Wiener Firma konzipiert Quantenverschlüsselungs-Satellitenmission

    30. November 2018, 11:39
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    Von Risikokapitalgebern gefördert, um Banken, Regierungen und Botschaften aus dem All mit Quantenschlüsseln zu versorgen und damit Geld zu verdienen

    Die Quantentechnologie hat es von den Labors in die Brieftaschen der Risikokapitalgeber geschafft. Sie fördern ein Spin-off von Forschern, die einen Quantenkryptografie-Satelliten konzipiert haben. Er soll innerhalb von vier Jahren sichere Datenschlüssel an Banken und Ämter verkaufen, sagte Rupert Ursin, Quantenphysiker und Mitgründer von "Quantum Technology Laboratory" zur APA.

    Was bisher fast reine Grundlagenforschung war, würde nun zunehmend für Investoren oder Telekommunikationsfirmen interessant, meint Ursin, der am Institut für Quantenoptik und Quanteninformation (IQOQI) der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) forscht. Diese sehen nun Potenzial, mit der Quantentechnik Geld zu verdienen. Die fachliche Expertise kaufen sie sich in der akademischen Welt ein, die sich schon seit mehr als 20 Jahren mit der Quantenforschung beschäftigt, sagte er.

    Sichere Schlüssel an die Erde

    Im konkreten Fall ginge es darum, ein kommerzielles und zuverlässiges Quantensystem für Satelliten zu erstellen, das eine ausreichende Anzahl an sicheren Quantenschlüsseln erstellt und an die Erde funkt. Zahlende Abnehmer sollen etwa Banken, Regierungen und Botschaften sein.

    "Unsere Aufgabe ist, das System zu designen und den Technikern quasi zu erklären, wie sie es bauen müssen", erklärte Ursin: Zum Beispiel, welche Quantenquellen man am besten nimmt, was die Sendeteleskope auf den Satelliten können sollten, welche Genauigkeit bei der Ausrichtung und Fokussierung vonnöten ist, und welche Eigenschaften die einzelnen Photonen und Quantenzustände haben müssen. Sprich: das "Mission Design" liegt in der Hand der Wiener Wissenschafter.

    Hälfte durch öffentliche Hand

    Weil die Mission so progressiv ist, dass selbst die Venture-Kapitalisten sich scheuen, sie zur Gänze zu finanzieren, wird die Hälfte davon von der öffentlichen Hand getragen, in diesem Falle in Gestalt der Europäischen Weltraumorganisation (ESA). Ursin sieht es dennoch als großen Fortschritt an, dass nun Leute die Chance ausmachen, mit der Quantentechnologie Geld zu verdienen und einen Markt dafür sehen: "In meiner Karriere haben so viele Investoren mit mir geredet, die Quantenphysik interessant gefunden haben, doch jede Investitionsdiskussion hat damit geendet, wie die Schönheit der Quantenphysik zu interpretieren ist, und nicht mit einer finanziellen Unterstützung."

    Der Zeithorizont für das Projekt ist äußerst ambitioniert, gestand er ein. Innerhalb von vier Jahren muss es Geld einbringen. Sprich: Bis dahin muss das System konzipiert, gebaut, getestet, gestartet und im All aktiv sein, um von dort aus die Abnehmer von Quantenschlüsseln zu bedienen. In Österreich sei die Quantenforschung aber "so weit vorne", dass man damit auf dem Markt eine Chance hat, meinte Ursin. (APA, 30.11.2018)

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