Eurofighter-Ausschuss kreiste um fragwürdige Gelder

    29. November 2018, 16:56
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    Ex-ORFler Seledec und Werber Rumpold wiesen Vorwürfe zu Jet-Deal zurück

    Wien – Eine Million Euro soll ein Eurofighter-Lobbyist allein für Öffentlichkeitsarbeit via ORF zur Jahrtausendwende zur Verfügung gehabt haben – deswegen wird am Donnerstag im U-Ausschuss rund um die umstrittenen Abfangjäger Walter Seledec, früherer Chefredakteur in der Generalintendanz und FPÖ-Bezirksrat, gelöchert.

    foto: apa / herbert pfarrhofer
    "Die Million habe ich noch nicht bekommen!": Nach mehr als zwei Stunden Befragung beantwortete Walter Seledec die Fragen der Opposition sichtlich genervt.

    Doch Seledec, selbst Brigadier der Miliz, bestreitet jegliche Einflussnahme auf die Berichterstattung des ORF. Obwohl er von der Opposition diverse Dokumente vorgehalten bekommt, darunter ein angebliches Sendekonzept, das unter anderem auch Frauen und Pensionisten von dem Militärgerät überzeugen sollte, kann sich Seledec stets darauf berufen, dass der ORF schon im Vorjahr nach einer internen Untersuchung klargestellt habe, seine Eurofighter-Berichte hätten keinen Grund zur Beanstandung gegeben. Ebenso wenig habe eine Überprüfung der Computer, zu denen er Zugang hatte, Hinweise für einen Missbrauch seiner Position gegeben.

    Nach mehr als zwei Stunden Befragung hält Seledec sichtlich genervt fest: Er habe außer vom ORF nie ein Honorar genommen – und ironisch: "Die Million habe ich noch nicht bekommen!"

    Im Clinch mit der FPÖ

    Als zweite Auskunftsperson ist Gernot Rumpold, Werber und Ex-FPÖ-Bundesgeschäftsführer Gernot Rumpold geladen, der bereits im ersten der drei Jet-U-Ausschüsse Rede und Antwort stand. Beim ihm kreisen die Fragen rund um jene 6,5 Millionen Euro, die er in den Jahren 2002 bis 2003 von dem Flugzeughersteller für eine Kampagne erhalten hat.

    foto: apa / herbert pfarrhofer
    "Zu 100 Prozent" schloss Ex-FPÖ-Bundesheschäftsführer Gernot Rumpold Zahlungen an Entscheidungsträger rund um den Abfangjägerdeal aus.

    Doch Rumpold schließt vehement – nämlich "zu 100 Prozent" – aus, dass davon irgendwelche Gelder an damalige Entscheidungsträger weitergereicht worden seien – auch nicht an die FPÖ, denn: "Ich war damals mit der Partei im Clinch." Einmal mehr verteidigte er das legendäre Pressekonferenz-Honorar im Ausmaß von 96.000 Euro – damit seien Technik und Rednerpulte angeschafft worden, außerdem habe es als "Giveaways" mundgeblasene Weingläser gegeben.

    Mit Unterlagen konfrontiert, wonach es bei Eurofighter Vorbehalte gegen ihn bezüglich "illegaler Parteienfinanzierung" gegeben habe, er aber mit PR-Aufträgen versorgt werden müsse, um seine "Tätigkeit" zu entlohnen, gab sich Rumpold unwissend. Auch von einem Meeting im Jänner 2002, bei dem Ex-FPÖ-Chef Jörg Haider, der einstige Finanzminister Karl-Heinz Grasser und Ex-FPÖ-Generalsekretär Peter Sichrovsky sich bereits hinter die Eurofighter gestellt hätten und Rumpold für die Kampagne empfohlen haben sollen, wollte er nichts wissen.

    Für Peter Pilz von der Liste Jetzt und Michael Bernhard von den Neos war das vertrauliche Dokument aus den Reihen des Flugzeugherstellers die Neuigkeit des Befragungstags. Es sei der Beleg dafür, dass die Führung der FPÖ "Österreich nach Strich und Faden belogen und betrogen hat", meinte Pilz nach der Befragung. (Nina Weißensteiner, 29.11.2018)

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