Wenn Nasentropfen "süchtig" machen

    3. Dezember 2018, 07:53
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    Wer Nasentropfen länger als eine Woche einnimmt, riskiert einen Dauerschnupfen, warnt HNO-Ärztin Ulla Folger-Buchegger

    Der Schädel brummt, die Nase rinnt. Ein Schnupfen kann einen den letzten Nerv ziehen und den Schlaf rauben. "Die Nasenschleimhäute sind wichtige Verbündete im Kampf gegen Erkältungen. Sie wärmen und befeuchten die eingeatmete Luft, filtern Schmutzpartikel aus ihr heraus, stoßen diese dann ab und verhindern damit auch ein Einnisten von Keimen. Hat der Schnupfen zugeschlagen, schwellen die Schleimhäute an und machen das Atmen schwer", erklärt Ulla Folger-Buchegger, HNO-Ärztin am Landeskrankenhaus Steyr.

    Um wieder einigermaßen durchschnaufen zu können, greifen viele Menschen zu Nasensprays oder Tropfen. "Der Einsatz von abschwellenden Medikamenten kann hilfreich sein. Damit können sogar weiterführende Infektionen der Nebenhöhlen und Ohren verhindert werden. Beachten muss man aber unbedingt die Einnahmedauer. Mehr als eine Woche sollte kein Schnupfenspray im Einsatz sein", warnt Folger-Buchegger.

    Nasenspray als Dauerbegleiter

    Der Wirkmechanismus von Nasentropfen ist relativ simpel: Die Inhaltsstoffe verengen die Gefäße, dadurch verringert sich die Blutzufuhr in der Nase, und die Schleimhäute schwellen ab. Man bekommt wieder Luft. Nach etwa einer Woche gewöhnt sich der Körper allerdings an die regelmäßige Dosis und zeigt Überreaktionen: "Wenn die Wirkung nachlässt, schwellen die Schleimhäute stärker – schon nach kurzer Zeit – wieder an. Die Nase trocknet dadurch übermäßig aus, außerdem werden auch die feinen Härchen geschädigt, die Staub und Keime abtransportieren", erläutert die HNO-Ärztin.

    Da sich der abschwellende Effekt nur mehr kurzfristig einstellt, wird die Dosis erhöht und eine gegenteilige Wirkspirale in Gang gesetzt. "Am Ende hat man einen Dauerschnupfen, der schwer wieder abzustellen ist", betont die Expertin. "Ist das kleine Fläschchen mit dem Medikament schon dauerhafter Begleiter, muss man handeln", sagt Folger-Buchegger. Das heißt konkret: Entwöhnung. "Zu Beginn kann man die Dosis reduzieren, indem man auf Präparate für Kinder zurückgreift. Auch ein Umstieg auf Nasensprays mit hypertoner Salzlösung unterstützt den Entwöhnungsprozess. Diese wirken ebenfalls abschwellend, wenn auch nicht stark und prompt. Dafür kommt es auch nicht zu einem Gewöhnungseffekt."

    Nach etwa zwei bis drei Wochen ohne Tropfen oder Spray regeneriert sich die Schleimhaut meist wieder vollständig. Im schlimmsten Fall führt eine langfristige Überdosierung zu einer Übertrocknung der Schleimhaut, es kommt zu einer hypertrophen Schädigung, die chirurgisch behandelt werden muss. In solchen Fällen dürfen nie wieder abschwellende Nasentropfen oder Sprays eingenommen werden. (red, 3.12.2018)

    • Abschwellende Nasensprays und -tropfen schaffen kurzfristig Erleichterung. Allerdings kann es zu einem Gewöhnungseffekt kommen, der zu einem dauerhaften Arzneimittelschnupfen führt.
      foto: getty images/istockphoto

      Abschwellende Nasensprays und -tropfen schaffen kurzfristig Erleichterung. Allerdings kann es zu einem Gewöhnungseffekt kommen, der zu einem dauerhaften Arzneimittelschnupfen führt.

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