Bitcoin-Miner werfen nach Kurssturz reihenweise das Handtuch

    30. November 2018, 13:00
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    Das Schürfen von Kryptowährungen ist kaum rentabel. Auch die österreichische Bittex stoppte die Produktion – vorübergehend, wie es heißt

    Bisher galt die Marke von 6.000 Dollar, über der sich Bitcoin von August bis Mitte November stabilisieren konnte, gewissermaßen als Preisuntergrenze. Darunter galt das Schürfen der Kryptowährung durch Rechenleistung wegen der teuren Hardware und des hohen Stromverbrauchs als unrentabel. Dann ging es doch in mehreren Schüben mit fast allen digitalen Währungen weiter talwärts, sodass ein Bitcoin in dieser Woche zeitweise unter 3500 Dollar zu haben war. Game over für etliche Miner, wie die Schürfer im Branchensprech genannt werden.

    Aus China, einem Hotspot der Schürfer, wird berichtet, dass reihenweise die besonders energiehungrigen Mining-Anlagen, die selbst mit günstigstem Strom kaum mehr wirtschaftlich betrieben werden können, entrümpelt werden. Ablesen lässt sich das auch am erstmals deutlich abnehmenden Stromverbrauch des Bitcoin-Systems: Hatte sich Gesamtkonsum vor dem Durchbrechen der 6.000er-Marke laut dem Bitcoin Energy Consumtion Index bei 73 Terawattstunden (TWh) pro Jahr eingependelt, ist er seitdem auf 52 TWh gesunken. Zum Vergleich: Über Österreichs öffentliches Stromnetz wurden im Vorjahr 63,4 TWh verbraucht.

    Bis zu 800.000 Miner weniger

    Laut Coindesk haben 600.000 bis 800.000 Bitcoin-Schürfer im November ihre Anlagen abgeschaltet oder vorübergehend vom Netz genommen. Auch bei der oberösterreichischen Bittex, nach eigenem Bekunden größter heimischer Miner, wurde die Produktion auf Eis gelegt. "Wir sind auf Stand-by", berichtet der strategische Manager, Rudolf Engelsberger – und man sucht nach Auswegen. Die auf das Schürfen von Ethereum, derzeit drittgrößte Kryptowährung, spezialisierte Firma will sich nicht darauf verlassen, dass der Betrieb der Mining-Anlage allein durch einen raschen Kursanstieg wieder rentabel wird. Ab welchem Ethereum-Preis das der Fall wäre, will Engelsberger zwar nicht beziffern – er sagt aber, dass schon "eine ordentliche Kurserholung" eintreten müsste.

    foto: apa / afp / lard hagberg
    Die Hardware für die Erzeugung von Bitcoin ist teuer, und der Betrieb frisst enorm viel Strom. Kosten, die beim derzeitigen Kursniveau kaum zu decken sind.

    Ethereum ist wie Bitcoin enorm unter die Räder gekommen, vom einstigen Rekordhoch bei 1.250 Dollar sind nur noch knapp über 100 Dollar übrig. "Das Tal der Tränen kann noch ein paar Monate oder auch Jahre dauern", erwartet der Bittex-Manager keine schnelle Trendumkehr. Da auch die Versorger eher weiter steigende Strompreise erwarten würden, blickt man bei Bittex notgedrungen über die Landesgrenzen: Eine Abwanderung aus Österreich oder Europa steht zur Diskussion. "Wir sind in einer Findungsphase", sagt Engelsberger.

    Rechenkraft im Bitcoin-Netzwerk sinkt

    Der Rückzug vieler Miner verbildlicht geradezu das Ende der Goldgräberstimmung. Dabei sind Schürfer für das Funktionieren des Systems unerlässlich, denn durch sie werden laufende Transaktionen einer Währung verifiziert. Allerdings es gibt eine Art marktwirtschaftliche Selbstheilung: Da die gesamte Rechenkraft im Bitcoin-Netzwerk im November um fast ein Viertel gesunken ist, können verbliebene Miner leichter zusätzliche Einheiten der Währung erzeugen.

    Engelsberger sieht daher keinen Grund, die Flinte ins Korn zu werfen. Zumal der jüngste Kursrutsch bei ihm "den Eindruck macht, dass mit großen Kapitalmengen die Kurse aktiv beeinflusst wurden". Er ist überzeugt, dass sich Kryptowährungen trotz der Kursturbulenzen etablieren werden. (Alexander Hahn, 29.11.2018)

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