Wie Mütterblogs das Bild des Mamaseins bestimmen

Blog30. November 2018, 07:00
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Viele Frauen greifen deshalb auf Mütterblogs zurück, weil sie sich in der virtuellen Gemeinschaft emotionale Unterstützung erhoffen und Bestärkung in ihren Fragen rund um die Themen Muttersein und Kindererziehung

Katharina (34) hat vor acht Monaten Moritz zur Welt gebracht. Der Kleine ist ein wahrer Sonnenschein, doch das ständige Alleinsein und die immerfort gleichen Tage machen es der Mama zunehmend schwer, die Karenzzeit auch ein wenig zu genießen. Da kommt es schon manchmal vor, dass sie in sozialen Medien nach Mamablogs, Foren und Internetseiten Ausschau hält und auf diesen auch schreibt. Oft hat sie das Gefühl, dass die anderen genau wissen, wie es ihr geht, andererseits merkt sie auch, dass solche Foren nicht immer helfen können, die Eintönigkeit ihrer Tage zu durchbrechen.

Angelika und Jannik sind Eltern von Zwillingen. Hermine und Henriette, beide vier, sind in letzter Zeit sehr widerspenstig und machen es den beiden Erwachsenen nicht unbedingt leicht. Jannik sucht, so oft er kann, seinen Sportklub auf, um auf andere Gedanken zu kommen. Angelika aber durchforstet das Internet nach Hilfestellungen und Ratschlägen, wie sie besser mit ihren Kindern umgehen könnte. Doch oft ist Angelika frustriert, es scheint, als würde es anderen Müttern viel leichter fallen, Familienleben, Beruf und Freizeit unter einen Hut zu bringen.

Jenny (29) hat aus Interesse eine Gruppe in einem sozialen Medium eröffnet. Sie wollte sich gerne mit anderen Müttern austauschen, doch stellt sie seit einiger Zeit fest, dass in dieser Gruppe immer wieder Mütter mitschreiben, die ganz andere Ansichten haben als sie selbst. Manchmal finden dann auch große Diskussionen bis hin zu Beschimpfungen unter den Posterinnen statt. Oft erwischt sich Jenny dabei, dass sie sich überlegt, wirklich ihre persönliche und eigene Meinung da überhaupt hinzuschreiben – und ob sie da nicht eventuell von anderen für ihre Aussagen angegriffen wird.

foto: getty images/grapeimages
Mütter suchen in Foren oder auf Blogs nach Hilfe oder Erziehungstipps.

Mütterblogs bestimmen mitunter das Mutterbild

Das Muttersein ist in der Vorstellung oftmals ganz anders als die Realität des Lebens mit Kind. Das Bild, das sich aus manchen Internetforen zu ergeben scheint, vermittelt, dass die Mütter trotz aller Anstrengungen und Herausforderungen alles gut unter einen Hut bringen und nahezu übermenschlich agieren. Dies erzeugt ein unrealistisches Bild, dem viele Frauen nachzueifern versuchen und an sich zu zweifeln beginnen.

In den letzten Jahren boomen Blogs und Foren, Internetseiten und Portale rund um das Thema "Mama werden" und "Mama sein". Zu beinahe jedem Bereich rund ums Baby und Kind gibt es unzählige Angebote für Tipps und Diskussionen, aber auch nur Einblicke in fremde Familien und deren Alltag.

Auf diesen Mamablogs schreiben Mütter über verschiedene Aspekte des "Lebens mit Kindern". Die Spannbreite dieser Seiten reicht von persönlichen Berichten über Schwangerschaft, Geburt und die Erziehung der Kinder bis hin zu Buchempfehlungen, Filmrezensionen, Tipps für den Alltag und das Reisen mit Kindern, Anleitungen für gesunde Rezepte oder Bastelanleitungen sowie gesellschaftspolitischen Kommentaren.

Vermehrt wird erwähnt, wie groß die Freuden der Mutterschaft sind. Vor allem Erwähnung finden die ersten Lebensjahre des Kindes sowie der Unmut darüber, wie oft Mütter Isolation von der Umwelt durch ein Kind erleben.

Die meisten Mütterblogs sind an Frauen adressiert, die entweder bereits Nachwuchs haben oder dabei sind, diesen zu planen. Bedeutsam dafür, dass diese Foren und Blogs besucht werden, sind die Interaktivität und die virtuelle Gemeinschaft, die dadurch entstehen, dass der Austausch untereinander jederzeit möglich ist und Frauen sich in Aussagen anderer Frauen wiederfinden können.

Der Einsamkeit entfliehen

In den letzten Jahren ist die Anzahl von sogenannten Mamablogs sehr stark gewachsen. Die Gründe dafür sind vielfältiger Natur. Einerseits erleben Mütter vor allem in der Karenzzeit viel Isolation, Einsamkeit, Verunsicherung, und andererseits gibt es ein riesengroßes Bedürfnis, sich mit anderen Müttern auszutauschen. Da es oftmals kein persönliches Netzwerk gibt, um sich mit anderen Müttern zu treffen, wird im Internet gesucht.

Viele Frauen greifen deshalb auf Mütterblogs zurück, weil sie sich in der virtuellen Gemeinschaft emotionale Unterstützung erhoffen und Bestärkung in ihren Fragen rund um die Themen Muttersein und Kindererziehung. Dabei scheint es den meisten Nutzerinnen wichtig zu sein, dass sie die gegenseitige Solidarität spüren und das Gefühl haben, dazugehören zu können.

Mitunter kann der direkte Kontakt in Mütterrunden und Babytreffen Kritik schwieriger machen als der virtuelle Austausch, in dem man anonym ist. Was im virtuellen Kontakt verlorengeht, ist das unmittelbare Spüren und Wahrnehmen der tatsächlichen persönlichen Reaktionen anderer Mütter in der Runde. In Foren sind die Reaktionen in den Postings oftmals bereits gefiltert und entschärft.

Mütterforen können eine zusätzliche Möglichkeit des Austauschs mit anderen sein, aber den realen persönlichen Kontakt und die Auseinandersetzung mit anderen nicht ersetzen und helfen nur bedingt, der Einsamkeit zu entfliehen.

Warum lesen Sie solche Blogs und Foren?

Was halten sie allgemein davon, sich darüber im Internet auszutauschen? Welche positiven und/oder negativen Erfahrungen haben Sie damit? Posten Sie Ihre Erfahrungen, Fragen und Ideen im Forum! (Andrea Leidlmayr, Christine Strableg, 30.11.2018)

Andrea Leidlmayr und Christine Strableg bloggen auf derStandard.at/Familie und geben Eltern Tipps für den täglichen Erziehungsalltag.

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