Notfall bei Merkels Flug zu G20, Berlin dementiert aber Sabotageverdacht

30. November 2018, 08:14
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Den Ausfall der Bordelektronik bei dem Airbus A340 hätte man laut einem Bericht "so nicht für möglich gehalten" – nun wird der Hintergrund geprüft

Berlin – Erst am Tag danach wurde deutlich, wie ernst die Lage Donnerstagabend war: Deutschlands Bundeskanzlerin Angela Merkel sprach nach der unplanmäßigen Rückkehr ihres Regierungsflugzeugs auf dem Weg zum G20-Treffen nach Buenos Aires in Bonn von einer "schwerwiegenden Störung". Zuvor war über den Niederlanden der gesamte Funkkontakt abgebrochen, berichtet der "Spiegel". Nur mithilfe eines Satellitentelefons habe die Besatzung der "Konrad Adenauer" schließlich Kontakt zum Boden herstellen können. Das gelte in der Luftfahrt als gefährlicher Notfall.

Im Kanzleramt hieß es, die Reise sei womöglich nur wegen des Könnens des Piloten noch zu einem guten Ende gekommen. Der Fehler in der Kommunikationselektronik des Airbus A340 der Bundeswehr sei so ungewöhnlich und schwerwiegend, dass nun "in alle Richtungen" auch kriminalistisch ermittelt werde, schreibt die "Rheinische Post".

Verteilerbox defekt

Der Luftwaffensprecher beruhigte hingegen am Freitag. Er könne einen Bericht der Zeitung nicht bestätigen, wonach auch der Verdacht eines kriminellen Hintergrunds geprüft werde, sagte er. "Es handelt sich um eine standardmäßige Überprüfung der ausgefallenen Funkanlage." "Es war eine ernsthafte Störung", sagte Merkel nach dem Zwischenfall in Bonn, wo sie wegen des Abbruchs der Reise die Nacht verbrachte.

Später hieß es vonseiten der Luftwaffe, die Verteilerbox in der Maschine sei die Ursache gewesen. An dieser hingen mehrere Systeme, darunter die Funkanlage und jene Anlage, über die Treibstoff abgelassen werden könne.

foto: reuters / andreas rinke

Die in Berlin gestartete Maschine hatte nach etwa einer Stunde Flugzeit über den Niederlanden umkehren müssen. Der Flugkapitän sprach von einem technischen Problem, das den Ausfall einiger elektronischer Systeme bewirkt habe. Man hatte sich für eine Landung in Köln entschieden, ein Sinkflug ins näher gelegene Amsterdam-Schiphol hätte wegen der ausgefallenen Systeme länger gedauert.

foto: afp / dpa / jorn blank
Merkel musste wieder aussteigen.

In Köln kam es dann noch zu einer weiteren Panne: Wegen eines Flughafenumbaus stand für den A340 nur die kürzere Landebahn zu Verfügung, das noch mit viel Kerosin beladene Flugzeug musste daher so stark verzögern, dass wegen des erhitzten Bremssystems sogar die Feuerwehr ausrücken musste.

Eine Ersatzmaschine wäre für die deutsche Kanzlerin zwar bereitgestanden – allerdings in Berlin und nicht in Köln. Weil der Flug dorthin aber für zu gefährlich erachtet wurde, konnte Merkel ihre Reise nach Argentinien am Donnerstag nicht mehr fortsetzen. Sie wollte nun in einem Linienflugzeug der Iberia via Madrid die Reise nach Buenos Aires antreten, wo sie verspätet eintreffen wird. Immerhin zum Abendessen mit den anderen Staats- und Regierungschefs wird sie, läuft jetzt alles nach Plan, aber da sein.

Wie der "Spiegel" meldet, ist dieser Flug mittlerweile gestartet. "Aus Platzgründen" habe Merkels Ehemann Joachim Sauer nunmehr allerdings in Deutschland bleiben müssen. Vizekanzler Olaf Scholz, Regierungssprecher Steffen Seibert und Merkels außenpolitischer Berater Jan Hecker seien hingegen an Bord. (mesc, APA, 30.11.2018)

  • Angela Merkel musste auf dem Weg nach Buenos Aires Donnerstagabend kehrtmachen. Wie es in Sicherheitskreisen heißt, war die Panne ihres A340-300 gravierend.
    foto: reuters / andreas rinke

    Angela Merkel musste auf dem Weg nach Buenos Aires Donnerstagabend kehrtmachen. Wie es in Sicherheitskreisen heißt, war die Panne ihres A340-300 gravierend.

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