Ansatz für bessere Stammzelltherapie gegen Leukämie entdeckt

    30. November 2018, 06:00
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    Das Ausschalten von Zytokin GM-CSF könnte eine gefährliche Immunreaktion verhindern, hoffen Forscher der Uni Zürich

    Zürich – Wenn Leukämiepatienten eine Stammzelltransplantation erhalten, greifen die fremden Zellen mitunter das körpereigene Gewebe an. Forscher der Universität Zürich haben nun einen Faktor entdeckt, der eine Schlüsselrolle bei einer gefährlichen Komplikation nach einer Stammzelltherapie bei Blutkrebs spielt. Laut eigenen Angaben konnten sie einen neuen Ansatzpunkt identifizierten, um diese Reaktion zu unterdrücken.

    Eine Stammzelltherapie kann Leukämiepatienten zu vollständiger Genesung verhelfen: Ihre eigenen, entarteten Blutstammzellen werden durch Bestrahlung oder Chemotherapie zerstört und anschließend durch Stammzellen eines Spenders ersetzt. Jedoch greifen die aus den Spenderzellen hervorgehenden Immunzellen mitunter das körpereigene Gewebe des Patienten an, weil sie es als fremd erkennen. Diese Graft-versus-Host-Reaktion (Transplantat-gegen-Wirt-Reaktion) tritt bei 30 bis 60 Prozent der Stammzell-Empfänger auf. Bei rund der Hälfte davon führt sie zum Tod.

    Bisher versuchen Mediziner, die Graft-versus-Host-Reaktion mit Medikamenten zu unterdrücken, die das Immunsystem hemmen. Allerdings hat dies den Nachteil, dass die Spenderzellen dadurch auch schlechter in der Lage sind, verbleibende Krebszellen abzutöten.

    Zytokin ausschalten

    Wie die Wissenschafter um Burkhard Becher vom Universitätsspital Zürich gemeinsam mit Kollegen des Uniklinikums Freiburg im Breisgau nun im Fachblatt "Science Translational Medicine" berichten, ist ein Botenstoff des Immunsystems ein entscheidender Faktor für das Auslösen der gefährlichen Reaktion. Dieses Zytokin namens GM-CSF hilft bei gesunden Menschen, Entzündungen zu bekämpfen. Es wird von bestimmten Immunzellen produziert.

    Die Forscher konnten im Mausmodell zeigen, dass Spenderzellen bei der Graft-versus-Host-Reaktion grosse Mengen an GM-CSF produzieren. Erhielten die Mäuse jedoch Spenderzellen, die den Botenstoff nicht herstellen konnten, so waren sie vor der Abstossungsreaktion geschützt. "Das Ausschalten dieses Zytokins ist also eine sehr präzise Methode, um die Gewebeschäden durch die Graft-versus-Host-Reaktion zu unterdrücken", sagt Becher.

    Krebszellen abtöten

    Allerdings befürchteten die Immunologen, dass das Ausschalten von GM-CSF auch die Fähigkeit der Spenderzellen beeinträchtigt, die Tumorzellen abzutöten. Doch weitere Untersuchungen ergaben, dass dies nicht der Fall war. Die Spenderzellen konnten trotz Fehlen des Immunbotenstoffs die verbleibenden Krebszellen eliminieren.

    Zudem konnten die Wissenschafter auch bestätigen, dass GM-CSF im Menschen ebenfalls eine Schlüsselrolle für die Graft-versus-Host-Reaktion spielt. Nun sei eine klinische Studie geplant, um zu testen, ob die Blockade des Botenstoffs die gefährliche Attacke der Immunzellen auf körpereigenes Gewebe verhindern kann, heißt es vonseiten der Universität Zürich. "Wenn dabei trotzdem die Anti-Tumor Wirkung erhalten bleibt, wird die Erfolgsquote der Stammzelltherapien steigen und mit viel weniger Risiko verbunden sein", ist Studienleiter Becher überzeugt. (APA, sda, 30.11.2018)

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