Pro & Kontra: Die Zeitung als Geschenkpapier

    Kolumne21. Dezember 2018, 07:00
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    Perfekte Individualität oder doch lieber ganz verzichten

    foto: petra eder

    Pro
    von Michael Steingruber

    Zu Geburtstagen oder zu Weihnachten gibt es wohl nichts Schlimmeres, als ein unpersönliches, beliebiges Präsent zu überreichen. Dann lieber gar nichts! Das perfekte Geschenk macht vor allem Individualität aus. Aber warum beim Einpacken plötzlich inkonsequent werden und den mit Liebe ausgewählten Gegenstand in ein 08/15-Geschenkspapier einwickeln, wo es doch so einfach geht, auch der Verpackung eine persönliche Note zu verleihen?

    Einfach die bereits gelesene Zeitung noch einmal zur Hand nehmen! Die eignet sich nämlich super als Geschenkpapier: Die Börsenkurse für Zahlenfreunde, schön bebilderte Seiten für Ästheten oder der Sportteil für Aktive ...

    Okay, klassische Geschenkpapiere machen optisch vielleicht mehr her als eine Zeitungsdoppelseite. Aber in der Masse an konventionell verpackten Präsenten auf dem Gabentisch oder unter dem Christbaum sticht ein lachsrosa Packerl voller Text definitiv ins Auge. Außerdem ist dem Schenker ein Gefühl moralischer Überlegenheit sicher, schließlich hat er nach dem Zero-Waste-Prinzip verpackt.

    Kontra
    von Lara Hagen

    In Zeiten wie diesen sollte man auch zu Weihnachten nach Zero-Waste-Grundsätzen leben – bei der Verpackung geht das ganz einfach. Was kann also schlecht daran sein, Zeitungspapier, das sowieso im Altpapier landet, umzufunktionieren? Grundsätzlich: nichts.

    Allerdings ist es nicht mehr so einfach. Der Medienwandel macht auch vor Journalistinnen keinen Halt – auf einmal ist kein Zeitungspapier zum Umfunktionieren mehr da, weil alle Nachrichten nur noch digital konsumiert werden.

    An so manchem Geschenk ist das Papier, in das es eingepackt wurde, noch das Schönste. "Das ist ja toll eingepackt!" – der Satz rettet den Familienfrieden und ist dann nicht einmal eine Lüge. Und nichts gegen lachsrosa eingepackte Geschenke, aber ein Hingucker sind sie nicht.

    Das führt zu Problem Nummer drei: Verpackungskünste bzw. das Nichtvorhandensein dieser. Das Gegenteil von gut ist gut gemeint. In diesem Fall sollte man einfach vollkommen auf Verpackung verzichten. Dann klappt das mit Zero Waste auch wieder. (RONDO, 21.12.2018)

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