Ukraine will orthodoxer Kirche wichtiges Kloster wegnehmen

    29. November 2018, 14:07
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    Ukrainische Regierung überträgt Nutzungsrechte der Ukrainisch-Orthodoxen Kirche des Moskauer Patriarchats für Mariä-Himmelfahrts-Kloster in Potschajiw auf regionale Denkmalschutzbehörde

    Kiew – Die ukrainische Regierung macht der mit Moskau verbundenen orthodoxen Kirche des Landes eines ihrer wichtigsten Klöster streitig. Das Kabinett sprach der Kirche am Mittwoch das Nutzungsrecht für das Mariä-Himmelfahrts-Kloster von Potschajiw bei Ternopil in der Westukraine ab und übertrug es der regionalen Denkmalschutzbehörde, wie ukrainische Medien (Donnerstag) laut Kathpress berichteten.

    Das Nutzungsrecht sei der Kirche des Moskauer Patriarchats von den Behörden 2003 gesetzeswidrig erteilt worden, hieß es zur Begründung. Das imposante Wallfahrtskloster trägt den Ehrentitel "Lawra", wie insgesamt nur fünf Klöster des Moskauer Patriarchats. In ihm leben rund 200 Ordensmänner und 50 Novizen. Bereits am vergangenen Freitag hatte das Justizministerium den Entzug des Nutzungsrechts mitgeteilt. Die Ordensbrüder warfen der Regierung darauf vor, "kommunistische Methoden" im Kampf gegen ihre Kirche anzuwenden. Kiew wolle das Kloster der geplanten eigenständigen orthodoxen Landeskirche übergeben, die demnächst gegründet werden soll, heißt es in einem Protestschreiben.

    "Recht auf eigene Kirche"

    Die Regierung in Kiew machte selbst bisher keine genauen Angaben zu der künftigen Verwendung des Klosters. Staatspräsident Petro Poroschenko fordert seit langem die Gründung einer von Moskau unabhängigen orthodoxen Landeskirche. Er beschuldigt die mit Moskau verbundene Kirche, ein verlängerter Arm von Präsident Wladimir Putin zu sein. "Wie kann man in eine Kirche gehen, in der die Gottesdienste mit Gebeten für (den Moskauer Patriarchen) Kyrill, Putin und die russische Armee beginnen", fragte er am Mittwoch bei einem Besuch in der Nordukraine. "Unser großes Volk hat das Recht auf seine eigene Kirche."

    Das Kloster war der Kirche 2003 unter dem damaligen Regierungschef Viktor Janukowitsch, der 2014 nach Russland floh, bis 2052 übertragen worden. Die meisten ukrainischen Sakralbauten gehören dem Staat und wurden den Konfessionen nur zur kostenlosen Nutzung überlassen.

    Das Mariä-Himmelfahrts-Kloster von Potschajiw wurde der Überlieferung nach 1240 gegründet. Neben ihm tragen in der Ukraine nur zwei andere Klöster den Ehrentitel "Lawra". Eins davon ist das Höhlenkloster in Kiew, der Hauptsitz der mit Moskau verbundenen Kirche. Manche Politiker fordern, es der Kirche ebenfalls abzunehmen. (APA, 29.11.2018)

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