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    "Es braucht einen neuen Schulterschluss."

    29. November 2018, 16:26

    economyaustria wurde 1999 zur Förderung der digitalen Transformation in KMU und Industrie gegründet. Christian Czaak, Gründer und Herausgeber der Plattform im Gespräch über 20 Jahre betriebliche Innovation in Österreich.

    Was war die Initialzündung zur Plattform-Gründung?

    Christian Czaak: Eine WU-Studie unter den Top-500 zum Thema Digitalisierung. 62 Prozent der Betriebe meinten damals, das Thema werde sie nicht betreffen. Das damalige Wirtschaftsministerium schrieb dann eine B2B-Plattform aus und mein Konsortium aus IT-Industrie, Wissenschaft und Medien setzte sich mit einem innovativen Konzept durch.

    Was war die Innovation?

    Der Fokus auf Best Practice Beispiele, wo branchenübergreifende Unternehmen ihre eigenen Erfahrungswerte berichten und Technologie entsprechend kritisch und praxisorientiert erläutert wird. Und die Kombination aus einer der ersten interaktiven Webplattformen mit verschiedenen Veranstaltungsformaten und Medienpartnern, um die Betriebe direkt zu vernetzen und dafür auch breite Öffentlichkeit zu schaffen.

    Das Konzept wurde auch von der EU übernommen...

    ... und aus 162 europäischen IKT-Initiativen als eu-weites Vorzeigeprojekt ausgezeichnet.

    Welche Meilensteine gab es noch?

    Die Erweiterung der Plattform um Forschung und Innovationsförderung mit den ersten Programmlinien der Kompetenzzentren von Bund und Ländern. Parallel haben wir die ersten E-Business-Staatspreis initiiert, mit dem at.award den ersten IT-Start-Up Wettbewerb veranstaltet, mit Cyberschool den ersten Internet-Schulbewerb für gemeinsame Webprojekte von Schülern und Unternehmen. Dazu den ersten Technologiepark in der Messe Wien, wo FE-Zentren, IT-Industrie und Unternehmen betriebliche Innovation live erlebbar präsentierten.

    Lassen sich die Maßnahmen auch in Zahlen messen?

    Über 6.000 transportierte Innovationsprojekte aus allen Branchen, rund 34.000 Unternehmenslenker bei den Veranstaltungen, 1.800 Webprojekte von Schülern und Betrieben, aktuell rund 52.000 Entscheider als Community-Mitglieder der Plattform. Dazu knapp 300 mir bekannte neue Projekte direkt für meine IT-Partner, von Webshops und Konzernnetzwerken über Cloud und Outsouring bis Beschaffungsplattformen für Konzerne oder IoT-Lösungen. Zuletzt haben wir als Erste mit Video-Referenzen begonnen, seither knapp 100 Berichte gedreht, die viral wiederum rund 28.000 Unternehmern gesehen und hoffentlich auch betrieblich verwertet haben.

    Gibt es auch standortpolitische Ergebnisse?

    Wir haben das abstrakte Thema Innovation greifbar gemacht, FE- und IT-Markt Notwendigkeit und Werkzeuge für die Ansprache von Unternehmen vermittelt und über die Öffentlichkeitsarbeit auch einen relevanten Multiplikatoreffekt erzeugt. Im Vergleich zu 1999 steht heute die wirtschafts- und gesellschaftspolitische Bedeutung dieser Themen außer Frage.

    Wie hat sich der betriebliche IT-Einsatz entwickelt?

    Früher wurde IT mit einem im Keller befindlichen EDV-Kammerl und fremdartig sprechenden Menschen verbunden. Seitens der IT-Industrie stand primär das mit englischen Kürzeln unterlegte technologisch Machbare im Vordergrund und das war für technologieferne Unternehmenslenker eine Hemmschwelle. Mit der Zeit orientierte sich die IT am betrieblichen Nutzen und am Anwender und parallel entwickelte sich Innovation zu einer übergreifenden Querschnittsmaterie.

    Was ist der aktuelle Stand?

    Digitale Transformation ist für Unternehmen jeder Branche und Größe überlebensentscheidend. Innovative Technologien ermöglichen rasch, dass Kleine die Größen fressen oder Neue die Alten. Besonders spannend sind branchenübergreifende Projekte mit der Entwicklung komplett neuer Geschäftsmodelle.

    Können Sie Beispiele nennen?

    Kapsch und Sedus, die gemeinsam intelligente Büromöbel entwickeln. T-Systems und Quehenberger mit automatisierter Steuerung heikler Logistikströme. Das sind neue digitale Lösungen für einen branchenübergreifenden Weltmarkt. Oder die Fintechs Wirecard und Klarna, die primär dem Handel mit länderübergreifenden Bezahllösungen ebenso internationale Märkte eröffnen.

    Wie sehen Sie die aktuellen wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen?

    Ambivalent. Wöchentlich teilweise idente Förderprogramme zu unverständlichen Themen mit mickrigen Volumina sind unübersichtliches Stückwerk und erfreuen bestenfalls die damit immer verknüpfte IT-Beratersparte. Es braucht einen neuen Schulterschluss von Politik, der mehrheitlich bereits hochinnovativen Industrie und Forschungszentren für einen nachhaltigen Digital-Transfer zu kleinen und mittelständischen Unternehmen. Ähnlich der laufenden und wichtigen Initiative von Bundeskanzleramt und Medienminister für eine gemeinsame Plattform im Medienbereich.

    • Christian Czaak, Gründer und Herausgeber der Plattform economyaustria
      foto: economy

      Christian Czaak, Gründer und Herausgeber der Plattform economyaustria

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