß, der in den vergangenen drei Jahren dem russischen Lehrgangsystem unterworfen war. Der Zugriff auf die Athleten abseits der Lehrgänge und der Weltcupwochenenden war nicht gegeben – mit allen daraus resultierenden Problemen bzw. Gelegenheiten, sich hinter dem Rücken der sportlichen Leitung zu stärken.

    Groß, dem Ludwig Gredler assistiert, hat einen guten Draht zu Alfred Eder, gegen den er einst noch lief und schoss. Das Wissen "des Fredl", den er schon als Athlet sehr geschätzt habe, sei ihm wichtig, es gelte schließlich die Kräfte zu bündeln, "um die Wettkampffähigkeit herzustellen".

    Das soll nicht nur mit Landertinger (30) gelungen sein, der in der vergangenen Saison nach einer Bandscheibenoperation erheblichen Aufholbedarf hatte, nach einer vollumfänglichen Vorbereitung aber zusammen mit Eder (35) und Julian Eberhard (32) in erster Linie Groß' Hoffnungen trägt. "Sie sind alle schon am Podium gestanden und haben Medaillen gewonnen."

    Die Dreifachspitze

    Die 97-jährige Dreifachspitze muss auch schnell funktionieren, weil für die Österreicher mit dem Heimweltcup in Hochfilzen der erste Saisonhöhepunkt bereits zwischen dem 13. und 17. Dezember ansteht. Der zweite Höhepunkt ist dann die 50. Biathlon-WM, die ab 7. März 2019 in Östersund aufgeführt wird.

    Spätestens in Schweden braucht es auch wieder eine siegfähige Staffel, also einen vierten Mann, der nicht abfällt. Nach Groß' Dafürhalten ist das am ehesten Felix Leitner (21). Der dreimalige Juniorenweltmeister war schon frühzeitig mit einem Weltcupticket bedacht worden, während sich Tobias Eberhard und Sven Grossegger für Pokljuka zu qualifizieren hatten. Die Biathlon-Antiquität Daniel Mesotitsch (42) hat sich noch nicht aufgegeben, muss aber vorerst im zweitklassigen IBU-Cup Resultate liefern, etwa an diesem Wochenende in Idre, Norwegen.

    Dem Kärntner ist das zuzutrauen, dem Nachwuchs eher nicht. Denn Österreichs bewaffneter Langlauf hat in dieser Hinsicht eingestandenermaßen erheblichen Nachholbedarf. Groß: "So ehrlich muss man sein, da müssen wir gewaltig Gas geben."

    Auch hü also da, wo in den vergangenen Jahren eher hott angesagt war. (Sigi Lützow, 1.12.2018)

    • Ricco Groß (48) holte selbst 28 WM- und Olympiamedaillen.
      foto: imago/ernst wukits

      Ricco Groß (48) holte selbst 28 WM- und Olympiamedaillen.

    • Dominik Landertinger kann nach einer kompletten und problemlosen Vorbereitung wieder richtig andrücken.
      foto: apa/barbara gindl

      Dominik Landertinger kann nach einer kompletten und problemlosen Vorbereitung wieder richtig andrücken.

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