Trump-Tweet zeigt Obama, die Clintons und Mueller hinter Gittern

    29. November 2018, 10:50
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    Der US-Präsident retweetete das Bild eines rechten Accounts, das für die Strafverfolgung seiner Gegner wegen Verrats plädiert

    Washington – Viel Mühe hat sich der Ersteller des Memes in Microsoft Paint nicht gegeben: Schlecht ausgeschnittene Figuren sind darauf zu sehen, sie zeigen die ehemaligen US-Präsidenten Bill Clinton und Barack Obama, die frühere Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton, Ex-Justizminister Eric Holder und Donald Trumps aktuellen Vizejustizminister Rod Rosenstein und Russland-Ermittler Robert Mueller. Sie alle und weitere Trump-Gegner sind hinter Gittern zu sehen, im Titel wird dazu aufgefordert, sie wegen Landesverrats vor Gericht zu stellen, jetzt, wo die geheime Zusammenarbeit Trumps mit Russland "als Lüge bewiesen worden" sei.

    Der US-Präsident kommentierte das Meme zunächst nicht, es ist Teil einer wahren Flut an Tweets aus den vergangenen Tagen, die die Russland-Ermittlungen zum Inhalt haben. Der präsidiale Social-Media-Marathon passt zu Meldungen, die US-Medien seit Tagen verbreiten: Die Nervosität in dieser Sache sei bei Trump in der vergangenen Woche deutlich gestiegen.

    Erst vor wenigen Tagen hatte der US-Präsident seine schriftlichen Antworten auf Fragen Muellers in der Sache übermittelt: Wie CNN berichtet, stellte er dabei in Abrede, über Kontakte seines Vertrauten Roger Stones zu Wikileaks-Gründer Julian Assange und über das geheime Treffen seines Sohnes mit angeblichen Vertreten Russlands informiert gewesen zu sein. Seinem ehemaligen Walkampfchef Paul Manafort hat Mueller in den vergangenen Tagen Lügen unter Eid vorgeworfen.

    Gewalttaten vor Wahlen

    Der Rundumschlag via Twitter sorgte dennoch umgehend für Kritik. Mehrere der abgebildeten Personen zählen zu jenem Kreis an Trump-Kritikern, denen im Vorfeld der Midterm-Elections Anfang November Briefbomben zugeschickt worden waren. Als Absender hatte sich wenig später der fanatische Trump-Fan Cesar Sayoc erwiesen, der sich unter anderem von Hassseiten im Internet hatte radikalisieren lassen. Auch an seinem Auto hatten sich eine ganze Reihe ausgedruckte Pro-Trump-Memes befunden, darunter solche, die seine Gegner im Fadenkreuz gezeigt hatten.

    Wenige Tage später verübte ein rechtsradikaler Antisemit einen tödlichen Terroranschlag auf eine Synagoge in Pittsburgh. Der Täter, Gregory Bowers, gab zwar zu verstehen, dass ihm Trumps Politik "zu weich" gewesen sei, er berief sich aber ebenfalls auf die Social-Media-Kampagne über eine drohende "Invasion" durch Migranten aus Mittelamerika, die der Präsident massiv als Futter für seinen Wahlkampf verwendet hatte.

    Hinter Gittern wegen Ermittlungen

    Der US-Präsident selbst verteidigte in einem Interview mit der "New York Post" das Meme. Auf die Frage, wieso sein amtierender Vizejustizminister Rosenstein hinter Gitter gehöre, sagte er, dieser "hätte niemals den Sonderermittler (Mueller, Anm.) einsetzen dürfen". Wieso es sich dabei um eine Straftat handeln soll, erklärte Trump nicht.

    Auch zur Entlassung des FBI-Chefs James Comey gab der US-Präsident dem Boulevardblatt ein Statement: Er sei "froh", dass er Comey gefeuert habe. "Sonst wüssten wir nichts über Andrew McCabe, Peter Strzok und seine Freundin Lisa Page." McCabe, einst Vizechef des FBI, war wegen des Vorwurfs der Weitergabe interner Informationen entlassen worden. Strzok war Teil von Muellers Ermittlerteam, wurde aber entlassen, nachdem Textnachrichten an Page öffentlich geworden waren, in denen er Trump kritisiert hatte. (mesc, 29.11.2018)

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