Einmal auffüllen, bitte! Ein Wasserprojekt macht Schule

    16. Jänner 2019, 13:37
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    In Deutschland kämpft das Projekt Refill gegen Plastikmüll. Dabei können Durstige ihre eigene Flasche gratis mit Leitungswasser auffüllen

    "Klar, bei uns bekommen Sie Wasser." Der junge Mann im Bioladen in Berlin-Moabit lächelt freundlich. Er meint damit nicht die Flaschen, die man kaufen kann, sondern Leitungswasser, das in mitgebrachte Behälter gefüllt wird. Ähnlich verhält es sich in einem Reisebüro in Mitte. "Wer um Wasser bittet, bekommt welches", sagt eine Mitarbeiterin. "Wir finden die Aktion gut, weil sie Plastik spart und genug Leitungswasser da ist."

    Dass Durstige unterwegs nicht im Supermarkt eine Plastikflasche kaufen müssen, sondern an immer mehr Orten in Deutschland einfach kostenlos Leitungswasser nachfüllen können, ist Stephanie Wiermann zu verdanken. Die Grafikerin und Webdesignerin, die nördlich von Hamburg lebt, bemüht sich seit Jahren, plastikfrei zu leben.

    Aufkleber für Teilnehmer

    Auf der Insel Bali und im englischen Bristol lernte sie eine Initiative kennen, die ihr auch für Deutschland durchführbar schien: "Es ist bestechend einfach. Man braucht bloß einen Aufkleber für die Läden, die mitmachen, und eine Website", meint Wiermann.

    Natürlich wurde es dann doch sehr viel Arbeit, doch die 51-Jährige stellte 2017 Refill Deutschland auf die Beine. An mittlerweile mehr als 3.000 Orten können alle, die Durst haben, ihre mitgebrachten Flaschen kostenfrei mit Leitungswasser auffüllen. Ein Aufkleber mit einem blauen Wassertropfen weist am Eingang auf die Möglichkeit hin.

    Es beteiligen sich Bioläden, Cafés, Restaurants, Friseure, Apotheken, Blumenläden. In Berlin ist auch ein Bestatter dabei. "Es sollte selbstverständlich werden, Leitungswasser zu trinken und Plastikflaschen überflüssig zu machen", sagt Wiermann über das Ziel. Dass es noch ein wenig dauern wird, ist ihr klar: "Veränderung braucht Zeit."

    Doch sie erinnert an eine andere Entwicklung, die auch ihre Zeit brauchte: "In den Achtzigerjahren wurden wir als Öko-Spinner belächelt, wenn man mit der Baumwolltasche einkaufen ging. Heute gibt es Baumwollbeutel in jedem Haushalt." (Birgit Baumann, Portfolio, 16.1.2019)

    INFO

    Keine Privatpersonen
    Wasser könnte in Wohnungen ausgegeben werden. Doch Refill hat sich dagegen entschieden. "Viele Eltern wollten ihre Kinder nicht in fremde Wohnungen lassen", sagt Stephanie Wiermann. Daher sind alle Refill-Stationen öffentlich.

    Zur Not im Marmeladenglas
    Auf Merchandising verzichtet man bei Refill Deutschland bewusst. Natürlich könnten die Initiatoren einheitliche Flaschen ausgeben, doch sie sagen: Wir alle haben genug Flaschen zu Hause. Zur Not tut es auch ein Marmeladenglas.

    Geld fließt keines
    Wasser darf fließen, Geld nicht. Alle Refill-Mitarbeiter sind ehrenamtlich tätig, wer Wasser ausgibt, darf dafür keine Bezahlung verlangen. Hygienevorschriften gibt es keine speziellen, Leitungswasser in Deutschland kann überall ohne Bedenken getrunken werden.

    Österreich
    In Österreich gibt es in Wien und in Graz (refill-graz.at) die Möglichkeit, Wasser in einer mitgebrachten Flasche nachzufüllen.

    • Glasklar besser für die Umwelt: Glasflaschen lassen sich recyclen oder refillen.
      foto: apa / roland schlager

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    • 450 Jahre dauert es, bis eine PET-Flasche (Polyethylen) zerfällt. Auch anderer Müll aus Plastik bleibt der Menschheit lange erhalten: Ein Sackerl zerfällt nach zehn bis 20 Jahren, an den schnellen Kaffeegenuss erinnert ein Coffee-to-go-Becher noch 50 Jahre lang.
      foto: apa /dpa / gregor fischer

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